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15.06.2026
Durch einen russischen Drohnenangriff ist nach ukrainischen Angaben in der Hauptkathedrale des berühmten Höhlenklosters in Kiew ein Feuer ausgebrochen. Das Archivbild stammt jedoch aus der Corona-Zeit.
Foto / Quelle: Sergey Korovayny/KNA

Kathedrale des Kiewer Höhlenklosters schwer getroffen

Kiews Wahrzeichen gilt als Wiege des Christentums in der Ukraine. Russland soll die Hauptkirche mit einer Drohne schwer getroffen haben.

Kiew / Berlin

Durch einen russischen Drohnenangriff ist nach ukrainischen Angaben in der Hauptkathedrale des berühmten Höhlenklosters in Kiew ein Feuer ausgebrochen. Auf Videos und Fotos aus der Nacht zum Montag ist zu sehen, wie Flammen aus dem Dach der Mariä-Entschlafens-Kathedrale schlagen. Nach Beendigung der Löscharbeiten besuchte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Montagvormittag die zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Klosteranlage, um sich ein Bild vom Ausmaß der Schäden zu machen.

Seinen Angaben zufolge hatten die russischen Streitkräfte den Stadtteil, in dem sich das Höhlenkloster befindet, mit zwei Drohnen attackiert. Das Verteidigungsministerium in Moskau behauptete dagegen laut russischen Staatsmedien, eine amerikanische Patriot-Flugabwehrrakete habe die religiöse Stätte getroffen. Die Weltkulturorganisation Unesco berichtete in Paris, der Angriff habe offenbar erhebliche Schäden am Äußeren und Inneren der Kathedrale verursacht. Auch die Befestigungsanlage des Klosters und ein Wehrturm seien betroffen. Ohne Russland beim Namen zu nennen, verurteilte die Unesco in ihrer Mitteilung Angriffe auf Kulturgüter.

Wadephul: "Terrorakt"

Selenskyj sprach von „einem der schwerwiegendsten Verbrechen Russlands gegen die christliche Kultur bisher“. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) verurteilte die Tat als „verabscheuungswürdigen Terrorakt“. Wadephul erklärte: „Der Angriff auf das Kloster der Pechersk-Lavra, ein Unesco-Weltkulturerbe, markiert einen neuen Tiefpunkt in Russlands Versuchen, die ukrainische Kultur zu zerstören.“ Der Angriff werde Deutschlands „unerschütterliche Unterstützung für die Freiheit der Ukraine nur noch stärken“.

Das Oberhaupt der eigenständigen Orthodoxen Kirche der Ukraine, Metropolit Epiphanius, verurteilte den Angriff ebenfalls. Er bezeichnete die Attacke als „weiteres russisches Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gegen die Geschichte und gegen das Christentum“.

Ähnlich äußerte sich der Gesamtukrainische Rat der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Er erinnerte daran, dass Russland seit Beginn seiner Invasion im Februar 2022 in der Ukraine etwa 800 Religionsstätten zerstört oder beschädigt habe. Zugleich forderte das Gremium stärkeren Sanktionsdruck auf Moskau sowie auf russische Politiker, Geschäftsleute, Journalisten und religiöse Amtsträger, die an Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Ukraine mitschuldig seien.

EU zweifelt an Friedenswillen Russlands

Nach Angaben von Bürgermeister Witalij Klitschko wurden bei dem russischen Angriff in der Hauptstadt mindestens fünf Menschen getötet. Auf dem Klostergelände habe es keine Verletzten gegeben, hieß es. EU-Ratspräsident António Costa sagte, die Angriffe auf Zivilisten und das Höhlenkloster zeigten, dass Russland nicht zu ernsthaften Friedensverhandlungen bereit sei.

Das im Jahr 1051 gegründete Kiewer Höhlenkloster steht seit 1990 auf der Welterbe-Liste der Unesco. Es gilt als Wiege des ostslawischen orthodoxen Christentums und als Wahrzeichen der Stadt. Das Kloster liegt an einem Hang zum Westufer des Flusses Dnipro. Bereits im Januar waren bei einem Luftangriff an der Sankt-Anna-Kirche in einem anderen Bereich des Klosters Fenster zerstört worden – offenbar durch die Druckwelle.

KNA
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