Kriminelle werben Kinder über soziale Medien an
Die Polizei spricht von „Gewalt auf Bestellung“. Das EU-Parlament beschäftigt sich nun mit dem Phänomen.
Das EU-Parlament befasst sich am Donnerstag mit dem Problem, dass kriminelle Gruppen Kinder und Jugendliche für ihre Zwecke gewinnen. Organisierte Kriminelle versuchen offenbar immer häufiger, Minderjährige anzuwerben, um Straftaten für sie auszuüben. Sie bekommen über soziale Medien ein bezahltes Angebot.
Nach Angaben des EU-Parlaments sprechen Kriminelle Kinder und Jugendliche gezielt an, weil sie leichter zu beeinflussen sind und weniger kosten. Außerdem verstehen Minderjährige die Strukturen krimineller Gruppen oft nicht vollständig. In vielen EU-Ländern müssen sie zudem seltener mit harten Strafen rechnen, selbst wenn großer Schaden entsteht.
Die Polizei nennt dieses Vorgehen „Gewalt auf Bestellung“ („Violence as a Service“). Auch in Deutschland gebe es dieses Problem, sagte der Sprecher des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, Markus Niesczery, im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Wie oft solche Taten vorkommen, ist aber nicht bekannt. Der Grund: Die Fälle reichen von Drohungen bis zu schweren Anschlägen und werden deshalb nicht in einer gemeinsamen Statistik erfasst.
Dennoch ist die Entwicklung aufgefallen: „Organisierte kriminelle Netzwerke nutzen offenbar Minderjährige für Straftaten, weil diese oft nicht oder nur eingeschränkt zur Verantwortung gezogen werden können“, sagte Niesczery. Nach Angaben der Polizei wissen viele der Jugendlichen dabei nicht, für wen sie handeln oder welchem Zweck die Tat dient. Zudem ist ihnen die Tragweite ihres Handelns oft nicht bewusst.
Polizei nennt konkrete Warnsignale
Wie die Anwerbung abläuft, ist laut Polizei oft ähnlich: Jugendliche werden über soziale Medien angesprochen oder bewerben sich selbst auf vermeintliche Aufträge, die häufig über Influencer oder ähnliche Accounts verbreitet werden. Die Anweisungen erhalten sie digital und meist ohne persönlichen Kontakt. Nach der Tat müssen sie oft Videos als Beweis liefern. Als Gegenleistung werden Geld, materielle Vorteile oder Anerkennung in Online-Netzwerken versprochen. Nicht selten bleibt die Bezahlung jedoch aus. Stattdessen drohen den Jugendlichen Einschüchterungen oder Ausgrenzung.
Die Polizei hat Hinweise und Hilfestellungen für Eltern betroffener Kinder veröffentlicht. Warnzeichen sind zum Beispiel die Nutzung verschlüsselter Messenger-Apps, plötzlich veränderte Meinungen oder Werte, ältere neue Freunde, sowie neue Kleidung, Technik oder Geld ohne erklärbare Herkunft.
Das EU-Parlament stimmt am Donnerstag über eine Entschließung ab, in der die Kommission unter anderem aufgefordert wird, dass erwachsene Anwerber härter bestraft werden. Auch die grenzüberschreitende Polizeizusammenarbeit in der EU soll bei diesen Straftaten in den Blick genommen werden.