Umfrage: Viele junge Menschen können Kinderwunsch nicht verwirklichen
Der Traum von der perfekten Familie wird selten komplett wahr. In reicheren Ländern hätten junge Leute häufig lieber mehr Kinder. Im globalen Süden hingegen werden viele Frauen ungewollt schwanger.
Deutschlands niedrige Geburtenrate wäre höher, wenn es nach möglichen Müttern und Vätern ginge. Das ist eines der Ergebnisse mehrerer Studien, die der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung und die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung am Dienstag veröffentlichten.
Zwar ist die Geburtenrate zwischen 2021 und 2024 von 1,58 auf 1,35 Kinder pro Frau gesunken, wie das Bundesinstitut gegenüberstellt. Der Kinderwunsch sei im gleichen Zeitraum aber stabil geblieben. Frauen wünschen sich im Schnitt 1,76 Kinder, Männer 1,74 Kinder.
Sicherheit als Grundlage einer Familie
Für die UN-Studie „Demographic Futures“ wurden in 73 Ländern mehr als 100.000 Internetnutzer zwischen 18 und 39 Jahren befragt. „Die Ergebnisse deuten auf eine Kluft zwischen den Erwartungen und den wahrgenommenen Möglichkeiten hin“, erläuterte UN-Vertreterin Diene Keita. Als Voraussetzung dafür, Eltern zu werden, nannten 88 Prozent der Befragten finanzielle Sicherheit, 87 Prozent sichere Beschäftigung und 85 Prozent emotionale Bereitschaft.
Die Rahmenbedingungen machten es der Mitteilung zufolge für junge Menschen schwierig, ihre gewünschte Kinderzahl zu verwirklichen – und das gelte global. „In Ländern des Globalen Nordens wie Deutschland sind verlässliche Kinderbetreuung, bezahlbarer Wohnraum und eine bessere Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit dabei ebenso entscheidend wie die stärkere Beteiligung von Vätern an der Sorgearbeit“, so die Direktorin des Bundesinstituts, Katharina Spieß.
In Afrika herrscht das andere Extrem
In anderen Weltregionen hingegen bekämen junge Frauen zu früh und mehr Kinder, als sie sich selbst wünschten. Laut UN-Erhebungen haben 44 Prozent der Frauen und Mädchen weltweit keine Entscheidungsgewalt über ihre sexuellen Beziehungen, Verhütung oder reproduktive Gesundheitsversorgung. Fehlende Sexualaufklärung und kein Zugang zu Verhütungsmitteln führten dazu, dass viele Mädchen und junge Frauen unbeabsichtigt und oft schon im Teenageralter schwanger würden.
„Nur wer aufgeklärt ist, kann informierte Entscheidungen über Sexualität und Kinderwunsch treffen“, so die Direktorin des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Catherina Hinz. „In Afrika wächst derzeit die größte Jugendgeneration aller Zeiten heran: Drei von fünf Menschen auf dem Kontinent sind unter 25 Jahre alt. Es ist wichtig, ihre Wünsche und Bedarfe genau zu kennen und daraus passgenaue Angebote zu entwickeln.“ Von diesen jungen Menschen hänge ab, wie sich Afrika in den nächsten Jahrzehnten entwickelt.