Arbeiter prüfen verschrottete Handys auf einer Elektroschrotthalde in Accra(Ghana).
Foto / Quelle: Harald Oppitz/KNA/Archivbild

Missio: Umweltminister muss Handy-Pfand einführen

200 Millionen gebrauchte Handys schlummern in deutschen Schubladen. Deshalb fordert ein Hilfswerk die Regierung zum Handeln auf.

Würzburg

Das katholische Hilfswerk missio Aachen fordert zusammen mit ZDF-Journalistin Gundula Gause und Partnern aus Afrika ein Handy-Pfand. Auch das Kolpingwerk, die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) und die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) rufen Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) zum raschen Handeln auf.

„Da müssen endlich politische Vorgaben gemacht werden, die dann auch eingehalten werden“, sagte Gause beim Katholikentag in Würzburg der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Ich kann uns alle nur dazu ermuntern, die Schubladen zu durchsuchen und die alten Handys abzugeben, denn Recycling schont nicht nur die Umwelt, sondern kann auch die schlimmen Menschenrechtsverletzungen reduzieren, unter denen vor allem Menschen in Afrika leiden wegen unserer Handys.“

Elektroschrott landet illegal in Afrika

Ein Pfandsystem solle Rückgabe und Recycling alter Mobiltelefone verbessern und verhindern, dass Elektroschrott illegal aus Deutschland nach Afrika gelangt, zum Beispiel zu einer der weltweit größten Deponien in Ghana, fügte missio-Chef Dirk Bingener hinzu. Dort gewännen Männer, Frauen und Kinder unter menschenunwürdigen und gesundheitsgefährdenden Bedingungen Rohstoffe aus Altgeräten zurück.

Dirk Bingener, Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerks missio Aachen, und Ordensschwester Mercy Benson, Projektpartnerin von missio in Accra (Ghana), halten ein Transparent mit der Forderung nach der Einführung eines Pfand auf Handys in Deutschland.
Foto / Quelle: Harald Oppitz/KNA/Archivbild

„Der Kreislauf ist verheerend. Erst werden Rohstoffe aus Afrika ausgebeutet, dann werden damit unsere Smartphones produziert. Sind sie kaputt oder überholt, landet ein Teil des Mülls wieder bei den Menschen, die schon den Preis der Rohstoffausbeutung zahlen“, ergänzte Bingener. „Ein Handy-Pfand von vielleicht 20 Euro wäre ein erster konkreter und einfacher Schritt, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen“, sagte Gause.

In Deutschland, so Bingener, hätten sich – auch aufgrund des fehlenden Handy-Pfands – rund 200 Millionen gebrauchte Handys angesammelt: „Die darin enthaltenen Materialien würden laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft ausreichen, um den Rohstoffbedarf aller neuen Smartphones der nächsten zehn Jahre zu decken.“

6.000 Kilogramm Gold

Mit einem Handy-Pfand könne auch das Gold alter Smartphones wiederverwendet werden. Aktuell schlummerten rund 6.000 Kilogramm Gold, das in Mobiltelefonen verbaut sei, in deutschen Schubladen: „Wir brauchen Handys mit Gold-zurück-Garantie“, so Bingener.

Auch Schwester Mercy Benson, missio-Projektpartnerin in Ghana, warb in Würzburg für ein Ende der Wegwerfmentalität: „Der Elektroschrott zerstört Gesundheit, Zukunft und Würde – vor allem die der Kinder. Geben Sie Ihre alten Handys zum Recycling ab und fordern Sie von der Politik Regeln, die Menschen schützen.“ Bingener kritisierte, dass sich das Bundesumweltministerium trotz Anfrage nicht der Diskussion in Würzburg gestellt habe.

KNA

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