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14.06.2026
Der US-amerikanische Präsident Donald Trump spricht beim March for Life, dem Marsch für das Leben, am 24. Januar 2020 in Washington (USA).
Foto / Quelle: Tyler Orsburn/CNS photo/KNA

Der konfessionslose Christ und seine Jünger

Trumps Verhältnis zu Religion und Glaube bleibt eine Black Box. Sein politisches Umfeld gibt sich christlich.

Washington

Unlängst erst gaben sich die christlichen Patrioten in den USA ein Stelldichein: beim Gebetstreffen „Rededicate 250“ (250 umwidmen). Das mehrstündige Event im Rahmen der Feiern zum 250-jährigen Bestehen der Vereinigten Staaten versammelte – neben evangelikalen Predigern, zwei katholischen Bischöfen, einem jüdischen Rabbiner und vielen Musikern – die engste Entourage von US-Präsident Donald Trump. Verteidigungsminister und „Gotteskrieger“ Pete Hegseth, Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance steuerten Videobotschaften bei, in denen sie zur Rückbesinnung auf christliche Werte mahnten.

Gegen Ende der Veranstaltung erschien auch Trump höchstselbst den Teilnehmern auf der Leinwand. Er trug eine Bibelstelle aus dem Alten Testament vor. Darin ermahnt Gott Israels König Salomon zur Treue gegenüber seinen Gesetzen. Andernfalls werde er die Israeliten aus dem Land vertreiben, das er ihnen gegeben habe. Kritiker warfen dem Präsidenten daraufhin Blasphemie vor. Kurz zuvor hatte sich Trump auf einem von KI generierten Bild als Messias inszeniert.

Grenzen verschwimmen

Tatsache ist, dass unter dem Präsidenten und seiner aktuellen Regierung die Grenzen zwischen Staat und Religion immer weiter verschwimmen. Wie aber Trump, der heute 80 Jahre alt wird, es selbst mit dem Glauben hält, bleibt unklar.

Kindheit und Jugend prägten die Besuche von Gottesdiensten des presbyterianischen Pastors Norman Vincent Peale (1898-1993). Peale nannte seine Philosophie „die Kraft des positiven Denkens“, die er auch 1952 in seinem gleichnamigen Bestseller unters Volk brachte. Seine schlichten Botschaften waren eher im Diesseits verortet, als dass sie aufs Jenseits verwiesen. Mit Selbstvertrauen und positivem Denken, so lautete Peales Credo, lasse sich jedes Hindernis überwinden. „Ich weiß, dass ich mit Gottes Hilfe sogar Staubsauger verkaufen könnte.“

Diese Lektion deckte sich wohl mit den Erfahrungen des jungen Donald Trump. Seine Eltern, Bauunternehmer Fred und Mutter Mary Anne, trimmten ihn ebenso wie seine Geschwister gnadenlos auf Erfolg und Reichtum. Dem selbsterklärt konfessionslosen Christen blieb der Glaube an sich selbst die wichtigste Konstante – bis hin ins höchste Amt der USA: „Ich werde der größte Präsident sein, den Gott jemals geschaffen hat.“

Spannungsgeladenes Verhältnis: die Politik der USA und der christliche Glaube.
Foto / Quelle: Julia Steinbrecht/KNA

Seinen Besuch im Vatikan 2017 während seiner ersten Amtszeit (2017-2021) feierte Trump standesgemäß in den Sozialen Medien: „Eine Ehre fürs Leben, Seiner Heiligkeit Papst Franziskus zu begegnen. Ich verlasse den Vatikan mehr denn je entschlossen, nach Frieden in unserer Welt zu streben.“

In seiner zweiten Amtszeit (seit 2025) ist von alledem nicht mehr viel übrig geblieben. Im Gegenteil: Der Krieg im Iran legte grundsätzliche Differenzen zwischen Trump und dem Nachfolger von Franziskus frei. Der aus den USA stammende Papst Leo XIV. mahnte zu Frieden – und Trump verhöhnte seinen Landsmann dafür.

Zuhause stürzte der Präsident schon in seiner ersten Amtszeit Katholiken, Protestanten und Evangelikale ein ums andere Mal in Gewissensnöte. Wie umgehen mit einem Mann, der in vielem das Gegenteil der christlichen Botschaft zu verkörpern schien – aber andererseits etwa den Supreme Court, das oberste US-Gericht, mit konservativen Juristen besetzte oder gegen eine Liberalisierung der Abtreibungsgesetze zu Felde zog?

Religion wird zum Selbstbedienungsladen

Diese Konflikte schwelen weiter – während Trump und seine Getreuen zunehmend versuchen, Religion als Waffe im Kampf um die Macht zu nutzen – auch in der Auseinandersetzung mit dem Iran. „Präsident Trump wurde von Jesus gesalbt, um das Signalfeuer im Iran zu entzünden, um Armageddon auszulösen und seine Rückkehr auf die Erde zu markieren“, verkündete etwa Kriegsminister Hegseth.

Trump selbst wird das alles im Zweifel danach beurteilen, was dabei für ihn in seinem irdischen Dasein herausspringt. Zu seiner zweiten Amtseinführung brachte er eine Sonderauflage der „God Bless The USA Bible“ zum Preis von 69,99 US-Dollar heraus. Ein von ihm signiertes Standardexemplar schlug mit satten 1.000 Dollar zu Buche. „Sollte sich Trump tatsächlich für etwas außer seiner eigenen Berühmtheit und seinen Reichtum interessieren, fällt es schwer, dafür Belege zu finden“, urteilte schon vor Jahren Biograf Michael D’Antonio.

KNA
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