Weltfrieden braucht religiöse Akteure
Katholiken, Protestanten, Orthodoxe. Beim Treffen in Assisi haben sie nicht nur gebetet, sondern einen zentralen Appell verfasst. Deshalb sind religiöse Akteure wichtig bei Friedensverhandlungen, findet Thomas Rachel.
Der „Geist von Assisi“ ist für den Religionsbeauftragten der Bundesregierung, Thomas Rachel, wichtiger denn je. „Wir leben in einer Zeit großer Konflikte und Kriege in der Welt. Die multilaterale Rechtsordnung ist unter Druck“, sagte er dem Internetportal katholisch.de anlässlich des internationalen Friedenstreffens im mittelitalienischen Assisi. Die Zusammenkunft war am Dienstagabend zu Ende gegangen.
Für den Weltfrieden brauche es die Versöhnung der Religionen, so Rachel weiter. Dafür müsse sich ändern. Es gehe darum, „das Gemeinsame zu suchen und zu finden und das Verbindende zwischen den Religionen herauszustellen“. Er betonte auch den gemeinsamen Friedensappell an die Welt, den rund 80 Religionsvertreter unterzeichnet hatten. „Darin zeigt sich, dass sich ganz unterschiedliche Akteure auf ein gemeinsames Verständnis geeinigt haben.“
Auch sei es heute bei Friedensbemühungen wichtiger denn je, religiöse Akteure einzubeziehen. „Dazu müssen natürlich auch die Möglichkeiten des interreligiösen Dialogs genutzt werden, um Wege zur Förderung einer friedlichen Entwicklung auszuloten.“ Politische Gespräche und Verhandlungen hätten zwar eine unbestrittene Bedeutung, doch auch im Religiösen liege eine große positive Kraft zur Veränderung der Welt.
Religion wird auch missbraucht
Rachel kritisierte allerdings auch den Missbrauch von Religion zur Legitimierung von Gewalt. „Die Äußerung des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill, der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine sei ein ‚heiliger Krieg‘, ist erschreckend.“ Dem müsse in aller Deutlichkeit widersprochen werden.
Das Treffen fand 40 Jahre nach dem ersten Weltgebetstreffen für den Frieden statt, das Papst Johannes Paul II. 1986 vor dem Hintergrund der damaligen atomaren Ost-West-Konfrontation einberief. Aus Deutschland nahmen neben Rachel der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, die lutherische Bischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt und die Pastorin Angela Kunze-Beiküfner aus Magdeburg teil. Den Weltkirchenrat vertrat Bischof Heinrich Bedford-Strohm.
KNA