Stell dir vor, es ist WM - und keiner bucht ein Zimmer
Vor allem in den USA melden Hotels leere Zimmer. Ist die Amerika-Reise einfach zu teuer – oder stimmt vielleicht etwas anderes nicht?
Rauschende Feste beim Public Viewing, volle Hotels und Restaurants … So hat sich das die Tourismus-Industrie im Vorfeld der Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada ab dem 11. Juni vorgestellt. Doch es mehren sich Anzeichen, dass es sehr anders kommen könnte.
„Uns wurde die Erwartung vermittelt, dass die Weltmeisterschaft ein riesiges Ereignis werde. Die Leute reden schon seit Jahren davon“, sagte Deidre Mathis der britischen BBC. Sie ist Inhaberin des Wanderstay Boutique Hotels in Houston, Texas. Doch ein Blick in ihren Kalender verrät: Die erhofften Buchungen blieben aus. So wie dem Wanderstay Boutique geht es in den USA vielen Hotels, die auf einen WM-Boom gehofft hatten.
Der US-Hotelverband AHLA, in dem Zehntausende Herbergen zusammengeschlossen sind, stellte sogar fest, dass inzwischen acht von zehn Hotels in den Austragungsstädten eine geringere Nachfrage erwarten. Die Buchungszahlen blieben sogar unter dem Niveau eines typischen Sommers.
Exorbitante Ticketpreise
Die Gründe für die Zurückhaltung der potenziellen WM-Gäste liegen auf der Hand. Da sind zunächst die exorbitanten Ticketpreise, die viele Fans schlicht nicht bezahlen können. Aus dem Land des amtierenden Weltmeisters Argentinien etwa, dessen Vorrundenspiele in Kansas City und Dallas stattfinden, ist offenbar kein Ansturm zu erwarten.
Kansas City führt die Liste der WM-Gastgeberstädte an, in denen sich die Hotels besonders enttäuscht vom Buchungsverhalten zeigen. Hinzu kommen Visa-Anforderungen und das rabiate Vorgehen der Einwanderungsbehörde, die sich international herumgesprochen haben.
Wer seiner Mannschaft folgen will, muss oft mehrere Flugtickets kaufen, um teils über Ländergrenzen, Zeit- und Klimazonen hinaus dabei zu sein. Weil aber auch Hotels, Fluglinien und Autovermieter in Erwartung eines Ansturms von WM-Gästen im Vorfeld die Preise deutlich anhoben, nahmen viele Touristen von einem teuren WM-Abenteuer Abstand – und entschieden sich für die heimische Couch.
Einheimische Fans brauchen kein Hotel
Da wird auch nicht helfen, dass im „dynamischen Preissystem“ der Fifa die Preise mit dem Näherrücken der Spiele vielleicht noch sinken könnten. Ein Phänomen, das bereits bei der Klub-WM 2025 zu beobachten war, als die Preise kurz vor den Spieltagen dann plötzlich spürbar sanken.
Ein weiteres Phänomen dürfte sein, dass sich vor allem viele Einheimische ihr Ticket sicherten und keine Übernachtung brauchen. Der Anteil von Fans aus den Gastgeberstädten ist Medienberichten zufolge hoch. Aber auch für den Durchschnitts-Amerikaner sind Ticketpreise von bis zu 2.000 Dollar (umgerechnet 1.700 Euro) für ein Vorrundenspiel schlicht nicht finanzierbar.
Einen Erfolg kann sich die Fifa freilich verbuchen: Der Weltverband hat durch sein dynamisches Preissystem den Schwarzmarkt praktisch ausgehebelt. Zur Wahrheit gehört auch, dass in der Vergangenheit Tickets für „normale Preise“ – umgerechnet 80 Euro – massenhaft von Schwarzmarkthändlern aufgekauft wurden; die sie dann für jene Preise verkauften, wie sie die Fifa jetzt selbst aufruft.
1.000 Tickets für 50 Dollar
Dass es noch verfügbare Tickets gibt, darauf deutet eine publikumswirksame Aktion von New Yorks Bürgermeister Zohran Kwame Mamdani hin. Er teilte mit, dass sich seine Stadt in Zusammenarbeit mit dem NYNJ Host Committee 1.000 erschwingliche WM-Tickets für 50 Dollar pro Platz gesichert habe; inklusive kostenloser Busfahrt zum MetLife Stadium und zurück.
„Eine Weltmeisterschaft kommt direkt vor unsere Haustür – und wir wollen sicherstellen, dass auch die New Yorker aus der Arbeiterklasse die Möglichkeit haben, daran teilzuhaben“, sagte Mamdani laut der „New York Times“. Man habe sich mit dem Organisationskomitee zusammengesetzt, um „sicherzustellen, dass dieses Turnier den Menschen gehört, die diese Stadt zu dem machen, was sie ist“. Es wird interessant sein zu erfahren, ob die New Yorker diese Tickets tatsächlich nutzen – oder ob sie nicht doch auf dem Schwarzmarkt landen.
KNA