Forscher bestätigen Missbrauchsvorwürfe gegen Kardinal Hengsbach
Dem früheren Essener Bischof und Kardinal Franz Hengsbach wird in insgesamt 12 Fällen Missbrauch vorgeworfen. Wissenschaftler haben die schweren Anschuldigungen untersucht – und nun erste Erkenntnisse vorgelegt.
Ein erster Untersuchungsbericht erhärtet einige der Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Essener Bischof und Kardinal Franz Hengsbach (1910-1991). Mindestens drei Vorwürfe seien gut belegt und plausibel, erklärten Forschende am Donnerstag.
Dabei gehe es um sexualisierte Gewalt durch Hengsbach gegen Mädchen im Alter von 13 und 16 Jahren. Schlüssig sei außerdem mindestens ein Fall eines sexualisierten Übergriffs gegen einen minderjährigen Jungen. Die Forschenden zählten insgesamt 12 Vorwürfe gegen den Kardinal zwischen den 1950er und 1980er Jahren.
Bistümer machten Vorwürfe öffentlich
Im September 2023 hatten das Bistum Essen und das Erzbistum Paderborn Missbrauchsvorwürfe gegen Hengsbach öffentlich gemacht und Betroffene aufgerufen, sich zu melden. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck bat damals um Entschuldigung für seinen Umgang mit einem ihm bekannten Vorwurf und räumte Fehler ein.
Hengsbach war Weihbischof im Erzbistum Paderborn und ab 1958 der erste Bischof des damals neugegründeten Bistums Essen. Er leitete es bis zu seinem Tod 1991. Bekannt war er bundesweit vor allem für seinen Einsatz für Arbeiter und Bergleute im Ruhrgebiet. Er vertrat zudem eine strenge Sexualmoral.
Forscher interviewten Betroffene
Seit Oktober 2024 beleuchten Historiker und Sozialwissenschaftler verschiedener Forschungseinrichtungen Missbrauchshinweise gegen Hengsbach. Für ihren nun vorgelegten Zwischenbericht werteten sie Archive und Kirchenakten aus. Sie sprachen zudem mit Zeitzeugen, Kirchenverantwortlichen und Betroffenen. Beteiligt waren das Münchner Institut IPP, die Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und das Berliner Institut Dissens. Der Abschlussbericht soll 2028 veröffentlicht werden.