Studie widerspricht Mythos von der neuen Lust am Landleben
Aktuelle Daten zeigen: Nur eine Minderheit der Stadtbewohner zieht aus Überzeugung aufs Land.
Traumhaftes Landleben? Aktuelle Statistiken zeigen zwar, dass die Bevölkerung in ländlichen Städten und Gemeinden durch Binnenwanderung zunimmt. Die Auswertung einer in Bonn vorgestellten Studie ergab jedoch: Dahinter steckt weniger eine neue „Landlust“. Es sind vielmehr demografische Veränderungen und veränderte Lebensphasen. Die Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) trägt den Titel „Wohn- und Lebenskonzepte in der Peripherie“.
Seit etwa 2017 verlieren Großstädte demnach bei Umzügen innerhalb Deutschlands eher Einwohner, während ländliche Regionen mehr Menschen gewinnen. Das liege aber nicht daran, dass deutlich mehr Menschen von der Stadt aufs Land wechseln. Vielmehr wanderten weniger Menschen aus dem ländlichen Raum in die Städte ab. Die Studie benennt als Grund unter anderem die Altersstruktur.
Wer zieht aufs Land, wer in die Stadt?
Die Studie zeigt, dass vor allem Familien (32 Prozent), Menschen in Ein- und Zweipersonenhaushalten über 65 Jahre (21 Prozent) sowie Menschen zwischen 35 und 65 Jahren (22 Prozent) in ländliche Regionen ziehen. Gründe dafür seien unter anderem hohe Mieten und Wohnungspreise in den Städten. Besonders Familien suchten häufiger mehr Wohnraum, etwa größere Wohnungen oder ein eigenes Haus. Zudem ermögliche Homeoffice vielen Berufstätigen Flexibilität.
Jüngere Gruppen wie Studierende und Berufseinsteiger (18 bis 29 Jahre) zieht es nach Erkenntnis des Instituts überwiegend in die Städte. Die Zahl junger Erwachsener im „typischen“ Umzugsalter nehme in ländlichen Regionen ab. Damit geht laut Studie auch die Abwanderung zurück.
Keine neue Sehnsucht?
Nur ein Teil der Zugezogenen auf dem Land – etwa 37 Prozent – bezeichnet sich selbst laut Studie als „Landliebende“, also als Menschen, die bewusst auf das Land ziehen, weil sie dort schon immer wohnen wollten. Dieser Anteil sei über die Jahre relativ stabil geblieben. Zudem kommen diese Personen nicht überwiegend aus Großstädten: Nur etwa 21 Prozent der „Landliebenden“ zögen tatsächlich aus städtischen Räumen aufs Land.
„Die Debatte über eine neue Sehnsucht nach dem Land greift zu kurz“, sagte Thomas Pütz, Stadtforscher am BBSR. „Die positiven Wanderungssalden ländlicher Gemeinden lassen sich vor allem durch demografische Entwicklungen sowie Veränderungen auf den Wohnungs- und Arbeitsmärkten erklären – nicht durch einen grundlegenden Wandel der Wohnpräferenzen.“
KNA