Europa bleibt trotz Klimakrise sicheres Reiseziel
Europa erwärmt sich schneller als alle anderen Kontinente. Das wirkt sich auch auf die anstehende Urlaubssaison aus.
Tropische Krankheitserreger und Hitzewellen: Reisende in Deutschland und Europa müssen sich laut der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin auf neue Gesundheitsrisiken einstellen. Mit der richtigen Vorbereitung blieben Urlaube hierzulande „sehr sicher“, sagt der Tropenmediziner und Präsident der Fachgesellschaft, Tomas Jelinek.
In europäischen Metropolen ist laut Prognosen häufiger mit extremer Hitze zu rechnen. Durch dichte Bebauung, versiegelte Flächen und wenig Vegetation komme es zum sogenannten Hitzeinseleffekt: Die Städte heizen stark auf und kühlen nachts wenig herunter. Besonders stark könnten künftig unter anderen Madrid, Rom, Athen oder Zürich betroffen sein.
Belastend und teils gesundheitsgefährdend ist Hitze laut Fachgesellschaft vor allem für ältere Menschen sowie Betroffene von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Diabetes, neurologischen Erkrankungen oder eingeschränkter Nierenfunktion. Auch Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder benötigten besonderen Schutz. „Für Risikogruppen kann es sinnvoll sein, Reisezeit und Reiseziel anzupassen, also beliebte Städtereisen außerhalb der Hochsommermonate zu legen“, so Jelinek.
Mücken am Mittelmeer, Vibrionen an der Ostsee
Chikungunya-, Dengue-, und West-Nil-Virusinfektionen galten lange als Gesundheitsrisiken der Tropen und Subtropen – inzwischen dringen sie auch in Europa vor, warnt Jelinek. Mückenschutz müsse „vor allem bei Mittelmeerreisen so selbstverständlich werden wie die Verwendung von Sonnencreme zur Vorbeugung von Hautkrebs“, betont Jelinek. Zudem sollten Reisende sich nach der Rückkehr weiter schützen – mindestens 14 Tage lang, wenn sie aus Regionen mit mückenübertragenen Infektionen kommen.
Derweil ist die Ostsee eines der sich am schnellsten erwärmenden Meere – ideal für die Verbreitung von Vibrionen: Diese Bakterien bevorzugen laut Angaben niedrigen Salzgehalt und vermehren sich bei Wassertemperaturen über 20 Grad Celsius stark. Ältere Menschen sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Erkrankungen rät der Experte, auf entsprechende Warnungen zu achten: Es drohten Wundinfektionen bis hin zu einer Sepsis. Für gesunde Menschen sei das Risiko in der Regel gering.
Dem Deutschen Alpenverein (DAV) zufolge weisen Touren, die üblicherweise im Sommer gemacht wurden, zunehmend nur noch im Frühjahr oder Herbst sichere Bedingungen auf. „Die Verhältnisse in großen Höhen werden insgesamt unberechenbarer“, sagt Jelinek. Dies erfordere eine sorgfältigere Tourenplanung und Risikoabschätzung; lokale Wetter- und Warninformationen sollten engmaschig verfolgt werden.