Aktuelle Ausgabe
2010-31


Seelsorge in Island erfordert viel Kreativität – und einen Computer

Katechese via Skype

Island ist mit seinen 320000 Einwohnern auf einer Fläche von 103000 Quadratkilometern das am dünnsten besiedelte Land Europas. Die 17 Priester und rund 40 Ordensleute müssen somit nicht nur viel reisen, um die Gläubigen zu erreichen, sondern auch in der Betreuung der Gemeindemitglieder sehr kreativ sein.

Text: Angelika Prauß

Fotos: Wolfgang Radtke

 „Ein Katholik pro Kilometer – das ist Mission...“, sagt Kapuziner David Tencer und deutet auf eine Landkarte von Island. Seine Gemeinde St. Thorlak erstreckt sich über 600 Kilometer, rund um den Süd- und Ostteil des Vatnajökull, des größten Gletschers Europas. 

Um die 600 Schäfchen ihrer Kirchengemeinde zu erreichen, müssen sich der Priester und seine beiden Mitbrüder etwas einfallen lassen – auch bei der Katechese. Denn unmöglich können etwa Kinder für die Erstkommunionvorbereitung jede Woche bis zu 600 Kilometer nach Reydafjödur in den gleichnamigen Ost-fjord reisen. Und so hält Bruder David die Erstkommunion- und Firmkatechese eben via Skype am PC, telefoniert also übers Internet mit ihnen.

Meist finden die Gespräche abends statt, „wenn die Kinder zu Hause sind“, erklärt der Kapuziner. Dann zieht sich der 46-Jährige in den Wintergarten des kleinen Klosters Kollaleira – einen ehemaligen Bauernhof – zurück, stopft seine Pfeife und fährt seinen Laptop hoch. Von dort hat er einen schönen Blick über die Bucht und auf den kleinen Wasserfall am gegenüberliegenden Berg. Wie er da so sitzt, wirkt die Szenerie wie eine Kommandozentrale im Namen des Herrn. 

Hier stellt Bruder David auch die Unterrichtsmaterialien in Form von Power-Point-Präsentationen zusammen. Denn auf Katechesebücher kann der Kapuziner nicht zurückgreifen, „es gibt einfach keine und auch kein organisiertes Katechesesystem“, sagt der Geistliche. Sein Unterrichtsmaterial in englischer Sprache bastelt er deshalb selbst an seinem Laptop zusammen, recherchiert im Internet, entwickelt eigene Kurse – etwa über Altes und Neues Testament, die Messe, den Glauben. Die Kinder öffnen die neuen Unterlagen und tauschen sich dann mit dem Seelsorger über den neuen Stoff via Internet aus. Immerhin erreicht Bruder David so rund 120 junge Menschen. 

Andere Katholiken kommen direkt zu den Kapuzinern. Die kleine Klosterkapelle von St. Thorlak wird von den Einheimischen gerne besucht. Zur Sonntagsmesse können die Ordensmänner rund 15 Isländer begrüßen. Zudem besuchen die polnischen Arbeiter des benachbarten Aluminiumwerkes den samstäglichen Gottesdienst im Kloster. Wegen ihnen kamen die Brüder vor sechs Jahren überhaupt in den Osten Islands. 2004 wurden ausländische Arbeitskräfte von der isländischen Regierung angeworben, um in dem Ostfjord das Aluminiumwerk sowie das dafür nötige Wasserkraftwerk zu bauen. Die neue Industrie sollte die Abwanderung der Bewohner in den bevölkerungsreichen Südwesten stoppen. 

Doch nun sind durch die Wirtschaftskrise viele wieder in ihre polnische Heimat zurückgekehrt; die verbliebenen katholischen Arbeitskräfte freuen sich über das Seelsorgeangebot der Kapuziner, die vom Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken unterstützt werden. Bislang setzten sie sich nach der Messe im Keller des Klosters noch auf einen Kaffee zusammen. Bald dürften dazu bessere Räumlichkeiten zur Verfügung stehen: Bruder Peter Kovacik, ein gelernter Zimmermann, will den früheren Schafstall des Bauernhofes in einen Gemeinderaum umbauen. 

Und ansonsten heißt es, wie so oft in Island: flexibel sein. Weil Bruder David einen guten Draht zum Besitzer der örtlichen Fischfabrik hat, wird auch dort einmal im Monat Messe gefeiert. Gibt es solche Möglichkeiten nicht, trifft man sich in einer lutherischen Kirche oder auch mal in Privathäusern zur Messe. Denn die nächste katholische Kirche befindet sich im 265 Kilometer entfernten Akureyri im Norden.

Die Situation von St. Thorlak, benannt nach dem isländischen Nationalheiligen, ist typisch für die katholische Kirche des Landes und die Diaspora. Gerade einmal 9351 Isländer sind katholisch. Sie leben zerstreut über das ganze Land verteilt, die Wege sind weit und die Straßen- und Wetterverhältnisse oft widrig. Mit seinen 320000 Einwohnern und einer Fläche von 103000 Quadratkilometern ist Island das am dünnsten besiedelte Land Europas. Die 17 Priester und rund 40 Ordensleute müssen somit nicht nur kreativ sein, sondern auch viel reisen, um die Gläubigen zu erreichen. 

„100 bis 200 Kilometer am Tag sind normal“, sagt Bruder David. So schaffen er und seine Mitbrüder es, wenigstens in den wichtigsten Orten des Gemeindegebiets von St. Thorlak alle ein bis zwei Monate einmal die Messe zu feiern. Mit einem positiven Nebeneffekt: „Wenn es nicht so oft ist, kommen sie alle!“, freut sich der aus der Slowakei stammende Ordensmann. Er versteht sich als Gemeindepriester für die Region – nicht nur für die Katholiken. „Ich bete für alle 20000, weil sie zu meinem Gebiet gehören.“

 

mehr...



Liturgie der Woche

Sonntag, 1. August, 18. Sonntag im Jahreskreis – Koh 1,1;2,21-23, Kol 3,1-5.9-11; Lk 12,13-21 – Namenstage: Alfons, Kenneth 

Montag, 2. August, Hl. Eusebius (Bischof von Vercelli), Hl. Petrus Julianus Eymard (Priester, Ordensgründer) – Jer 28,1-17; Mt 4,13-21, vom hl. Eusebius (1 Joh 5,1-5; Mt 5,1-12a), vom hl. Petrus Julianus (Apg 4,32-35; Joh 15,1-8) – Namens-tage: Eusebius, Julian, Petrus J. E. 

Dienstag, 3. August – Jer 30,1-2.12-15.18-22; Mt 14,22-36 oder Mt 15,1-2.10-14 – Namenstage: Lydia, August, Nikodemus 

Mittwoch, 4. August – Hl. Johannes Maria Vianney (Pfarrer von Ars) – vom hl. Johannes Maria Jer 31,1-7; Mt 15,21-28 (Ez 3,16-21; Mt 9,35-10,1) – Namenstage: Joh. Maria Vianney, Rainer 

Donnerstag, 5. August, Weihe der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom, Monatlicher Gebetstag um geistliche Berufe – Jer 31,31-34; Mt 16,13-23, von der Weihe der Basilika Santa Maria Maggiore (Offb 21,1-5a; Lk 11,27-28) – Namenstage: Oswald, Maria Schnee 

Freitag, 6. August, Verklärung des Herrn – Dan 7,9-10.13-14 oder 2 Petr 1,16-19; Lk 9,28b-36 – Namenstage: Gilbert, Hermann 

Samstag, 7. August, Hl. Hathumar und Hl. Badurad, Sel. Meinwerk (Bischöfe von Paderborn), Hl. Xystus II. (Papst) und Gefährten (Märtyrer), Hl. Kajetan (Priester, Ordensgründer), Marien-Samstag – Hab 1,12-2,4; Mt 17,14-20, von den hll. Hathumar und Badurad und vom sel. Meinwerk (Hebr 13,7-10.14-17; Joh 12,44-50), vom hl. Xystus und den Gefährten (Weish 3,1-9; Mt 10,28-33), vom hl. Kajetan (Sir 2,7-11; Lk 12,32-34) – Namenstage: Juliana, Afra, Kajetan, Hathumar, Badurad, Meinwerk, Albert 

Sonntag, 8. August, 19. Sonntag im Jahreskreis – Weish 18,6-9, Hebr 11,1-2.8-19 (oder 11,1-2.8-12); Lk 12,32-48 (oder 12,35-40) – Namenstage: Dominikus, Cyriakus, Elgar

mehr...


Unter dem Motto: „Denn wir schauen aus nach dir“ geht der Blick nach vorn

Libori im Zeichen des Aufbruchs

Bei strahlendem Sonnenschein säumten viele Gläubige den Weg der Prozession mit dem Libori-Schrein durch die Paderborner Innenstadt nach dem Pontifikalamt am Sonntag.

Erzbistum. Ganz im Zeichen des Aufbruchs stand der Auftakt des Liborifestes am vergangenen Wochenende. Unter dem Motto: „Denn wir schauen aus nach dir“ – dem aus dem Psalm 33 entnommenen diesjährige Leitwort des Libori-Festes – richtete sich der Blick bei den kirchlichen Veranstaltungen nach vorn. Doch auch bei den weltlich geprägten Terminen ging es um die Zukunft. 

von Andreas Wiedenhaus

und Matthias Nückel 

Schon bei der Eröffnung der kirchlichen Feierlichkeiten zu Ehren des Bistumspatrons am Samstagnachmittag setzte Erzbischof Hans-Josef Becker einen deutlichen Akzent. In seiner Ansprache an die zahlreichen Gläubigen während der feierlichen Pontifikalvesper im Hohen Dom sagte der Erzbischof, ein „missionarischer Aufbruch“ müsse gewagt werden. Das Weiterleben des Glaubens an Gott und die Vermittlung des Evangeliums an die fragenden und suchenden Menschen sei zentrales Anliegen der Bemühungen in der Ortskirche von Paderborn. 

„Wir werden, von Gottes Geist inspiriert, unsere Kräfte darauf konzentrieren, dass es auch morgen und übermorgen Menschen gibt, die aus 

Überzeugung katholische Christen sind und in unserer Kirche ihre Heimat finden.“ Dabei komme zwangsläufig der eigene Glaube ins Spiel, erläuterte Erzbischof Becker weiter. „Wir alle sind im Prozess der Weitergabe des Evangeliums mit unseren Glaubensüberzeugungen und -erfahrungen gefragt. Darin besteht unsere gemeinsame Berufung als Christen auf der Grundlage von Taufe und Firmung.“

Im Rahmen seiner Ansprache begrüßte Erzbischof Becker auch die anwesenden Bischöfe, Priester und Laien, die aus verschiedenen Teilen der Weltkirche nach Paderborn gekommen sind. Einen besonderen Willkommensgruß richtete er an den Bischof der Diözese Le Mans, Bischof Yves Le Saux, der als Bischof von Le Mans Nachfolger des heiligen Liborius ist. 

Das Leitwort des Libori-Festes stellte Erzbischof Becker in den Mittelpunkt seiner Predigt während des Pontifikalamtes am Libori-Sonntag, das er gemeinsam mit vielen bischöflichen Gästen aus der Weltkirche und zahlreichen Gläubigen aus nah und fern im Hohen Dom feierte. Dabei stellte er die Haltung vieler Menschen infrage, die nur auf das Diesseits gerichtet sei und alles andere aus dem Blick verliere.

„Wir sind auf den Nahbereich eingestellt, kaum noch auf unendlich“, charakterisierte der Erzbischof diese Sichtweise, die das Wesentliche völlig vernachlässige: „Das Leben wird halbiert, vor der Schattenseite verschließen wir immer mehr die Augen.“ Der Tod werde verdrängt und stattdessen fortwährend versucht, Trost und Ablenkung im Diesseits zu finden.

Das greife zu kurz und lasse die Aspekte, auf die es ankomme, außer Acht. Dies sei eine fragwürdige Vertröstung auf das Jenseits. Wobei eine „Vertröstung im Diesseits“ aber noch fataler sei. Letztlich verliere nur der die Angst, im Leben zu kurz zu kommen, der die alleinige Fokussierung auf das Diesseits ablege. Doch diesem „gnadenlosen Kreis“ könne der Mensch nicht durch sich selbst entrinnen: „Dies gelingt nur, wenn wir Gott im Blick behalten!“

Diesen Faden griff der Erzbischof beim anschließenden Empfang im Leokonvikt wieder auf: „Wir stehen in der Ortskirche von Paderborn weiterhin mit beiden Beinen auf der Erde, nehmen die gegenwärtige Situation unserer Kirche und Gesellschaft aufmerksam wahr und vergessen dabei doch nicht, wo wir verwurzelt sind und woher wir unsere Kraft schöpfen.“ Gerade die Libori-Feierlichkeiten machten in besonderer Weise deutlich: „Gott ist der Ursprung und das Ziel unseres Lebens.“

Der Erzbischof erläuterte vor den Gästen aus Kirche, Politik und Gesellschaft ausführlich die „Pastoral der Berufung“. Immer gehe es darum, dass die Berufung des einzelnen lebendig werden könne, „dass sie Kreise ziehen, anderen dienen und so für das ganze Volk Gottes fruchtbar werden kann“.

Die Verantwortlichen der katholischen Jugendarbeit im Erzbistum haben das Anliegen der „Perspektive 2014“ schon aufgegriffen. In einem Forum wurden „Grundlagen und Eckpunkte der katholischen Jugendarbeit im Erzbistum Paderborn“, erarbeitet.

Sowohl die Lebenswelten als auch die Lebensweise der jungen Generation ließen sich mit herkömmlichen Zuschreibungen nicht fassen, sagte Becker. „Am Beispiel dieser Initiative im Jugendbereich wird deutlich, dass wir auch auf Zukunft hin beides im Blick behalten müssen: zum einen die alltäglichen Erfordernisse der Pastoral und damit all das, was die Memschen in den unterschiedlichen Generationen an Freuden, Hoffnungen und Erwartungen, Anliegen und Nöten an uns herantragen – zum anderen unsere grundlegende Ausrichtung auf den Herrn der Kirche, also auf Gott selbst“, betonte der Erzbischof, der beim Weg in die Zukunft auf den Rückhalt bei den Menschen im Erzbistum baut.

Um Aufbrüche in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft ging es am Sonntagabend beim traditionellen Libori-Mahl der Libori-Gilde. Deutliche Worte fand Gildemeister Wilhelm Stute in Richtung Politik. Er forderte Regeln für die globalen Finanzmärkte. Dieser Verpflichtung dürfe sich keine Regierung der Welt entziehen. Stute brach eine Lanze für den Mittelstand, denn die Zukunft liege nicht in Großunternehmen oder kapitalmarktorientierten Fremdfinanzierungen, sondern in gesunden mittelständischen Unternehmen.

Der Festredner des Abends, Martin Kannegiesser, betonte in seinem Vortrag, dass Wege aus der Krise gemeinsam von Arbeitgebern und Gewerkschaften erarbeitet werden müssten. Sparpakete seien zwar von Bedeutung, könnten aber die Probleme allein nicht lösen. „Das Fordern und gezielte Fördern aller Schichten unseres Volkes hin zu noch mehr Zukunftsfähigkeit bleibt die zentrale Aufgabe“, sagte Kannegiesser. Dass es bei Libori nicht nur um das Erzbistum oder Deutschland, sondern um Europa geht, belegten zum einen die zahlreichen ausländischen Gäste. Zum anderen wurde dies deutlich, als die Gäste beim Libori-Mahl zum Abschluss gemeinsam die Europahymne sangen.

mehr...



01.08.2010
Impressum | Kontakt
2215