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02.06.2026
Goldene Monstranz auf dem Monstranzwagen beim Auszug nach dem Gottesdienst zu Fronleichnam am 22. Juni 2025 in der Kathedrale La Seu von Palma de Mallorca (Spanien).
Foto / Quelle: Nicola Trenz/KNA

So anders ist Fronleichnam auf Mallorca

Wer nach Mallorca fährt, will Strand, Natur oder Ballermann. Im Frühsommer auch ein Erlebnis: das spanische Fronleichnamsfest.

Palma de Mallorca

Ein Sonntagnachmittag im Frühsommer, Palma de Mallorca. An den Tischen vor den Bars in der Altstadt sitzen Menschen mit Paella und Weißwein, jemand fotografiert die Kathedrale, ein Kind sucht einen Kühlschrankmagneten im Souvenirshop aus. Auf einmal ertönt Blasmusik um die Ecke und Menschen mit traditionellen Pferdekostümen tauchen auf. Vor dem Rathaus bilden Blüten und Blätter einen großen Blumenteppich. Es ist Fronleichnam – in Spanien Corpus Christi genannt.

Viele Deutsche denken bei Fronleichnam an den Feiertag, an dem manche Bundesländer Schulen und Geschäfte schließen – und andere nicht. Was dahintersteckt, ist immer weniger geläufig.

Menschen mit traditionellen Pferdekostümen laufen über den Blütenteppich bei der Fronleichnamsprozession am 22. Juni 2025 in den Straßen von Palma de Mallorca (Spanien).
Foto / Quelle: Nicola Trenz/KNA

Der Name leitet sich aus dem Mittelhochdeutschen ab und bedeutet: Leib des Herrn. Die katholische Kirche feiert an diesem Tag, dass Christus in Brot und Wein leibhaftig unter den Menschen ist. Sichtbares Zeichen dafür ist eine geweihte Hostie, die in einem verzierten Gefäß, der Monstranz, feierlich durch die Straßen getragen wird. Die Gläubigen folgen in einer Prozession.

Das Fest wird in Deutschland seit dem 13. Jahrhundert am zweiten Donnerstag nach Pfingsten begangen. Auf Mallorca verschiebt man die kirchliche Feier auf den Sonntag. Ein gesetzlicher Feiertag ist Fronleichnam auf der Urlaubsinsel nicht.

Abendsonne und Meeresglitzern

In Palma ist Mittelpunkt des Festes die Kathedrale La Seu. Die Feierlichkeiten starten dort mit einem Gottesdienst in katalanischer Sprache. Am Ende gibt ein Priester eine Hostie in die goldene Monstranz. Das große Portal der Kathedrale öffnet sich, die Abendsonne kommt hinein, die Gläubigen gehen hinaus.

Die Prozession verläuft seitlich der Kathedrale, Blick auf das Meer, Segelboote und Palmen an der Promenade, und schlängelt sich durch die Gassen von Palma. Voran reiten Männer in historischen Uniformen auf Pferden, eine historisch gekleidete Trommlergruppe gibt den Takt vor.

Was dann folgt, ist typisch für Mallorca: Männer und Frauen stecken in einer Art Pferdepuppe. Den ganzen Weg tanzen sie in rhythmischen Sprüngen zu Musik von Flöten, Handtrommeln und einer Art Dudelsack. Ball de Bot heißt der auf den Balearen bekannte Volkstanz, typisch für Palma sind besonders die Pferde-Figuren.

Es folgen Männer, Frauen und Kinder in mallorquinischer Tracht: Die Männer tragen weite Bundhosen, die Frauen große Röcke, die Haare streng gescheitelt zurück und Spitzenkopftücher darüber. In den Händen halten die meisten Fächer und Rosenkranz. Sie erinnern damit an ihre Vorfahren, Bauern vergangener Jahrhunderte.

Musikgruppe mit Standarten bei der Fronleichnamsprozession am 22. Juni 2025 in den Straßen von Palma de Mallorca (Spanien).
Foto / Quelle: Nicola Trenz/KNA

Einer weiteren traditionellen Musikgruppe folgt ein von vier Männern getragenes Kreuz in einer großen, runden Umrahmung; überall dekoriert mit Wachsblumen. Es soll erinnern an das bunte große Fenster in der Mitte der Kathedrale – eine der größten gotischen Rosetten der Welt. „Es repräsentiert die Kathedrale hier draußen in den Straßen“, erklärt Tomeu Mercadal de Villalonga.

Überall säumen Menschen den Prozessionsweg. Vor dem Rathaus laufen nun Männer und Frauen in Dreiergruppen über den Blumenteppich. Jede trägt eine samtene Standarte mit aufwendiger Stickerei, die meisten haben eine Art Medaille umhängen. Es sind Vertreter der rund 30 katholischen Bruderschaften von Palma, der sogenannten Confrarias. Sie prägen das kirchliche Leben in Palma das ganze Jahr über.

Blütenregen

Kommunionkinder, Mädchen und Jungen in weißen Kleidern und Anzügen, streuen Blütenblätter. Tomeu ist 21 Jahre alt, auf Mallorca aufgewachsen und seit Kindheitstagen an Fronleichnam dabei. Er ist Mitglied einer Confraria, begeht das Fest aber lieber ohne eine offizielle Rolle in der Prozession, um sich mehr auf den religiösen Kern des Tages konzentrieren zu können. „Das Heilige Sakrament kommt raus in die Straßen zu den Menschen“, betont er. Er habe Sorge, dass vor lauter Folklore derjenige, der wirklich im Zentrum stehe, zu kurz komme.

Auf die Kommunionkinder folgen viele Messdienerinnen und Messdiener und Priester. Schließlich wird ein goldener Wagen mit üppigem Blumenschmuck geschoben – darauf die goldene Monstranz mit dem Allerheiligsten. Aus allen Fenstern des Rathauses regnen Rosenblättern herab, auch von Balkonen werfen Menschen Blüten.

Die Zuschauenden schließen sich nun der Prozession zurück zur Kathedrale an – oder sie kommen miteinander ins Gespräch. Die Paella allzu neugieriger Beobachter dürfte inzwischen kalt geworden sein.

KNA
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