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16.05.2026
Teepflückerin zeigt Teeblätter auf einer Teeplantage bei Badulla (Sri Lanka).
Foto / Quelle: Volker Hasenauer/KNA

Tee spaltet und verbindet die Welt wie kein anderes Getränk

Very british, nach Mist stinkend oder ein Symbol der Ausbeutung. Was ist der Tee denn nun? So ziemlich alles.

Bonn

Abwarten und Tee trinken: Das tun Millionen Menschen weltweit und trinken – so Schätzungen – täglich mehr als 15 Millionen Tassen Tee. Gefeiert wird das heiße, gut 5.000 Jahre alte Getränk seit 2019 auch offiziell. Damals entschied die Generalversammlung der Vereinten Nationen, den 21. Mai zum Internationalen Tag des Tees zu machen. Gewürdigt wird damit nicht nur die historische Bedeutung. Tee ist auch ein Getränk der Ausbeutung und unfairen Bezahlung.

Doch von Anfang an. Kein Getränk – vom Wasser einmal abgesehen – hat eine so lange Geschichte wie der Tee. Sie begann vor rund 5.000 Jahren und spielte sich lange allein in China ab. Einer Legende zufolge soll der chinesische Kaiser Shen Nung im Jahr 2737 v. Chr. eher zufällig den Tee entdeckt haben. Ein Windstoß wehte Blätter eines wildwachsenden Teestrauchs in seine Schale mit heißem Wasser – die Tradition war geboren.

Getränk der Noblen und Mönche

Bis heute wird der meiste Tee in China angebaut. 2023 waren es 3,25 Millionen von weltweit insgesamt 6,6 Millionen Tonnen, die überwiegend für den eigenen Markt bestimmt waren. Das größte zusammenhängende Teeanbaugebiet der Welt liegt jedoch in Assam in Indien oder in Kenia. Eindeutig sind die Zahlen nicht.

Denn nach und nach breitete sich der Tee in die Nachbarländer aus. Nach Japan kam er vermutlich bereits im 6. Jahrhundert durch buddhistische Mönche. Auch Ende des 12. Jahrhunderts waren es wiederum Mönche, die Samen für die ersten Teepflanzen mitbrachten. In Klöstern ließ sich fortan die Müdigkeit beim Meditieren vertreiben.

Der zunehmende internationale Handel machte es Jahrhunderte später möglich, dass das Getränk ab dem 17. Jahrhundert auch Europa eroberte. Um das Jahr 1610 herum brachte die Niederländischen Ostindien-Kompanie erstmals Tee nach Europa. In London servierte ihn erstmals im Jahr 1657 Thomas Garway in dem von ihm geführten Kaffeehaus. Knapp ein Jahrhundert später eröffnete 1743 das Teegeschäft F.J. Seeger in Hannover, das als ältestes deutsches Teehaus gilt.

Getrocknete Teeblätter in einer Teefabrik bei Hatton (Sri Lanka).
Foto / Quelle: Volker Hasenauer/KNA

Ob der Tee anfangs jedoch ein Genuss war, sei dahingestellt. Der Transport ist aufwändig; Tee darf nicht feucht werden und nimmt schnell andere Gerüche an. Liselotte von der Pfalz (1652-1722) konnte ihn früh kosten, und ihr Urteil fiel vernichtend aus: Tee komme ihr vor wie Mist und Heu. Wie könne man sich an so etwas Bitterem und Stinkendem erfreuen? Biersuppe wäre ihr lieber.

Trotzdem wurde der Tee bald zum Kultgetränk – vor allem in England. Die Engländer sind bis heute die Tee-Nation in Europa. Der Interessenverband „UK Tea&Infusion“ hat auf seiner Homepage heute sogar einen Liveticker, der die täglich getrunkenen Tassen Tee im Königreich schätzt. Britischsein und Tee sind untrennbar miteinander verbunden.

Möglich machte das die Kolonialgeschichte. China beschränkte lange den Tee-Außenhandel stark, woraufhin die Briten anfingen, Tee in Indien anzubauen. Indien war fast 200 Jahre lang britische Kolonie, was die Britische Ostindien-Kompanie begründet hatte. Die Anbauversuche glückten, und erste Teeplantagen entstanden in Assam.

Zwangsarbeit und Ausbeutung

Die Folgen sind laut einer 2019 erschienenen Oxfam-Studie noch immer spürbar. In den 1840er Jahren mussten Hunderttausende Angehörige landloser indigener Gemeinschaften aus Zentralindien Zwangsarbeit auf den Plantagen leisten. Dort, so die Studie, arbeiten bis heute die Nachfahren. Auch knapp 200 Jahre später würden sie nicht als Indigene angesehen und hätten deshalb weniger Rechte.

Auch profitierten die Teepflückerinnen nicht: Sie würden täglich nur zwischen ungerechnet einem und zwei Euro verdienen. 86 Prozent des Endpreises für ein Paket Tee gingen an den jeweiligen Supermarkt.

Indien ist keine Ausnahme. 2025 stand Sri Lanka im Zentrum der Misereor-Fastenaktion. Dort gebe es auf Teeplantagen moderne Sklaverei, sagte bei einem Besuch der Freiburger Erzbischof Stephan Burger, der die Kommission für Entwicklungsfragen der Deutschen Bischofskonferenz leitet.

Kräutertee ist auch in Deutschland beliebt.
Foto / Quelle: Julia Steinbrecht/KNA

Deutschland ist – von Ostfriesland abgesehen – im Laufe der Geschichte eher Nicht-Teetrinkerland geblieben. Laut Teeverband lag der jährliche Pro-Kopf-Konsum 2024 bei insgesamt 67,2 Litern – der Verbrauch sank im Vergleich zum Vorjahr leicht um 1,5 Prozent. Getrunken wurden 27,1 Liter Schwarz- und Grüntee sowie 40,1 Liter Kräuter- und Früchtetee. Ob das der hippe Matcha-Tee künftig ändern wird, muss sich zeigen.

Das dürfte in dezidierten Teetrinkerländern für Augenrollen sorgen. Als Tee gelten dort Schwarz-, Grün- und Gelbtee. Den es zwar in zahlreichen Ernte- und Herstellungsvarianten, aber stets aus der Teepflanze Camellia sinensis.

Früchte- und Kräutertees gelten hingegen nicht als Tee, was auch sprachliche Genauigkeiten zeigen. „Tea“ ist Tee, „infusion“ im Englischen oder Französischen der Aufguss eines Kräutertees. Für wenig Begeisterung dürfte auch die recht deutsche Tee-Aromatisierung sorgen. Für die Teetasse gibt es alles – von Himbeer-Cheesecake über Lebkuchengeschmack bis hin zum „Schneewunder“.

KNA

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