Teure Besuche
Ein Papstbesuch bringt Prestige. Kommt es tatsächlich zu einer Reise, wird es kostspielig für die Gastgeber.
Einmal den Papst als Gast haben: Regelmäßig buhlen Kirchenmänner und Regierungsvertreter beim Oberhaupt der katholischen Weltkirche um eine Reise in ihr Land. Nahezu jeder Politiker spricht bei Audienzen mit dem Kirchenoberhaupt die notwendige offizielle Einladung aus. Den Papst ins eigene Land zu holen, verspricht Prestige: Nicht selten hoffen die Regierenden auf besseres Ansehen in der eigenen Bevölkerung oder gar auf eine Wiederwahl. Daher reist der Papst nie kurz vor Wahlen an; keinesfalls will er sich als Wahlhelfer instrumentalisieren lassen.
Doch die Visite eines Papstes hat einen hohen Preis: Üblicherweise fallen bei einem mehrtägigen Auslandstrip Millionen für Logistik, Sicherheit und Technik an. Getragen werden sie vom besuchten Staat und der örtlichen Kirche. Zumeist übernehmen Katholiken die Kosten, die mit dem direkten Papstprogramm und kirchlichen Events in Zusammenhang stehen. Das Gastgeberland ist für die Sicherheit zuständig – wie bei Staatsbesuchen üblich. In der Regel äußern sich die Beteiligten selten und ungern zu den tatsächlichen Kosten, denn immer wieder kommt es zu Protesten aus der Bevölkerung.
Bezüge gekürzt, um Papstbesuch zu finanzieren
Bei Leos XIV. Reise nach Afrika im April etwa berichteten französische Medien, in Äquatorialguinea, der letzten Station der Papstreise, seien Beamten und Militärs die Bezüge gekürzt worden, um den Besuch zu finanzieren. Die Regierung wies das zurück. Genaue Angaben zu den Kosten sind nicht bekannt.
Doch einige Reisen geben einen Einblick in den finanziellen Aufwand. Für den Deutschland-Besuch von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2011 waren allein für die Kirche Kosten in Höhe von 25 bis 30 Millionen Euro angesetzt. Doch das Erzbistum Freiburg, eine von drei gastgebenden Diözesen, präsentierte eine Endabrechnung doppelt so hoch wie geplant: 23,3 Millionen statt 11 Millionen Euro.
Die zwölftägige Kanadareise von Papst Franziskus im Jahr 2022 soll allein die Regierung knapp 56 Millionen Kanadische Dollar (etwa 41 Millionen Euro) gekostet haben. Und Franziskus‘ achtstündige Stippvisite in Luxemburg im September 2024 soll bei über 1,5 Millionen Euro gelegen haben.
Sein Nachfolger Leo XIV. hat bereits drei Auslandsreisen absolviert und besucht darüber hinaus diverse Orte in Italien. Zweimal hält er sich dafür in der süditalienischen Region Kampanien auf. Am Jahrestag seiner Wahl besuchte er Pompeji und Neapel, Ende Mai hält er sich für vier Stunden im Städtchen Acerra auf. 600.000 Euro schoss die Region für die beiden Stippvisiten zu.
Kosten durch Spenden finanzieren
Der bevorstehende Spanienbesuch des Papstes vom 6. bis zum 12. Juni soll dem Vernehmen nach zwischen 15 und 30 Millionen Euro kosten. Spaniens Bischöfe versuchen, einen Teil der Kosten durch Spenden zu finanzieren. Das Organisationskomitee hat Unternehmen, Stiftungen und vermögenden Privatpersonen zur Deckung der Kosten ein fünfstufiges Sponsoren-System zugesandt.
Neben Steuervorteilen für alle Spender erhalten „Großspender“, die zwischen 500.000 und eine Million Euro geben, für ihren Beitrag reservierte Plätze bei den Großveranstaltungen der Reise, ein Arbeitstreffen im Vatikan sowie eine persönliche Begegnung mit dem Papst. Zudem werden ihre Firmen- oder Stiftungslogos auf den offiziellen Internetseiten der Papstreise zu sehen sein.
Ähnlich könnten die Kosten bei der Frankreichreise im September aufgebracht werden. Bei vergangenen Papstbesuchen übernahmen die klamme Ortskirche und private Spender die Finanzierung der Events, der laizistische Staat war für die Sicherheit und deren Bezahlung zuständig. Der vermutlich übernächste Auslandsbesuch Leos soll Beobachtern zufolge Anfang Juni offiziell bestätigt werden. Im November könnte es dann nach Südamerika gehen: Erwartet wird eine Reise Leos XIV. nach Uruguay, Peru und Argentinien. In die Heimat seines Vorgängers, die dieser als Papst nicht mehr besuchte.
KNA