„Eine unglaublich schöne Erfahrung“
Das technische Konzept ist immer das Gleiche, die Wirkung dagegen immer anders – Lichterkirchen bieten viele Möglichkeit.
Wenn das mal kein gutes Timing ist. Kaum erklingt das Lied „Regenbogen, buntes Licht“ in der Kirche an der Burg, schon tritt eine Gruppe Vorschulkinder mit ihren Erzieherinnen ein. Die sieben Jungen und Mädchen gehen ruhig in die zweite Reihe, setzen sich und lassen das Schauspiel auf sich wirken. Es dauert keine Minute, da wiegt sich ein Mädchen bereits im Takt des Liedes.
Die Kirche an der (Wewels-)Burg gehört zu den Gotteshäusern im Erzbistum, die man im Allgemeinen „Lichterkirche“ nennt. Dass dieser Sammelbegriff zu kurz greift, wird klar, wenn man sich die unterschiedlichen Angebote anschaut. Nicht nur die Bezeichnungen unterscheiden sich, auch die Wirkung ist immer eine andere.
Technik ist selbsterklärend
„Licht-Blick-Kirche“ nennt sich beispielsweise das Gotteshaus an der Wewelsburg in Büren. Im Eingangsbereich steht die Steuerung, die in jeder Kirche ähnlich unkompliziert funktioniert – es sei denn, man bedient das Touchpad mit mehreren Fingern. Das mag das System nicht, einer reicht, aber sonst ist alles selbsterklärend.
Wir probieren es aus. „Heilig, heilig, heilig“ – diese Meditation spricht uns an. Ein kurzer Klick, und schon beginnt die kurze Einführung. Eine angenehme Männerstimme ist zu hören, dann folgt das eigentliche Musikstück. Die ohnehin reich ausgestattete Kirche wird in verschiedenen Lichtfarben angestrahlt – im Altarraum, im Hauptschiff und sogar auf der Orgelempore leuchtet alles. Die Übergänge sind fließend und überfordern die Augen nicht.
„‚Anima Christi‘ ist sehr schön“, verrät eine Frau, die gerade frische Blumen verteilt. Wir versprechen ihr, die Meditation nicht mitzufilmen, denn das ist verboten. Man wolle keine Videos auf Portalen wie YouTube sehen. Ohnehin würden solche Videos, die man sich dann auf dem Handy anschaut, der Realität nicht gerecht.
Das Programm „Anima Christi“ ist tatsächlich sehr stimmungsvoll. Verblüffend ist auch die gute Klangqualität in allen vier Kirchen, die wir uns angesehen haben. Egal, wo man sich im Gotteshaus befindet – man versteht alles überall. Keine Säulen sorgen für Aussetzer, kein Schall wird geschluckt, Klang und Raum sind nahezu perfekt aufeinander abgestimmt.
Ein Blick in das ausliegende Gästebuch zeigt, dass die „Licht-Blick-Kirche“ regelmäßig besucht wird. Auf Englisch betont jemand, wie sehr er sich über den Besuch freue. Nach dem Besuch der Wewelsburg mit all den negativen geschichtlichen Aspekten aus der Zeit des Nationalsozialismus mache ihn die Lichterkirche einfach nur „happy“. Und eine Besuchergruppe aus dem Sauerland bringt es so auf den Punkt: „Eine unglaublich schöne Erfahrung.“
Nächste Station ist Holtum, ein eher ländlich geprägter Stadtteil des Marienwallfahrtsortes Werl. Die Kirche St. Agatha, die im Jahr 1898 erbaut wurde, ist eine „Meditationskirche“. Das Pult im Eingangsbereich ist identisch. Doch die Kirche ist wesentlich schlichter ausgestattet als die an der Wewelsburg, was kein Nachteil sein muss. Die Wände sind hoch und überwiegend weiß, die Fenster lassen viel Licht hinein. Funktioniert auch hier die Beleuchtung oder verpufft der Effekt?
Wir versuchen es. Das Programm umfasst auch klassische Stücke von Wolfgang Amadeus Mozart und Johann Sebastian Bach. Wenig später erklingt der populäre Klassiker „Air“. Dazu wechseln die Farben. Und obwohl St. Agatha wesentlich heller ist, funktionieren die Farbwechsel dennoch.
Neben den Meditationen gibt es auch Erklärungen, die sich auf den Ort beziehen. So erfährt man, dass der „Holtumer Engel bei uns gelandet ist und seinen Platz mitten im Dorf eingenommen hat“. Dieser Platz ist über den Köpfen der Kirchenbesucherinnen und -besucher auf einem kleinen Turm. Dort ist die Figur gut zu erkennen. Ihr zu Ehren liegt auch ein Flyer aus. Und die „Meditationskirche“ in Werl-Holtum wird regelmäßig besucht. Mitte Juni 2025 hat der St. Josefsverein Holtum als Eigentümer bereits das fünfte Gästebuch ausgelegt. „Über 1 600 Eintragungen wurden in den ersten vier Gästebüchern seit dem 21. 09. 2019 hinterlassen“, informiert der Verein.
Angebote werden überarbeitet
Auch im Norden des Erzbistums gibt es solche besonderen Gotteshäuser. In Westerwiehe zum Beispiel, einem Stadtteil von Rietberg. Die Kirche St. Laurentius liegt direkt an der Hauptstraße, nennt sich „LichterHimmel“. Hier wurde das Angebot kürzlich aktualisiert, wie ein Hinweis am Eingang erklärt. „Der Bereich Psalmen und Gebete ist neu gestaltet.“
Im „LichterHimmel“ ist es zudem möglich, nur die verschiedenen Farben ganz ohne Musik oder einen gesprochenen Impuls auf sich wirken zu lassen. „Seegrün-blattgrün“ gefällig, „Kobaltblau“ oder lieber der bunte Regenbogen? Zur Auswahl steht auch das Programm „Abendstimmung“, das rund acht Minuten dauert. Es zeigt einen ruhigen Farbwechsel, der an die Dämmerung erinnert.
Auch hier gibt es Andachten und Lieder, die aus dem Pastoralen Raum Rietberg stammen. So sind Lieder der Gruppe „Windspiel“ aus Varensell zu hören sowie einen Reisesegen von Pastor Alexander Plümpe. Und wer möchte, kann das „Gebet um Humor“ anklicken. Auch in der an sich hellen Kirche St. Laurentius funktioniert das Konzept, der Klang überzeugt im ganzen Gotteshaus und die Farbwechsel wirken.
Letzte Station unserer kleinen Tour durch das Erzbistum ist St. Meinolf in Bielefeld, nur wenige Autominuten vom Hauptbahnhof entfernt. „Mache Dich auf, werde Licht“ – das Zitat aus Jesaja 60,1 ist das Leitwort der LICHTKIRCHE. Sie unterscheidet sich von den anderen drei Kirchen, die wir vorstellen. Denn beleuchtet ist hier lediglich der Altarraum, was das Erlebnis allerdings in keiner Weise schmälert – im Gegenteil.
Denn hinter dem imposanten Kreuz bietet die Apsis eine große Fläche, die beleuchtet werden kann. Bunte Fenster gibt es zwar auch, doch die sind sehr weit oben angebracht und nicht so groß wie die im Hauptschiff. Auch hier besteht die Möglichkeit, Farben ohne Impulse auf sich wirken zu lassen, aber auch Lieder und klassische Stücke stehen zur Verfügung. Wer möchte, darf auch ein Gebetsanliegen formulieren und vor Ort abgeben. Und einen Pilgerstempel gibt es auch.
Ein Blick ins Gästebuch zeigt auch hier, dass regelmäßig Menschen St. Meinolf besuchen. Eine Frau hat ihre Gefühle so zusammengefasst: „Eine wunderbare Bereicherung des Lebens“ sei die LICHTKIRCHE in Bielefeld für sie.