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07.07.2026
FIFA-Präsident Gianni Infantino bei der Eröffnungspressekonferenz der WM 2026 .
Foto / Quelle: Tobias Käufer/KNA

Amerikas Sommermärchen endet als hässliche Polit-Affäre

Aus Gewinnern wurden dank Trump und Infantino über Nacht Verlierer.

Dallas

Plötzlich war es ganz ruhig im Stadion Lumen Field in Seattle. Plötzlich war er vorbei, der amerikanische Traum, der seit Wochen unzählige Male in einem Werbespot des TV-Senders Fox Sports über die Bildschirme der US-Haushalte flimmerte. Unterlegt mit der legendären Musik von Elvis Presley: „The Dream, the impossible Dream“ und mit Mike Eruzione, dem Kapitän des US-Eishockeyteams von 1980, dem damals in Lake Placid gegen das übermächtige Team der UdSSR das „Miracle on Ice“ gelang.

Alles schien angerichtet für ein US-Sommermärchen 2026. Die Mannschaft des argentinischen Trainers Mauricio Pochettino spielte sich in die Herzen der Fans. Je länger das Turnier dauerte, umso größer wurde die Euphorie. Die wohlhabende Kundschaft zahlte an der Westküste Fantasiepreise für Eintrittskarten zu einem Spiel des US Soccer Teams. Das Fernsehen erzielte nie dagewesene Einschaltquoten bei Übertragungen von Fußballspielen – nicht nur der eigenen Nationalmannschaft, auch von anderen Nationen. Und die großen FIFA Fan Festivals – die WM der Kartenlosen – wurden zu Sammelbecken der Emotionen von US-Fans, die sich die Tickets nicht leisten konnten oder wollten.

Trump zerstört die Stimmung

Bisher war es auch eine WM ohne allzu viele hässliche Szenen, ohne Gewalt in den Stadien, ohne verächtliche Fangesänge oder zerstörte Regionalbahnen, wie man sie aus dem deutschen Bundesliga-Alltag gelegentlich kennt. Doch dann kam Donald Trump und sein Griff zum Telefonhörer. Und aus dem Zauber des Siegeszuges eines Außenseiters wurde eine hässliche Polit-Affäre, die den Weltverband FIFA noch in seinen Grundfesten erschüttern könnte. Denn der US-Präsident gab offen zu, was FIFA-Präsident Gianni Infantino am liebsten hinter verschlossenen Türen gehalten hätte. Ein Anruf beim mächtigsten Sportfunktionär der Welt und plötzlich war der wegen eins Fouls gesperrte US-Stürmer Folarin Balogun rechtzeitig zum Achtelfinale begnadigt.

Weil Trump so offen mit seiner Einflussnahme auf die Sportgerichtsbarkeit hausieren ging, geriet Infantino in arge Erklärungsnot. Auf den Mobiltelefonen der bei der WM akkreditierten Journalisten gingen zwei Rechtfertigungen ein. Eine von Infantino selbst und eine von der zuständigen Gerichtsbarkeit des Weltverbandes. Beide beteuerten ihre Unabhängigkeit. Doch es war zu spät.

FIFA-Logo im Azteken-Stadion beim WM-Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika.
Foto / Quelle: Tobias Käufer/KNA

Denn der Fall überschattete das Achtelfinal-Spiel gegen Belgien am Montag. Auf den Schultern des zuvor so unbekümmerten Stürmers Folarin Balogun lastete nun zentnerschwer die Last der Begnadigung. Auch die restliche Mannschaft schien wie gelähmt – sinnbildlich zusammengefasst im schweren Patzer von Torhüter Matt Freese, der die Belgier zu deren drittem Tor geradezu einlud. Am Ende behielten die Europäer mit 4:1 die Oberhand.

Verloren hat aber nicht nur die US-Nationalmannschaft. Verloren hat auch Trainer Pochettino, der die umstrittene Entscheidung der FIFA egoistisch lobte. Und den eigentlich gesperrten Balogun brachte. Deutschlands designierter künftiger Bundestrainer Jürgen Klopp hatte im Vorfeld noch angeregt, auf dessen Einsatz zu verzichten, um ein Zeichen gegen die Einflussnahme „auf unseren Sport“ zu setzen.

Verloren hat vor allem auch FIFA-Präsident Infantino, der sich nun schwere Vorwürfe aus Europa anhören muss. „Wir bringen unsere Fassungslosigkeit über eine solch beispiellose, unverständliche und ungerechtfertigte Entscheidung zum Ausdruck“, heißt es in einer am Montag verbreiteten Erklärung des europäischen Fußballverbands UEFA.

Infantino unangreifbar?

Forderungen nach einer Ablösung des FIFA-Präsidenten werden selbstverständlich auch laut. Trotzdem wird sich Infantino wohl keine Sorgen machen müssen. Die Einnahmen des Turniers werden auf bis zu elf Milliarden US-Dollar geschätzt und sprengten bisher alle gekannten Umsatzgrenzen. Infantino hat damit genug Mittel, um sich die Gunst der Mehrheit der rund 200 nationalen Verbände zu sichern. Und im Zweifel greift er womöglich zum Telefonhörer und ruft mächtige Freunde an, die ihn schützen können.

KNA
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