Große Sorge um Kirchenprojekte in Ostdeutschland
Können kirchliche Projekte in Ostdeutschland künftig weniger gut gefördert werden? Das Bonifatiuswerk zeigt sich besorgt.
Besorgt über die politische Lage in Ostdeutschland hat sich der Präsident des Bonifatiuswerkes, Manfred Müller, geäußert. Falls nach den Wahlen im Herbst dort die Finanzhähne komplett abgedreht würden, gefährde dies auch kirchliche Projekte und die Möglichkeit, diese zu fördern, warnte Müller am Mittwoch in Osnabrück bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2025. Er selbst habe kürzlich Projekte des Werks in Magdeburg besucht. Ein Regierungswechsel dort hätte eventuell sogar „Folgen wie zu DDR-Zeiten und würde große Probleme verursachen“.
Insgesamt befinde sich das Bonifatiuswerk aber in einem guten, soliden Zustand, so Müller. Das Vertrauen der Spender bleibe hoch. Neben der finanziellen Förderung von Bau- und Seelsorgeprojekten sei es vor allem ein Anliegen, Menschen für den Glauben zu begeistern. Das sei nicht einfach, so Georg Austen, Generalsekretär des Werkes. Wer über Glauben sprechen wolle, komme sich in der zunehmend säkularisierten Gesellschaft vor, „wie jemand, der Leuten einen Skikurs gibt, die keinen Schnee kennen“.
Knapp 1.000 Projekte gefördert
Insgesamt hat das Bonifatiuswerk den Angaben zufolge im vergangenen Jahr Christen in der deutschen, nordeuropäischen und baltischen Diaspora mit 11,7 Millionen Euro unterstützt. Damit habe sich die Fördersumme im Vergleich zum Vorjahr um rund 1,3 Millionen Euro (13,2 Prozent) erhöht, so Geschäftsführer Ingo Imenkämper. Mit dem Geld wurden 989 Projekte in Regionen gefördert, in denen Katholiken eine Minderheit sind: 890 in Deutschland, 70 in Skandinavien und 27 im Baltikum.
Besorgt zeigte sich das Werk über einen Rückgang an freien, nicht zweckgebundenen Spenden. Die gingen seit 2024 von 2,15 Millionen um neun Prozent auf 1,94 Millionen Euro zurück. Gestiegen seien allerdings die Einnahmen aus Kollekten und Erbschaften, um 5,3 und 3,1 Prozent. Die Gesamteinnahmen des Werkes erhöhten sich von 14,1 Millionen Euro im Jahr 2024 auf zuletzt 15,1 Millionen.
"Wo werden neue Dinge angegangen?"
Angesichts verbreiteter Rückgänge in den Kirchen und allgemeiner Krisenstimmung, wolle das Bonifatiuswerk vor allem neue Initiativen unterstützen, so Generalsekretär Austen. „Eine unserer Leitfragen lautet: Wo werden neue Dinge angegangen?“
Osnabrücks Bischof Dominicus Meier betonte die Bedeutung innovativer Projekte und Unterstützung in seinem Bistum, in dem Katholiken zwar zunehmend zur Minderheit würden, gleichzeitig aber auch internationaler. Als ein bundesweit wahrgenommenes Beispiel innovativer Angebote nannte Martina Kreidler-Koos, Leiterin des Seelsorgeamtes im Bistum, einen Tattoo-Gottesdienst 2024 in der Osnabrücker Kirche Sankt Johann.