Missbrauch - Forscher legen erste Befunde zu Kardinal Hengsbach vor
Der frühere Essener Kardinal Franz Hengsbach galt lange als prägender Kirchenmann im Ruhrgebiet. Gegen ihn gibt es Missbrauchsvorwürfe. Nun stellen Forschende erste Erkenntnisse vor.
Forschende stellen an diesem Donnerstag erste Ergebnisse ihrer Untersuchung zu Missbrauchsvorwürfen gegen den gestorbenen Kardinal Franz Hengsbach (1910-1991) vor. Der Gründungsbischof des Bistums Essen soll unter anderem in den 1950er-Jahren eine 16-Jährige mehrfach sexuell misshandelt haben. Es liegen weitere Hinweise gegen den katholischen Kirchenmann vor, der noch lange nach seinem Tod hohe Anerkennung genoss.
Hengsbach war ab 1958 der erste Bischof des damals neu gegründeten Bistums Essen. Er leitete es bis zu seinem Tod 1991. Bekannt war der Kardinal vor allem wegen seines Einsatzes für Arbeiter und Bergleute im Ruhrgebiet.
Vorwürfe gegen Hengsbach selbst
Eine im Februar 2023 veröffentlichte Aufarbeitungsstudie zeigt, dass Hengsbach unzureichend mit Missbrauchsvorwürfen gegen Priester in seinem Bistum umgegangen sein soll. Einige Monate später veröffentlichten das Ruhrbistum und das Erzbistum Paderborn Missbrauchsvorwürfe gegen Hengsbach selbst. Sie betreffen sowohl seine Zeit als Weihbischof im Erzbistum Paderborn als auch seine spätere Bischofszeit in Essen.
Drei sozialwissenschaftliche und historische Forschungseinrichtungen beschäftigen sich umfassend mit dem Fall. In ihrer Studie untersuchen sie auch, wie die beiden Diözesen mit den Anschuldigungen umgingen. Am Ende ihrer Arbeit soll unter anderem eine neue Biografie des Kardinals stehen.
Auch andere frühere Bischöfe beschuldigt
Hengsbach ist nicht der einzige ehemalige deutsche Bischof, gegen den Missbrauchsvorwürfe erhoben wurden. So wurde 2015 und 2018 der frühere Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen (1907-1988) von mutmaßlichen Betroffenen beschuldigt. Gutachter konnten die Vorwürfe bislang weder entkräften noch bestätigen.