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05.06.2026
Naturschutz im Blick: Das Jugendhaus Hardehausen begibt sich auf den Weg in eine ökologischere Zukunft.
Foto / Quelle: Patrick Kleibold

Auf dem richtigen Weg: mit Luft nach oben

Klimaschutz: An Orten wie dem ehemaligen Kloster Hardehausen wird sichtbar, was möglich und bereits umgesetzt ist.

Von Patrick Kleibold und Wolfgang Maas
Warburg

Unter den altehrwürdigen Gebäuden des ehemaligen Klosters Hardehausen scheint der Neubau etwas deplatziert. Das Aussehen wirkt metallern, das Dach läuft spitz zu – und im Inneren riecht es nach Wald. Ein Gefühl macht sich breit, als wäre man kurz nach einem Sommerregen in der Natur unterwegs. Und das kommt nicht von ungefähr, denn in dem modernen Gebäude lagert der Brennstoff für die ganze Anlage: Holzhackschnitzel. Aufgetürmt zu einem – noch – hohen Berg wirken sie wie sehr grober Rindenmulch für den Vorgarten.

„Das Holz darf nicht zu feucht sein. Sensoren überwachen das ständig“, erklärt Ralf Graziani. Der gelernte Heizungsbauer ist Herr über die Anlage, die das Klima schützen soll. Mit Holz? Setzt das nicht auch schädliches CO2 frei, wenn man es verbrennt? Das stimme zwar, doch Ralf Graziani hält mit einer eindrucksvollen Zahl dagegen. Denn bevor die Anlage im Jahr 2022 in Betrieb ging, wurde konventionell mit Öl geheizt. Stolze 300 000 Liter seien das im Durchschnitt pro Jahr gewesen.

Brennstoff Holz kommt aus der Region

Was das heute, angesichts des Krieges im Iran und der gesperrten Straße von Hormus kosten würde, will sich der Techniker gar nicht vorstellen. Muss er auch nicht, denn der Nachschub mit Holz ist gesichert. Ein Lieferant in der Nachbarschaft stellt die Versorgung mit Holz aus der Region sicher. Einfluss darauf, welche Holzarten geliefert werden, hat der Kunde allerdings nicht. Deshalb sei es wichtig, so genau auf die Feuchtigkeit zu achten. Denn die unterscheide sich von Art zu Art.

Der Verbrauch wird in sogenannten Schüttraum­metern gemessen. Wenn das Lager bis oben gefüllt ist, reiche dies eine Woche lang aus – je nach Jahreszeit und Temperaturen. Das entspreche der Ladung von rund 50 Lastwagen in einem Jahr.

Der Gärtner Heinrich Lammers ist zuständig für den pädagogischen Bauernhof.
Foto / Quelle: Patrick Kleibold

Doch die Anlage kann nicht nur Holz verbrennen, sondern auch aus dem natürlichen Rohstoff Gas gewinnen. Pyrolyse nennt sich das Verfahren, bei dem durch Hitze aus Holz Kohle und schließlich Gas entsteht. Damit werde der Motor der Anlage betrieben. Doch neu ist das Verfahren in keiner Weise. „Nach dem Krieg, als Benzin knapp war, hat man Gas aus Holz gewonnen“, erklärt Graziani. Damals aus der Not heraus, heute ganz bewusst im Zeichen des Umweltschutzes.

Insgesamt ist die Anlage so ausgelegt, dass wenig verschwendet wird. Ein Beispiel: Bei dem Verfahren entsteht Abwärme, die nicht in die Umwelt gelangt. Sogenannte Pufferspeicher, die bis fast unter das Dach reichen, nehmen die Wärme auf und speichern sie, bis sie gebraucht wird. Umweltfreundlich sei die gesamte Anlage zudem, weil man nicht nur auf eine ­Energiequelle setze. Auf dem Dach sind über 300 ­Solarpanels, die 525 ­Quadratmeter an Fläche bedecken und ebenfalls Energie liefern, montiert. Gut 65 Prozent des ­Energiebedarfs der Anlage deckt diese Technik ab.

Und die Abgase werden zusätzlich elektrisch ­gereinigt. Dabei werden sie durch ein unter Strom gesetztes Gitternetz geleitet. Das Ergebnis kann man mit ­eigenen Augen sehen: feiner grauer Staub. „Feinstaub ist keine Erfindung der Politik, den gibt es wirklich“, betont Ralf Graziani. Der Beweis liegt in einer unscheinbaren schwarzen Kiste. Doch dieser Staub gelangt nicht in die Luft, sondern wird – wie alle anderen Rückstände der Anlage auch – von einem Fachbetrieb entsorgt.

Klimaschutz ist dem Heizungsbauer Ralf Graziani ein wichtiges Anliegen.
Foto / Quelle: Patrick Kleibold

Seit dem Jahr 2022 läuft die Anlage bereits, ohne dass größere Störungen auftreten. Der Anfang sei etwas holprig gewesen, weil letztlich die praktische ­Erfahrung fehlte. Doch inzwischen kennen Ralf ­Graziani und sein Team jedes Teil und auch jedes Geräusch. So hören sie etwa, wenn in den Schnecken, die die Holzschnitzel transportieren, ein Fremdkörper oder ein zu großes Teil steckt. Und sollte es haken, bekommen sie Nachrichten auf ihre Smartphones.

Die Modernisierung hat eine Vorgeschichte. Seit 2019 wurde für Hardehausen ein integriertes energetisches Quartierskonzept erarbeitet. „Die mit dem Bau der Heizzentrale verbundene Ressourcenschonung entspricht den Leitlinien des Zukunftsbildes für das Erzbistum Paderborn sowie der Empfehlung ‚Schöpfungsverantwortung als kirchlicher Auftrag‘, die die Deutsche Bischofskonferenz herausgegeben hat“, heißt es zudem auf der Homepage des Jugendhauses Hardehausen.

Kinder in Kontakt mit der Natur bringen

An anderer Stelle denkt man klimaschonend. So hat sich das Erzbistum bereits am 1. Januar 2011 selbst verpflichtet, ausschließlich zertifizierten „Grünstrom“ zu beziehen. Rund zehn Jahre später nahm das Erzbistum die erste Ladesäule für Elektroautos auf dem kleinen Domplatz in Betrieb – es sollte nicht die einzige bleiben. Ebenfalls 2021 folgte ein weiteres Großprojekt. Die Sporthalle der „Schulen der Brede“ wurde auf energieeffiziente LED-­Leuchten umgerüstet, auch am Dortmunder Mallinckrodt-­Gymnasium gab es energetische Sanierungen.

Kinder und Jugendliche kümmern sich auf dem pädagogischen Bauernhof um eine Vielzahl von Tieren.
Foto / Quelle: Patrick Kleibold

Zurück in Hardehausen: Heinrich Lammers sitzt auf einer massiven Holzbank und genießt seine Mittagspause. Hinter ihm liegt der pädagogische Bauernhof, sein Arbeitsplatz. Den gibt es bereits seit 1991. „Die Idee war von Anfang an, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit der Natur in Kontakt zu bringen.“ Heute nutzen rund 30 Schulklassen die Möglichkeit, hier eine Woche lang ganz praktisch am Erhalt der Schöpfung mitzuwirken.

Das Konzept sei bewusst einfach gehalten. Die Klassen – von welcher Schulform sie kommen, ist egal – werden in vier feste Gruppen eingeteilt. Sie arbeiten abwechselnd in der Küche, im Stall und im Garten. Das vierte Modul gestalten die Lehrerinnen und Lehrer selbst mit dem, was der Hof und das Gelände zu bieten haben.

Klee ist eine entscheidende Pflanze

Kinder und Jugendliche können so nicht nur lernen, wo biologisch-angebaute Lebensmittel herkommen und wie man sie in der Küche schmackhaft zubereitet. Es ginge auch darum „Grenzen zu überschreiten“, so Lammers. Viele hätten zum Beispiel noch nie ein Huhn auf dem Arm gehabt – und sind dann stolz, was sie alles hinbekommen. So baue man auch Selbstvertrauen auf. Und was man heute aussät, das ernten später andere Schülerinnen und Schüler. Die Arbeit nützt also auch anderen.

Dem gelernten Gärtner ist bei allem, was bereits erreicht war, dennoch klar: „Wir sind ein kleiner Puzzle­stein in der Ökobilanz. Aber kein Betrieb ist CO2-­neutral.“ Denn auch ökologische landwirtschaftliche Betriebe setzen beispielsweise Diesel-­Traktoren für die Arbeit auf den Feldern ein. Und somit gibt es Abgase. „Da ist noch Luft nach oben“, sagt Lammers. Auf der anderen Seite verzichtet Hardehausen auf industriell hergestellten Dünger, nutzt stattdessen Kleegras. Das sei „eine ganz entscheidende Pflanze“, denn Klee sorgt dafür, dass Stickstoff aus der Luft in den Boden gelangt – als natürlicher Dünger. Und somit ist der Betrieb auch nicht betroffen von hohen Preisen, weil mit Dünger beladene Schiffe in der Straße von Hormus feststecken – der Krieg im Nahen Osten hat Auswirkungen auf viele Lebensbereiche. Auch Engpässe wie zu Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine, deren Produktion ausfiel, spielen keine Rolle mehr.

Letztlich ist sich das Team des pädagogischen Bauernhofes klar darüber, dass „wir hier nie fertig sein werden“, betont Heinrich Lammers. Doch man sei auf dem richtigen Weg in eine ökologischere Zukunft.

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