„Wie eine Familie“
Seit 50 Jahren besteht eine Partnerschaft zwischen dem „Freundeskreis Kasama“ aus Möhnesee-Körbecke und dem gleichnamigen Erzbistum in Sambia.
Menschen in akuter Notlage helfen: Darum ging es 1975, als der damalige Missionsreferent im Erzbistum Paderborn, Pater Anton Süß, die Gemeinden in den Dekanaten Soest und Werl um eine Kollekte für das Erzbistum Kasama in Sambia bat. Dort drohten viele Menschen aufgrund von verseuchtem Wasser zu verdursten und zu verhungern. Schnell war allerdings klar, dass dies keine einmalige Hilfsaktion sein sollte. In der Gemeinde Möhnesee-Körbecke entstand eine Arbeitsgruppe unter dem Motto „Heißer Draht nach Kasama“.
Mittlerweile ist daraus eine echte Partnerschaft geworden. Die Voraussetzungen dafür waren gut: engagierte Ehrenamtliche in Deutschland, ebenso engagierte wie verlässliche Partner in Sambia. Hinzu kam von Beginn an der Anspruch, nicht nur Spenden zu sammeln, sondern durch unterschiedlichste Angebote von Bildungsveranstaltungen bis zu Jugendgottesdiensten, über die Menschen in Sambia, ihre Lebensverhältnisse und ihren Glauben zu informieren.
Schon 1976 besuchte der damalige Erzbischof von Kasama, Elias Mutale, die deutschen Partner. Was er damals sagte, steht bis heute über der Arbeit beider Seiten und beschreibt den Anspruch, den gerade christliche Initiativen für die „Eine Welt“ haben sollten: So eine Partnerschaft, sagte Mutale, sei wie eine Familie, man könne sie nicht aufkündigen. Auch komme den Ländern Afrikas die Rolle des Bettlers nicht zu: Nach christlicher Überzeugung seien alle Menschen Schwestern und Brüder im Glauben. Wenn es um den Austausch von Glaubenserfahrungen gehe, sei das Geben und Nehmen wichtig.
Auf dieser Basis wurde die Umsetzung einer ganzen Reihe von Projekten möglich, mit Priorität in den Bereichen Bildung und Gesundheit. Bei der Realisierung haben die Bedürfnisse und Pläne der Verantwortlichen vor Ort Priorität, alles läuft in Absprache mit der Diözese. Die Bilanz kann sich sehen lassen und reicht von Ausstattungen für Krankenstationen über Brunnenbau bis hin zu Finanzierung von Schulbüchern und weiterem Unterrichtsmaterial.
Einen echten Motivationsschub gab der Weltjugendtag 2005 in Köln: Das Zusammentreffen mit Gästen aus Sambia und anderen afrikanischen Ländern erwies sich für die Initiative als „echter Glücksfall“: „Auf einmal hatten wir bei Gesprächen konkret Gesichter vor Augen“, heißt es in der Festschrift zum 40-jährigen Bestehen des Freundeskreises. Ein Gegenbesuch in Kasama im Jahr darauf festigte den Kontakt. Auf einen ähnlichen Effekt hoffen die Initiatoren der Jubiläumsfeier am Sonntag, 14. Juni, in Möhnesee-Körbecke. Grundtext
Hintergrund
Sambia liegt im südlichen Afrika und ist ungefähr doppelt so groß wie Deutschland. Verglichen mit vielen Nachbarländern in der Region wird die Menschenrechtssituation dort eher positiv bewertet. Auch gilt Sambia seit Langem als ein Land, in dem sich politische Prozesse wie Wahlen relativ gewaltfrei und geordnet vollziehen. 2023 hatte Sambia knapp 21 Millionen Einwohner, die große Mehrheit sind Christen, gut 20 Prozent der Bevölkerung sind katholisch. Das Erzbistum Kasama im Nordosten Sambias wurde 1913 gegründet, rund 800 000 Katholiken leben dort. Geleitet wird es seit 2012 von Erzbischof Ignatius Chama. Er wird bei der offiziellen Jubiläumsfeier am Sonntag, 14. Juni, um 11.00 Uhr ein Pontifikalamt in der St.-Pankratius-Kirche in Körbecke feiern. Anschließend wird im Körbecker Ludwig-Kleffmann-Haus gefeiert.