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08.07.2026
Papst Leo XIV. begrüßt bei seiner Ankunft am 5. Juli 2026 die Menschen vom Balkon des Apostolischen Palastes in Castel Gandolfo (Italien).
Foto / Quelle: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

Ein Papst hat keine Urlaubsvertretung

Der Papst gilt als Vertreter Christi auf Erden. Er selbst hat aber keinen Vize. Darum muss er auch in Castel Gandolfo arbeiten – mit Meerblick.

Vatikanstadt/Castel Gandolfo

„Ich freue mich sehr, hier bei euch zu sein und die nächsten Wochen hier in Castel Gandolfo mit ein bisschen Erholung, ein bisschen Gebet, ein bisschen Lesen und hoffentlich auch ein bisschen Sport verbringen zu können!“ Diese Worte richtete Leo XIV. am Sonntag an die Bewohner des Bergörtchens knapp 30 Kilometer von Rom. Der Papst will hier drei Wochen in seiner Sommerresidenz verbringen.

Neben dem „bisschen“ Freizeitvergnügen wird Leo XIV. auch ein „bisschen“ arbeiten, denn die Amtsgeschäfte des Vatikans ruhen nie. Die Weltkirche mit ihren 1,4 Milliarden Katholiken und knapp 4.300 bistumsleitenden Bischöfen muss auch im römischen Hochsommer verwaltet werden. Und ein Papst hat keinen Stellvertreter – auch nicht im Urlaub.

Vatikan light auf 55 Hektar

Auch Leos Vorgänger nutzten Castel Gandolfo nicht ausschließlich zur Erholung. Darum bauten sie die Residenz, die mit ihren Parks und Villen heute elf Mal so groß ist wie der Vatikanstaat, schon vor Jahrhunderten zu einem Regierungssitz aus. In der frischen Luft der grünen Albaner Berge gingen sie weiter ihrer Arbeit nach, schrieben Dokumente, gaben päpstliche Erlässe heraus und empfingen Staatsgäste.

Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zeigte US-Präsident George W. Bush den Blick vom Anwesen über den Albaner See, der deutsche Papst Benedikt XVI. (2005-2013) und Bundeskanzlerin Angela Merkel trafen sich 2006 zum ersten Mal persönlich in Castel Gandolfo.

Für einen reibungslosen Ablauf sorgen Angestellte der Residenz sowie enge Mitarbeiter des Papstes. Früher reisten die Päpste mit einem Teil ihres Hofstaates an. In der Villa Barberini, in der Leo XIV. bei seinen Aufenthalten in Castel Gandolfo zunächst wohnte, befanden sich die Gemächer hochrangiger Vatikan-Funktionäre.

Im ersten Stock hatte der Kardinalstaatssekretär sein Appartement. Darüber nächtigte der Präfekt des Päpstlichen Hauses, der vatikanische Zeremonien und Audienzen sowie Reisen des Papstes innerhalb Italiens organisiert. Hinzu kamen Privatsekretäre, Haushaltshilfen und Sicherheitspersonal.

Blick auf Castel Gandolfo.
Foto / Quelle: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

Papst Leo XIV. reist nur mit einem kleinen Mitarbeiterstab an. Wie überall ist Privatsekretär Edgard Iván Rimaycuna Inga dabei. Die Schweizergarde sorgt für die Sicherheit von Anwesen und Kirchenoberhaupt. Wichtige Kurienvertreter kämen jedoch nur nach Bedarf an den kleinen Vulkansee bei Rom, erfuhr die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) aus dem Umfeld des Papstes.

Offiziell sind bis zum 27. Juli alle Audienzen – private wie öffentliche – ausgesetzt. Als einzig öffentlicher Termin ist das sonntägliche Mittagsgebet angekündigt. Dennoch empfängt Leo XIV. Menschen in seinen gerade renovierten Räumlichkeiten im Palast des Anwesens. Zu Beginn seiner Sommerauszeit sollen es insbesondere Mitglieder „seines“ Augustinerordens sein.

Schon im letzten Jahr empfing er in Castel Gandolfo zahlreiche Besucher. Prominentester Gast war der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Zudem feierte er mehrere Messen, fällte Personalentscheidungen und nahm Videobotschaften und Grußworte auf.

Die ersten großen Schreiben seiner Amtszeit soll er ebenfalls teilweise in seiner Sommerresidenz verfasst haben: das päpstliche Lehrschreiben „Dilexi te“ über den kirchlichen Einsatz gegen Armut und die Enzyklika über den Umgang mit Künstlicher Intelligenz „Magnifica humanitas“.

Reisen, Kardinäle und andere Baustellen

Der diesjährige Sommeraufenthalt dürfte kaum ruhiger werden. Im Vatikan stehen wichtige Personalentscheidungen an, final organisiert werden müssen die Reisen nach Frankreich Ende September und nach Südamerika im November. Vorbereiten muss sich das Kirchenoberhaupt auch auf ein großes Bischofstreffen im Vatikan. Im Oktober soll dabei über Themen rund um Ehe und Familie debattiert werden.

Außerdem gilt es für Leo XIV., dem Kardinalskollegium den eigenen Stempel aufzudrücken. Die Zahl der Papstwähler liegt mit derzeit 117 unterhalb des Richtwerts von 120 Mann. Bei zwei großen Treffen mit den Kirchenmännern konnte sich der Papst bereits ein Bild von seinen wichtigsten Beratern machen.

So ist die Sommerauszeit, neben Lektüre, Tennis und Schwimmen, auch in diesem Jahr eher ein Arbeitsurlaub für den Papst. Immerhin genießt er dabei Ausblicke, die der Vatikan nicht bietet: auf der einen Seite der Albaner See, auf der anderen in der Ferne das Meer.

KNA
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