Ordensleben online
Ordensleute erreichen Tausende mit Einblicken in ihren Alltag. Über Nonnen und Mönche in digitalen Medien – und was sie veröffentlichen.
Sieben Millionen Klicks in drei Tagen: Die 92-jährige Ordensschwester Irmingard isst ihren allerersten Döner und wird zum Social-Media-Hit. „Unbegreiflich“ findet sie das selbst, wie sie am Montag im SWR-Interview erklärte. Ihre junge Mitschwester Clarita (28) aus dem Kloster Arenberg in Rheinland-Pfalz hatte den Stopp der acht Schwestern im Mülheim-Kärlicher Döner-Imbiss gefilmt. Ihre Motivation: Vor ihrem Eintritt ins Kloster 2022 hätte sich Schwester Clarita gewünscht, dass ihr jemand über soziale Medien Einblicke ins Ordensleben gegeben hätte.
Das Engagement der jungen Ordensschwester hat Erfolg: Die Arenberger Dominikanerin hat 19,9 Tausend Follower bei Instagram. Von ihren in Koblenz lebenden Mitschwestern betreibt Ursula Hertewich einen Instagram-Account mit knapp 5.000 Followern. Ergänzend folgen dem Account @arenberger.dominikanerinnen 14,7 Tausend Nutzer. Schwester Kerstin-Marie Berretz hat mit gut 2.000 Anhängern noch Luft nach oben. Doch das Interesse an den Arenberger Dominikanerinnen bei Instagram ist insgesamt groß: Schwester Gloria, die gerade ihre erste Verpflichtung zum Ordensleben abgelegt hat, hat zwar erst einen Beitrag gepostet, aber schon 1.200 Follower.
Benediktiner-Bruder Lukas Boving erklärte am Dienstag im domradio-Interview, das Döner-Video sei deshalb so erfolgreich, weil es ungewöhnliche Bilder zeige: „Zwei Welten berühren sich. Eine 92 Jahre alte Ordensfrau trifft auf die Dönerbude. Das ist besonders spannend, weil es echt und nicht gestellt ist.“ Der Ordensmann aus dem schleswig-holsteinischen Kloster Nütschau, der selbst mehr als 14.000 Follower bei Instagram hat, ergänzt, für die Kirche seien solche Videos eine Chance: „Wir müssen diesen Spagat in Social Media wagen, zwischen Unterhaltung, Spaß, Albernheit, Challenges und Verkündigung. Unsere Verkündigungsvideos werden nur gesehen, wenn wir auch Albernheit und Spaß beherrschen. Sonst bleiben wir in der eigenen Bubble und verdampfen dort, ohne wahrgenommen zu werden.“
Ordensleute mit Zivilberuf
Auch andere Ordensleute sind in sozialen Medien aktiv – allen voran die über Instagram berühmt gewordenen betagten österreichischen Klosterbesetzer-Nonnen aus Goldenstein. Die inzwischen 261.000 Follower ihres ursprünglichen Accounts übertrifft nach Aufmerksamkeit aus aller Welt so leicht niemand. Doch auch Kapuziner-Bruder Paulus Terwitte hat mehr als 10.000 Anhänger in sozialen Medien, denen er geistliche Impulse anbietet. Und Pater Gabriel Markus Wolf gibt bei Instagram 10.000 Followern Einblicke in seine Arbeit als Seelsorger bei der Bundespolizei. Dem in Berlin lebenden Journalisten und Dominikaner Pater Max Cappabianca folgen in sozialen Medien rund 6.000 Menschen. Er präsentiert dort Ausschnitte seiner journalistischen Arbeit und gibt Impulse.
Persönliche Impulse gibt die Sießener Franziskanerin Marie-Pasquale Reuver aus dem oberschwäbischen Bad Saulgau. Sie erzählt von ihren „inneren Wölfen und Lämmern“, von ihren Fragen und Zweifeln, spricht über Missbrauch in der Kirche, die Problematik wortwörtlicher Bibelauslegung, Frauenrechte und ihre Anstrengungen, ihren „Gott-Muskel“ zu trainieren.
Kurz vor dem ersten Jura-Staatsexamen steht Schwester Sophia. Wie sie diese Herausforderung meistert und was das Klosterleben mit ihr macht, hatte sie kürzlich in einem Beitrag geschildert: „Oftmals fühlt es sich zu groß an, einen akademischen Weg zu gehen. Für wen die Anstrengung und der Stress? Aber dann kommt die leise Erinnerung des Nicht-Alleine-Lebens.“
Politische Statements und Wallfahrt
Ihre Namensvetterin Schwester Sophia ist eine Sießener Franziskanerin in Berlin-Kreuzberg. Den über 5.000 Followern ist sie bekannt als Ordensfrau in Turnschuhen. Den Inhalt beschreibt sie zwar locker mit „Kaffee, Katzen und Kontemplation“, doch ihre Beiträge geben preis, dass sie außerdem gerne politische Statements abgibt: zum Beispiel für Demokratie und gegen Rechts.
Schwester Ida dürfte demnächst die 5.000er-Marke erreicht haben. Sie ist Ordensfrau der österreichischen Franziskanerinnen in Vöcklabruck und arbeitet bei Quartier 16, einem Haus für Frauen in schwierigen Berufs-, Beziehungs- und Lebenssituationen.
Auch Bruder Antonius Joos von den Barmherzigen Brüdern von Maria-Hilf in Trier zeigt Interessierten das Ordensleben: Er präsentiert Eindrücke von der Wallfahrt der Brüder nach Assisi, berichtet über Einkleidungen und Todesfälle und bietet Interpretationen zu kirchlichen Festtagen.
Ordensleben an besonderen Orten
Der Abt der Jerusalemer Benediktiner-Abtei Dormitio, Nikodemus Schnabel, gibt rund 13.000 Heilig-Land-Fans bei Instagram und Facebook Einblicke in seinen konfliktreichen Alltag in Israel und auf Reisen.
Der in Leipzig lebende Dominikaner-Pater Simon Hacker ist Kaplan an der katholischen Leipziger Propsteikirche. An seinem Wirken beim Reformprozess Synodaler Weg der Kirche in Deutschland lässt er seine Follower bei Instagram und Facebook genauso teilhaben wie an seinem persönlichen Werdegang. Er berichtet über Urlauberseelsorge auf Rügen, Exerzitien als Rückzug aus dem Alltag und Seelsorge beim Wave-Gotik-Treffen zu Pfingsten.