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03.06.2026
Papst Leo XIV. unterzeichnet die Enzyklika "Magnifica humanitas - über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz".
Foto / Quelle: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

Papst reformiert Lehre vom gerechten Krieg

Mit seiner Enzyklika vertieft Leo XIV. die Kluft zu Washington.

Washington

Als Papst Leo XIV. im April klar Stellung gegen den Angriff der USA und Israels auf den Iran bezog, reagierte Vizepräsident J.D. Vance mit einer Warnung an das Kirchenoberhaupt. „Wir können selbstverständlich unterschiedlicher Meinung sein, ob dieser oder jener Konflikt gerecht ist“, sagte der zum Katholizismus konvertierte Vance in Georgia. Er hatte selbst die katholische Lehre vom „gerechten Krieg“ zur Rechtfertigung der als Selbstverteidigung deklarierten Luftschläge gegen die Islamische Republik herangezogen. „Es ist sehr, sehr wichtig, dass der Papst vorsichtig ist, wenn er über theologische Fragen spricht“, so der Stellvertreter von Präsident Donald Trump.

In der katholischen Kirche stieß das auf Empörung. Der für die Glaubenslehre zuständige Bischof James Massa formulierte eine seltene Klarstellung der US-Bischofskonferenz. Wenn Leo sage, dass Gott nicht auf die Gebete derer höre, die Krieg führten, sei das nicht bloß eine Meinung. Er spreche vielmehr als oberster Hirte der Weltkirche und verkünde das Evangelium in seinem Amt als Stellvertreter Christi.

Vance: Enzyklika noch kaum gelesen

Genau das tat Papst Leo XIV. in seiner am Pfingstmontag vorgestellten ersten Enzyklika „Magnifica humanitas“. Darin griff der Papst die Lehre vom „gerechten Krieg“ im Licht moderner Kriegführung mithilfe von künstlicher Intelligenz auf. „Heute ist es – unbeschadet des Rechts auf legitime Verteidigung, die im engsten Sinne zu verstehen ist – wichtiger denn je, die Überwindung der Theorie des ‚gerechten Krieges‘ zu bekräftigen, die allzu oft herangezogen wird, um alle möglichen Kriege zu rechtfertigen.“

Darauf in einem Interview mit NBC angesprochen, erklärte Vance, er habe erst „in Auszügen“ etwas von den rund 42.000 Worten der ersten Enzyklika des neuen Papstes gelesen. „Es gibt neue Kriegstechnologien, deshalb muss man die Lehre vom gerechten Krieg aktualisieren“, meinte der Vizepräsident. „Man muss die gesamte katholische Soziallehre im Lichte der neuen Welt, in der wir leben, neu denken. Und ich finde, genau das versucht der Papst zu tun. Ich bin froh, dass er es getan hat“.

Der Kardinal von Chicago, Blase Cupich, erkennt darin ein Ausweichen ins Unverbindliche, das der tiefen Bedeutung des Lehrschreibens nicht gerecht werde. Cupich sagte Reuters, der Papst sorge sich darum, wie Staatenlenker die Theorie zur Rechtfertigung von Kriegen missbrauchten. „Wir müssen klarstellen, dass die Lehre vom gerechten Krieg immer als Schranke gemeint war, nicht als Erlaubnisschein, den manche bedauerlicherweise missbrauchen, um ihre Entscheidungen für den Krieg zu rechtfertigen, statt nach Wegen des Friedens zu suchen.“

Leo und Augustinus

Die Lehre vom gerechten Krieg geht auf den heiligen Augustinus von Hippo (gestorben 430) zurück. Diese Schlüsselfigur der frühen Kirche inspirierte Leo nach eigenem Bekunden zum Priesterberuf. Der Papst stand vor seiner Wahl zeitweise dem Augustinerorden vor, der auf der Lehre des Heiligen fußt. Augustinus formulierte präzise Kriterien, an denen sich die Rechtmäßigkeit eines Krieges messen lassen soll. Sie gehören bis heute zum Lehrplan an den US-Militärakademien West Point, der Naval Academy und der Air Force Academy.

Papst Leo spricht in seiner Enzyklika von einer „Überwindung“ der Lehre des Kirchenvaters zum Krieg und verkündet nicht direkt deren Abschaffung. Er warnt jedoch mit Blick auf die Gegenwart, dass autonome Waffensysteme den Krieg menschlicher Kontrolle entzögen. Wo moralisches Urteilen ein Gewissen, Verantwortung und das Erkennen des anderen als Person verlange, beschleunigten Kriegssysteme tödliche Entscheidungen jenseits menschlicher Kontrolle. Kein Algorithmus könne Krieg moralisch akzeptabel machen, schreibt er. Und er fügt hinzu, dass die Menschheit über weit wirksamere und tauglichere Werkzeuge verfüge, um Konflikte zu lösen.

Leo nennt hier Dialog, Diplomatie und Vergebung als die besseren Ansätze. Diese drei Konzepte stehen unter Donald Trump nicht hoch im Kurs. Auch sonst stellt „Magnifica humanitas“ für die US-Regierung nach Ansicht von Analysten eine Herausforderung dar. Die Lehre vom gerechten Krieg taugt nach den klaren Worten der Enzyklika nicht mehr als Rechtfertigung. Jedenfalls nicht für Katholiken.

KNA
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