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25.09.2026
Grabkerzen, Blumen und Grabschmuck stehen vor den Grabplatten eines Kolumbariums in Köln.
Foto / Quelle: Julia Steinbrecht/KNA

Warum es immer mehr Begräbniskirchen gibt

Häufig sterben Menschen, ohne Angehörige in der Nähe zu hinterlassen. Eine Antwort auf diesen Wandel bieten seit Jahren Begräbniskirchen.

Frankfurt

Sie sieht aus wie eine freundliche, lichtdurchflutete Bibliothek: Die erste Begräbniskirche Hessens wird am 30. September in Frankfurt offiziell eröffnet. In den Räumen der ehemaligen Kirche Sankt Michael sollen rund 2.500 Urnen Platz finden, wie am Dienstag die katholische Pastoralreferentin Verena Maria Kitz sagte.

„Es ist ein gastfreundlicher Ort für Lebende und Verstorbene. Elf Menschen sind hier bereits vor Eröffnung beigesetzt worden“, so Kitz. Die Nachfrage sei groß. Über 200 Leute hätten Interesse bekundet, eine letzte Ruhestätte bei dem Angebot des Bistums Limburg zu finden.

Offene Ringe stehen für das Unendliche

„Wir beobachten seit Jahren einen Wandel in der Begräbniskultur“, sagte die Fachbereichsleiterin Seelsorge und Entwicklung beim Bistum Limburg, Susanne Gorges-Braunwarth. „Die Familien leben verstreut. Der Anteil der Single-Haushalte nimmt zu.“ Immer mehr Menschen sterben, ohne Angehörige in der Nähe zu hinterlassen, die ein Grab auf einem Friedhof pflegen könnten. Das Bistum wolle mit dem neuen Angebot in Frankfurt diesem Kulturwandel entgegenkommen.

Die Urnen stehen hinter geriffeltem Glas in mehreren großen und langgestreckten Regalen, die die Form von nicht geschlossenen Ringen aufweisen. „Der offene Kreis ist ein Symbol für das Unendliche“, erläuterte der für den Umbau zuständige Architekt Florian Schlüter. Die Ringregale aus Beton, Holz und Glas greifen die Farben und Materialien der Kirche auf, für die den Angaben zufolge eine Felsenschlucht Vorbild war.

Die Wünsche der Angehörigen nach einem bestimmten Platz seien sehr individuell, sagte Betriebsleiter Roger Voigt. Bei einem Bestatteten sei ein freier Blick auf die Orgel das größte Anliegen gewesen. Ein Frühaufsteher sollte den Platz für seine Urne dort erhalten, wo die Morgensonne zuerst strahlt. Ein anderer bekam bewusst einen Ort in einem Bord, dessen Anmutung besonders an ein Bücherregal erinnert.

„Wir stellen fest, dass ganz viele Menschen nicht mehr wissen, wie Trauer geht“, so Kitz. Alles rund um den Tod werde oft auf Bestatter ausgelagert. „Die Angehörigen haben wenig Erfahrung damit.“ Sie sollen an diesem Ort aufgefangen werden. Deswegen sei, wann immer möglich, ein Ansprechpartner vor Ort. Freitags gibt es Gottesdienste.

Anonym ist hier niemand

Das 1954 von Rudolf Schwarz im Stil der Nachkriegsmoderne errichtete elliptische Gebäude im Stadtteil Nordend hat seit 2007 keine eigenständige Gemeinde mehr, wird seither als Trauerkirche genutzt.

„Wir holen den Tod ein Stück weit in das Leben zurück“, so Gorges-Braunwarth. Den Trauernden solle Trost geboten werden. Die Begräbniskirche stehe jeder Konfession offen, doch sei keine anonyme Bestattung möglich. Damit wolle die Kirche ein Zeichen setzen. Auch die Regale tragen keine Nummern und sind nach Begriffen wie Vertrauen, Liebe, Glaube, Dankbarkeit und Hoffnung benannt. Bundesweit gibt es den Angaben zufolge rund 50 Kirchen mit vergleichbarem Konzept.

KNA
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