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08.06.2026
Papst Leo XIV. bei einer Begegnung mit Abgeordneten des spanischen Parlaments (Congreso de los Diputados), am 8. Juni 2026 im Abgeordnetenhaus Palacio de las Cortes in Madrid (Spanien).
Foto / Quelle: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

Papst vor Spaniens Parlament: Gesetze müssen Menschenwürde achten

Noch nie hat ein Papst vor dem spanischen Parlament gesprochen. Die Rede vor den Cortes in Madrid war der politische Höhepunkt der Spanienreise von Papst Leo XIV. Er nutzte sie für grundsätzliche Ansagen.

Madrid

Papst Leo XIV. hat vor dem spanischen Parlament die umfassende Achtung der Menschenwürde gefordert. In einer historischen Rede am Montag ging er insbesondere auf das Lebensrecht der Ungeborenen und die Lage der Migranten ein. Ferner rief er zu einem zivilisierten Dialog zwischen den politischen Lagern auf und wandte sich gegen Aufrüstung in Europa.

Die erste Rede eines Papstes vor dem spanischen Parlament hörten Mitglieder beider Kammern der Cortes. Einige linke sowie baskische Abgeordnete hatten einen Boykott angekündigt. Die Abgeordneten aller Fraktionen quittierten die vollständig in der Landessprache gehaltene Rede mit minutenlangem, stehenden Applaus.

Papst betont Frage nach dem Menschenbild

In seiner Rede knüpfte der Papst an die juristische Tradition Spaniens an. Er erklärte, jede Gesetzgebung stehe vor der Frage, welches Menschenbild hinter den Gesetzen stehe und welche Art von Gesellschaft durch sie entstehe.

Die Rede von Benedikt XVI. vor dem Deutschen Bundestag von 2011 zitierend, betonte Leo XIV.: „Jede wahrhaft gerechte Gesellschaft gründet auf der Anerkennung der unantastbaren Würde des Menschen.“ Diese Würde gehe jeder Zuerkennung vonseiten des Staates voraus und dürfe nicht wechselhaften gesellschaftlichen Konsensen oder Mehrheitsmeinungen untergeordnet werden. Sie stehe jedem Menschen allein aufgrund seiner Existenz zu und müsse jede Rechtsordnung prägen.

Schutz des Lebens als zentraler Wert

Zum Lebensschutz bemerkte der Papst: „Kann eine Gemeinschaft, die das ungeborene Kind, den alten Menschen, den Kranken, den still Leidenden oder denjenigen, der ganz auf die Fürsorge anderer angewiesen ist, ausblendet, als wirklich gerecht bezeichnet werden?“ Die Verteidigung des menschlichen Lebens sei weder eine parteipolitische noch eine konfessionelle Angelegenheit: Sie sei ein zivilisatorisches Ziel.

Zu dem in Spanien sehr präsenten Thema Migration erklärte Leo XIV., kein Land könne diese Herausforderung allein bewältigen. Daher sei eine „koordinierte, solidarische und wirksame Reaktion unerlässlich, die den Migranten Schutz, Aufnahme und echte Integrationschancen gewährleisten kann“.

Gegen Aufrüstung in Europa

Zur globalen Lage bemerkte der Papst: „Die Welt befindet sich in einer tiefen geistigen und kulturellen Krise, die sich in Gewalt, Polarisierung und gegenseitigem Misstrauen äußert.“ Es sei besorgniserregend, dass sich auch in Europa „die Aufrüstung erneut als fast unvermeidliche Antwort auf die Instabilität der internationalen Lage darstellt“. Wahre Sicherheit entspringe aber der Gerechtigkeit, dem Dialog und der Achtung des Völkerrechts.

Ähnliches gelte auch innerhalb der Gesellschaften. Politische Vielfalt dürfe nicht in die Abwertung des Gegners ausarten. Wörtlich sagte der Papst: „Bestimmtheit erfordert keine Verachtung; Meinungsverschiedenheit muss nicht mit Demütigung einhergehen.“

Zudem sei die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit ein Grundrecht, das den intimsten Bereich des Menschen schützt. Die Freiheit, auf der moderne Staaten aufgebaut seien, erkenne die religiöse Dimension des Menschen an, achte sie und schütze sie rechtlich. Dazu gehöre, so der Papst mit Nachdruck, auch das Beichtgeheimnis.

KNA
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