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20.04.2026
NRW-Landtagspräsident André Kuper rief dazu auf, sich für die Stärkung der Demokratie einzusetzen: „Die Menschen müssen wieder lernen, konstruktiv miteinander zu streiten und andere Meinungen auszuhalten.“
Foto / Quelle: Mario Polzer/Kolping

Die Erfahrung der Älteren und die Energie der Jüngeren

NRW-Landtagspräsident André Kuper beim Kolping-Diözesantag der älteren Generation in Borgentreich.

Borgentreich

Es war ein kleines Jubiläum: Zum 10. Diözesantag der älteren Generation trafen sich knapp 150 Teilnehmende in der Schützenhalle in Borgentreich. Seit 2015 lädt der Kolping Diözesanverband Paderborn – unterbrochen von zwei Jahren Corona-Pause – alljährlich im April dazu ein. „Europa und unsere Verantwortung für die Demokratie“ war das Thema dieses Tages. NRW-Landtagspräsident André Kuper spannte dazu in seinem Vortrag einen Bogen vom Wirken Adolph Kolpings bis zu den Herausforderungen der heutigen Zeit. Daneben bot der Tag den Teilnehmenden auch Zeit und Gelegenheit für Gespräche.

Kolpings Ideen sind noch aktuell

Menschen übernehmen miteinander Verantwortung für die Gesellschaft – diese Idee des Priesters und Sozialreformers Adolph Kolping sei heute noch so aktuell wie Mitte des 19. Jahrhunderts, betonte André Kuper. Eine scheinbar nicht endende Folge von Krisen setze seit der Corona-Pandemie den Rahmen für das gesellschaftliche Zusammenleben: Den Krieg in der Ukraine, den Überfall der Hamas auf Israel im Oktober 2023, die politische Lage in Russland und in den USA und sich verschiebende globale Allianzen nannte der Landtagspräsident als Beispiele.

Die Folgen ließen sich im aktuellen Demokratiebericht für Nordrhein-Westfalen ablesen, den die NRW School of Governance und die Landeszentrale für politische Bildung ganz aktuell Ende März vorgelegt haben. „Unsere Demokratie ist einem akuten Stresstest ausgesetzt“, so fasst es André Kuper zusammen. In Zahlen: Die Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie ist im Vergleich zu 2023 weiter stark zurückgegangen. Das betrifft vor allem die mittlere Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen mit einem Minus von 18 Prozentpunkten und noch stärker die jüngste Altersgruppe der 14- bis 18-Jährigen mit einem Minus von sogar 30 Prozentpunkten.

„Wir brauchen eine Allianz für Demokratie“

Deshalb gelte es, zur Stärkung der Demokratie die Erfahrung der Älteren mit der Energie der Jüngeren zusammenzubringen: „Wir brauchen eine Allianz für Demokratie über die Generationen hinweg. Das aktive Ermutigen ist eindeutig die Aufgabe der Älteren“, ist der Landtagspräsident überzeugt. „Die Menschen müssen wieder lernen, konstruktiv miteinander zu streiten und andere Meinungen auszuhalten. Die Orte dafür gehen aber verloren, besonders im ländlichen Raum.“

So zum Beispiel Jugendtreffs, Kneipen oder der Kirchhof nach dem Gottesdienst. Deshalb komme Sozialverbänden wie Kolping eine besondere Rolle zu. „Zuhören, erklären, Menschen mitnehmen und handeln, wie Adolph Kolping es getan hat – das kann Kolping heute zur Stärkung der Demokratie tun. Jede Demokratie ist umso stärker, je mehr Menschen sich in ihrem Namen engagieren.“ Kolping Paderborn tut das unter anderem mit Angeboten der politischen Bildung, aber auch durch seine demokratischen Strukturen, bei denen alle mitgestalten können.

„Demokratie beginnt vor der Haustür“

Demokratie finde nicht nur in Parlamenten statt, betont André Kuper. Sie beginne „vor der Haustür“. Genau dort könne sich Kolping engagieren. Themen offen ansprechen, Beteiligung ermöglichen, Konsens finden, darum gehe es im Kleinen wie im Großen. Nach seinem Vortrag trug sich André Kuper in das Goldene Buch der Stadt Borgentreich ein – mit dem Satz: „Eine Demokratie braucht Demokratinnen und Demokraten“.

Konrad Bröckling, der für den Fachausschuss Generationen von Kolping Paderborn für die Organisation verantwortlich war, blickte kurz auf die Geschichte des Tages der älteren Generation zurück. Seit 2015 wandert die Veranstaltung durch das Gebiet des Diözesanverbandes Paderborn. Dabei ging es um aktuelle und kontroverse Themen, unter anderem Altersarmut und Rente oder die Zukunft der Kirche, aber auch um unterhaltsame, wie 2022 die Geschichte des Fußballvereins Borussia Dortmund. „Wir Älteren wollen uns einmischen in politische, gesellschaftliche und kirchliche Fragen“, hob Konrad Bröckling hervor.

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