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30.04.2026
Frauen wären nur dann bereit, mehr Kinder zu bekommen, wenn dies nicht mehr mit enormen Einkommensverlusten verbunden wäre, sagt die Soziologin Jutta Allmendinger.
Foto / Quelle: Symbolbild: Julia Steinbrecht/KNA

Kinder fördern statt Ehe

2025 wurden in Deutschland so wenige Kinder geboren wie seit 1946 nicht. Dafür gibt es verschiedene Gründe, sagt eine Expertin.

Mainz

Als Mittel gegen immer niedrigere Geburtenraten fordert die Soziologin Jutta Allmendinger mehr staatliche Förderung für Kinder und weniger für die Ehe. Leistungen wie Ehegattensplitting oder die kostenlose Mitversicherung sollten langsam austrudeln, sagte sie am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin – „und dass wir die Gelder, die wir in die Belohnung der Ehe stecken, viel mehr in die Belohnung von Kindern stecken“.

Frauen wären nur dann bereit, mehr Kinder zu bekommen, wenn dies nicht mehr mit enormen Einkommensverlusten verbunden wäre, fügte sie hinzu: „Mit einem Kind reduziere ich mein Einkommen im Vergleich zu Frauen ohne Kinder um fast 40 Prozent, mit zwei Kindern um die Hälfte, mit drei Kindern sind es 64 Prozent.“

Wie machen es andere Länder?

Der Blick auf andere Länder zeige, dass nur eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu höheren Geburtenraten führe, ergänzte Allmendinger. In Staaten mit stark traditionellen Rollenbildern dagegen seien die Geburtenraten besonders niedrig.

2025 sind in Deutschland insgesamt 654.300 Kinder zur Welt gekommen – so wenige wie noch nie seit 1946. Die Zahl der Sterbefälle (rund 1,01 Millionen) überstieg zudem die Zahl der Geburten um 352.000 – das größte Geburtendefizit der Nachkriegszeit.

Angesichts dieser Zahlen werde die Bevölkerung in Deutschland weiter schrumpfen, so die Wissenschaftlerin weiter. Migration könne diesen Trend kaum ausgleichen: „Dieser Mythos, dass Migranten oder Personen mit Migrationsgeschichte da so viel ändern, ist falsch. Sie haben mittlerweile eigentlich kaum noch einen Unterschied.“

Wirtschaftliche Nachteile für Frauen

Allmendinger nannte als weitere Gründe für den Rückgang der Geburten in Deutschland, dass es weniger Frauen im gebärfähigen Alter gebe und dass Frauen inzwischen im Schnitt erst mit über 30 das erste Kind bekämen: „Das heißt, die Spanne, in der Frauen noch Kinder bekommen können, ist relativ kurz.“

Der wichtigste Grund aber seien die wirtschaftlichen Nachteile für Frauen mit Kindern. Daher könnten nur stärkere Anreize für eine gleichmäßigere Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit zwischen Frauen und Männern für eine höhere Geburtenrate sorgen.

KNA

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