3 Min.
17.07.2026
Lyle Foster, Nationalspieler in der Nationalmannschaft von Südafrika, betet nach einem Fußballspiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 auf Knien auf dem Rasen des Azteken-Stadions in Mexiko-Stadt (Mexiko).
Foto / Quelle: Tobias Käufer/KNA

Ein Sommermärchen für Fans mit dickem Portemonnaie

Ein handverlesenes Publikum und Milliardengewinne für die FIFA – nie spielten Geld und Macht eine so große Rolle wie bei dieser Fußball-WM.

New York

Gianni Infantino muss sich um seine Wiederwahl keine Sorgen machen. Auch wenn es aus Europa scharfe Kritik am FIFA-Präsidenten gibt, weil sein Weltverband nach einem Anruf von US-Präsident Donald Trump eine Rote Karte für einen US-Spieler zurücknahm: Die am Sonntag endende Fußball-Weltmeisterschaft dürfte die Position des gebürtigen Schweizers mit mehreren Staatsbürgerschaften noch gefestigt haben.

Denn mit den üppigen Milliarden-Einnahmen, die diese WM in die Kassen der FIFA spülte, wird er jene Verbände, die über seine Wiederwahl entscheiden, reichlich bedienen können. „Alles wird in den Fußball reinvestiert“, verspricht Infantino und beteuert, die FIFA sei eine Non-Profit-Organisation, weil die Gewinne eben in den Fußball fließen.

Demnächst mit 64 Mannschaften?

Das auf 48 Mannschaften aufgestockte Turnier brachte über 100 Spiele. Dass ausgerechnet die „Kleinen“ wie die Kap Verden oder Curacao für sportliche Überraschungen sorgten, gibt Infantino noch recht. Nun erwägt er das Turnier sogar auf 64 Mannschaft aufzustocken.

Der strittigste Punkt des Turniers war allerdings die Preispolitik des Weltverbandes. Beleidigt nahm der Präsident zur Kenntnis, dass die 150.000 Tickets, die für „nur“ 60 US-Dollar über den Ladentisch gingen, medial nicht gewürdigt wurden. Insgesamt waren wohl rund sieben Millionen Menschen bereit, sehr tief in die Tasche zu greifen, um Karten für 600 bis 3.000 US Dollar zu kaufen. Wer Teil dieses Sommermärchens sein wollte, brauchte gute Bonität, prall gefüllte Geldbörsen oder eine große Erbschaft.

Die USA werden zu einem Zukunfts-Markt für den Fußball. Dafür sprechen Einschaltquoten-Rekorde und eine junge Bevölkerung, die den Fußball liebt. Das hat auch die FIFA erkannt und ruft laut einem Medienbericht für die Übertragungsrechte an dem Turnier 2034 in Saudi-Arabien für den US-Markt eine Milliarde Dollar auf.

Ein Mann spricht in ein Megafon, ein anderer hält ein Plakat mit der christlichen Botschaft "Jesus Christ wants to save YOU!" (Jesus Christus möchte DICH retten!), am Rande eines Spiels der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Dallas (USA).
Foto / Quelle: Tobias Käufer/KNA

Was aus der Männerfreundschaft zwischen Infantino und Trump wird, wenn das WM-Finale abgepfiffen wird, bleibt abzuwarten. Der FIFA-Präsident hat sich dem starken Mann im Weißen Haus untergeordnet, ja sich erniedrigt. Sei es die bizarre Verleihung eines FIFA-Friedenspreises, der eigens für Trump erfunden wurde, oder das zwar vehement dementierte, aber doch offensichtliche Eingreifen in die Sportgerichtsbarkeit – das alles hat am Image Infantinos gekratzt. Dass er bei Spielen inzwischen ausgebuht wird, ist eine Konsequenz. Am Montag braucht Infantino Trump nicht mehr. Es wird interessant sein, wie sich das Verhältnis dann weiterentwickelt.

Bei aller Kritik gab es auch positive Entwicklungen. Es gab keine zerstörten Züge, verwüsteten Raststätten oder randalierenden Fans, wie man es aus dem europäischen Fußball kennt. Gewalt ist den amerikanischen Sportfans weitgehend fremd. Deswegen waren auch viele Familien im Stadion, die meisten mit weißer Hautfarbe. Auch in Mexiko oder in Atlanta. Die hochmodernen Stadien in den USA wurden nicht eigens für die WM gebaut, sie waren ohnehin schon da.

Auch Religion rückte in den Vordergrund

Dass das Thema Religion bei dieser WM eine besondere Rolle spielte, lag nicht nur an den vielen Predigern und Missionaren vor den Stadien in Texas. Immer mehr junge Kicker bekennen sich offen zu ihrem Glauben, Christen ebenso wie Muslime. Auf dem Platz wird inzwischen auch öffentlich gebetet – sogar mit den Gegnern.

In vier Jahren wird die Welt wieder gebannt auf den rollenden Ball schauen. Gespielt wird dann in Argentinien, Paraguay, Uruguay, Spanien, Portugal und Marokko. Zwar werden in Südamerika nur drei „Eröffnungsspiele“ stattfinden – als Erinnerung an die erste WM 1930 in Uruguay, doch es ist der nächste Schritt zum Gigantismus.

Die fußballerischen Giganten von heute werden dann nicht mehr dabei sein. Es wird dann wohl die erste WM seit einem Vierteljahrhundert ohne Cristiano Ronaldo und Lionel Messi, die die letzten beiden Jahrzehnte geprägt haben. Dann aber vielleicht mit einem runderneuerten Deutschland unter Bundestrainer Jürgen Klopp.

KNA
0 Kommentare
Älteste
Neuste
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anschauen