Eine Reise, die Zeit braucht
Dr. Jean-Pierre Vuillemin, der Bischof von Le Mans, freut sich auf ein Wiedersehen in Paderborn.
Herr Bischof, ganz spontan: Was bedeutet das Libori-Fest für Sie?
Für mich ist das Fest des heiligen Liborius vor allem eine Reise. Die Reise von Le Mans nach Paderborn braucht Zeit. Sie ermöglicht eine innere Vorbereitung, um dieses bedeutende geistliche und kirchliche Ereignis zu erleben.
Worauf freuen Sie sich besonders in Paderborn?
Zwei eindrucksvolle Hörerlebnisse. Zunächst das Läuten der Domglocken am Samstagnachmittag, das uns zuruft: „Kommt alle und freut euch um den heiligen Liborius! Heiligkeit ist ein Weg, der allen offensteht!“ Dann die feierliche Übertragung der Reliquien des heiligen Liborius aus der Domkrypta in den Chorraum, begleitet von der berühmten Libori-Tusch-Fanfare. Es ist, als würden wir alle von dieser Bewegung der Erhebung mitgerissen.
Welche Personen sind Ihnen aufgrund der Fraternität ans Herz gewachsen?
Natürlich ist da mein bischöflicher Mitbruder, Bischof Udo Markus Bentz. Es bereitet mir große Freude, ihn zweimal im Jahr zu sehen, begleitet von Mitgliedern seiner offiziellen Delegation. Auch mit dem ehemaligen Bürgermeister von Paderborn, Herrn Michael Dreier, verbindet mich eine tiefe Freundschaft. Hinzu kommen all die Bischöfe, Domkapitulare, Priester, Ordensleute und Laien, die uns während des Libori-Festes einen so außergewöhnlichen Empfang bereiten.
Wie wichtig ist die Freundschaft Paderborn – Le Mans für Sie persönlich?
Als gebürtiger Lothringer bin ich in Grenznähe zu Deutschland aufgewachsen – einem Land, das ich schon in jungen Jahren besuchte, da ich einen deutschen Brieffreund hatte. Während meiner Zeit als Weihbischof von Metz hatte ich mehrfach Gelegenheit, mich mit Bischöfen aus den benachbarten deutschen Diözesen zu treffen, und ich verfolgte mit großem Interesse den Fortgang des Seligsprechungsverfahrens für Robert Schuman – einen der Gründerväter Europas –, dem Papst Franziskus am 19. Juni 2021 den heroischen Tugendgrad zuerkannte. Die Freundschaft zwischen Paderborn und Le Mans stellt eine wunderbare Fortsetzung dieser Verbundenheit dar. Ich bin stolz darauf, gemeinsam mit so vielen anderen Teil dieser beständigen Freundschaft zu sein, die auf vielfältige Weise gelebt wird.
Welche Aufgaben kommen in Zukunft auf die Fraternität zu?
Bischof Bentz und ich ermutigen unsere Mitarbeitenden, dafür Sorge zu tragen, dass die katholischen Schulen in den Diözesen Paderborn und Le Mans mit Einfallsreichtum und Kreativität einen brüderlichen Austausch pflegen. Sprache und Entfernung müssen keine Hindernisse für die Kommunikation sein. Der Einsatz der englischen Sprache – wo nötig – sowie moderner Kommunikationstechnologien kann unserer wunderbaren Verbundenheit dienen.
Haben Sie einen Tipp, was man bei einem Libori-Besuch unbedingt erleben muss?
Ich empfehle, sich vor Beginn der Feierlichkeiten etwas Zeit für Stille und Gebet vor den Reliquien des heiligen Liborius in der Domkrypta zu nehmen. Auf die Fürsprache dieses heiligen Bischofs hin können wir Gott bitten, uns dorthin zu führen, wohin er uns haben will. Die Feier kann dann zu einem Ausdruck unserer gemeinsamen Freude darüber werden, Jünger unseres Herrn Jesus Christus zu sein – so wie es auch der heilige Liborius war.