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25.09.2026
Für Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz bedeutet der Amtssitzwechsel, den Menschen vor Ort zu begegnen und sich auf ihre Lebenswelt einzulassen. Bei der Kanutour auf der Ruhr heißt es: Nur gemeinsam kommt man voran.
Foto / Quelle: Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

„Wir wollen die Zukunft dieser Region mitgestalten“

Erzbischof Bentz zieht erste Bilanz seines Amtssitzwechsels in den Städten Witten, Wetter, Hagen, Castrop-Rauxel, Herdecke und Herne.

Erzbistum Paderborn

Mit seinem Dialog- und Begegnungsformat „Amtssitzwechsel“ lebt und arbeitet Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz seit dem 21. September für eine Woche im Westen des Erzbistums Paderborn. Unter dem Leitwort „Mitten unter euch.“ besucht er in Witten, Wetter, Hagen, Herdecke, Castrop-Rauxel und Herne Gemeinden, Schulen, soziale Einrichtungen, Unternehmen und neue kirchliche Aufbrüche. Im persönlichen Gespräch und großen Dialogformaten möchte der Paderborner Erzbischof erfahren, was die Menschen bewegt, welche Sorgen und Hoffnungen sie haben und was sie von der katholischen Kirche erwarten. Vor dem Abschlusswochenende zieht der Erzbischof eine erste persönliche Bilanz.

„Ich erlebe hier Menschen, die mit schwierigen Veränderungsprozessen ringen und sich dennoch nicht entmutigen lassen. Diese Haltung macht mir Mut. Diese Region kämpft seit langen Jahren mit Transformation und wir sind als katholische Kirche Teil davon. Wir können von den Erfahrungen hier lernen für unseren Bistumsprozess und können die Transformation des Ruhrgebietes prägen und mitgestalten“, unterstreicht Erzbischof Bentz.

Gott begegnen, Gemeinschaft erleben: Während seines Amtssitzwechsels feiert Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz jeden Tag mit den Menschen vor Ort Gottesdienst. Wie hier in Herne beim Besuch von zwölf Bischöfen aus Nordeuropa in der Gemeinde St. Bonifatius.
Foto / Quelle: Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Die Begegnungen bestärken den Paderborner Erzbischof darin, die Transformation der kirchlichen Strukturen mit einem klaren Anspruch zu verbinden: „Wir werden nicht alles überall so fortführen können wie bisher. Das offen zu sagen, gehört zur Ehrlichkeit. Wir konzentrieren unsere Kräfte. Die bisherige flächendeckende Präsenz werden wir so nicht halten können. Aber ich möchte, dass wir weiterhin nah bei den Menschen sind und bleiben und zwar, verlässlich, vielfältig und hoffentlich auch an neuen Orten“, so der Paderborner Erzbischof.

Diese Perspektive stand auch im Mittelpunkt seines Gesprächs mit kommunalen Verantwortlichen aus der Region. An dem Gespräch nahmen auf kommunaler Seite Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda aus Herne, Bürgermeister Dirk Leistner aus Witten, Bürgermeister Hans-Günter Draht aus Wetter, Ralf Quardt, Bürgermeister der Stadt Hagen und Vertreter des Oberbürgermeisters, sowie die Herdecker Beigeordnete Bettina Bothe teil.

Große Neugierde, was ein Bischof so alles macht: Bei seinem Besuch der katholischen Grundschule an der Bergstraße in Herne kommt Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz mit den Kindern ins Gespräch: über Gott und das, was sie bewegt.
Foto / Quelle: Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Beim Austausch wurde deutlich, dass die katholische Kirche weiterhin als Partnerin gefragt ist. Besonders ihr Engagement in der frühkindlichen Bildung ist in den Städten ausdrücklich gewünscht. Auch die Zukunft kirchlicher Gebäude und der gesellschaftliche Zusammenhalt waren Themen. „Wenn die Vertreter der Städte ausdrücklich sagen, dass sie unsere Kindertageseinrichtungen brauchen, dann höre ich darin Vertrauen und einen Auftrag: Unsere eigenen Veränderungen dürfen uns nicht so beschäftigen, dass wir die Herausforderungen und Aufgaben um uns herum aus dem Blick verlieren. Das heißt, hier geht es nicht um flächendeckende Versorgung, sondern auch hier geht es um das Angebot von besonders stark profilierten katholischen Kitas.“

Besonders intensiv erlebte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz zwei Dialogabende mit Engagierten, die das kirchliche Leben vor Ort tragen: In Witten sprach er mit Vertreterinnen und Vertretern kirchlicher Gremien, in Hagen mit Engagierten unter anderem aus Küsterdienst, Pfarrbüros, Kirchenmusik und Messdienerarbeit. Dabei ging es um die Sorge vor einem Verlust persönlicher Nähe, um Belastungen und um die Möglichkeiten, Kirche vor Ort weiterhin mitzugestalten. „Wer über Jahre Gottesdienste mitgestaltet, Jugendliche begleitet, sich in der Caritas und für junge Familien engagiert, oder Verantwortung in einem Gremium trägt, gibt seiner Gemeinde nicht nur viel Zeit, sondern stärkt das Gemeinsame, dieses Wir, diese Verbindung, die unsere Gesellschaft braucht“, betont Erzbischof Bentz. „Ich habe an diesen Abenden von Sorgen gehört, aber auch von vielen neuen Aufbrüchen im Glauben erfahren. Die Menschen in dieser Region möchten etwas aus ihrem Glauben heraus bewegen.“

Wie gelingt Veränderung, wenn Bewährtes bleiben und gleichzeitig Neues entstehen soll? Beim Besuch des Stahlindustrie-Unternehmens Bilstein Group in Hagen Hohenlimburg bekommt Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz Einblicke in die Produktion und tauscht sich mit Geschäftsführung und Betriebsrat über aktuelle Transformationsprozesse aus.
Foto / Quelle: Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Erzbischof Bentz tauschte sich in vielen Gesprächen über den laufenden Bistumsprozess „Glauben. Gemeinsam. Gestalten.“ und den Neuaufbruch aus, der damit für die katholische Kirche im Erzbistum Paderborn verbunden ist. Zum 1. Advent werden die neuen Seelsorgeräume errichtet. In der Region entstehen ein Seelsorgeraum für Hagen, Herdecke, Wetter und Witten sowie ein weiterer für Castrop-Rauxel, Herne und Wanne-Eickel. In diesen Einheiten wird unter anderem die Unterstützung des Ehrenamts gezielt ausgebaut: In jedem Seelsorgeraum wird eine zusätzliche hauptberufliche Stelle für Engagementförderung eingerichtet. Zu den Aufgaben gehören die Beratung und Vernetzung von Engagierten, der Zugang zu Fortbildungen sowie die Unterstützung von Gemeindeteams und neuen Initiativen.

Einen besonderen Schwerpunkt beim „Amtssitzwechsel“ bilden die Begegnungen mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Schülerinnen und Schüler begleiteten den Paderborner Erzbischof bei einer Exkursion zur renaturierten Lenne und beim anschließenden Kanufahren auf der Ruhr. In der katholischen Grundschule an der Bergstraße in Herne stellte sich Erzbischof Bentz den direkten Fragen der Kinder. Im Agnesheim Funckenhausen in Hagen begegnete er jungen Bewohnerinnen und Bewohnern der Jugendhilfeeinrichtung des Sozialdienstes katholischer Frauen. Am Freitag stehen mit dem Besuch der Creative Kirche und der Popakademie in Witten weitere Begegnungen mit Jugendlichen auf dem Programm. Am Samstag werden zudem 70 Jugendliche beim gemeinsamen Pilgern mit dem Erzbischof dabei sein. „Junge Menschen sollen in der Kirche entdecken können, dass der Glaube ihnen Halt gibt und ihnen hilft, ihren eigenen Weg im Leben zu finden“, ist Erzbischof Bentz überzeugt.

Welche Themen beschäftigten die Menschen in der Region? Welche Erwartungen gibt es an die katholische Kirche? Über diese und noch mehr Fragen diskutierten Bürgermeister der Region und Verantwortliche aus dem Erzbistum Paderborn: (von links) Heike Meyer, Bereichsleitung Kommunikation im Erzbischöflichen Generalvikariat, Wittens Bürgermeister Dirk Leistner, Bürgermeister Hans-Günter Draht aus Wetter, Ralf Quardt, Bürgermeister von Hagen, Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, Marcus Baumann-Gretza, Bereichsleitung Recht im Erzbischöflichen Generalvikariat, der Oberbürgermeister von Herne, Dr. Frank Dudda, Benedikt Bohn, Stellv. Bereichsleitung Schule und Hochschule im Erzbischöflichen Generalvikariat, die Beigeordnete der Stadt Herdecke, Bettina Bothe.
Foto / Quelle: Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Auch die Gespräche außerhalb der Gemeinden verdeutlichten, wie viele Menschen Verantwortung für die Region übernehmen. Beim Stahlunternehmen Bilstein Group in Hagen-Hohenlimburg erhielt Erzbischof Bentz Einblicke in den Bereich wirtschaftliche Transformation. In Herne sprach er mit Einsatzkräften von Feuerwehr und Hilfsorganisationen über ihren Dienst und das Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamt.

Für den Paderborner Erzbischof sollen die Erfahrungen der Woche über den Besuch hinauswirken und die Ergebnisse und Erfahrungen werden in der Bistumsleitung thematisiert: „Viele Menschen haben mir von ihrer Trauer erzählt, von dem Gefühl der Überforderung, der Verunsicherung, wie das wirklich werden wird. Dazu gehört aber auch ganz viel Zuversicht, die ich ebenso erlebt habe. Bei unseren Gottesdiensten und Gebeten haben wir aber auch gespürt, was uns trägt und verbindet: ein Vertrauen in Gott. Darauf kommt es an. Der Weg, der vor uns liegt, ist nicht einfach. Aber all das macht mir Mut, nüchtern und ehrlich, aber dennoch entschieden vorwärtszugehen.“

pdp

Das Programm bis Sonntag

Am Samstag, 26. September, beginnt um 10 Uhr die Pilgermesse in St. Philippus und Jakobus in Herdecke; anschließend führt die gemeinsame Pilgerwanderung nach Hagen. Am Abend folgt der „Abend der Runden Tische“ mit geladenen Gästen in Castrop-Rauxel. Den Abschluss des Amtssitzwechsels bildet am Sonntag, 27. September, ab 9.30 Uhr ein Familiengottesdienst in der Kinderkirche St. Marien in Herne-Baukau mit anschließender Begegnung.

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