Zeit statt Bling-Bling
„Quiet Luxury“ ist gefragt: Exklusive Reisen setzen heute auf Privatsphäre, Zeit und maßgeschneiderte, erklärt ein Tourismus-Experte.
Luxus im Urlaub – das wünschen sich viele Menschen. Für manche bedeutet das: ein Luxushotel in Dubai, Sternerestaurants oder Privatinsel. Und bleibt doch ein Wunsch. Was suchen Menschen mit viel Geld in ihrem Urlaub? Tourismus-Experte Maximilian Remmeke hat die Antwort: Zeit, Individualität und Erlebnisse, die lange nachwirken. Das sei der neue Trend.
„Luxus bedeutet heute nicht mehr, möglichst viel Kaviar, Champagner und Gold in einen Urlaub zu packen, sondern die verfügbare Zeit so zu nutzen, dass ein Erlebnis entsteht, das nachhaltig beeindruckt“, sagt Remmeke, Sales Manager Germany bei Hapag-Lloyd Cruises und Dozent an der IST-Hochschule für Management.
Urlaub für die meisten unverzichtbar
Laut den aktuellen Zahlen der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) ist die Reiselust der Deutschen hoch und sie sind bereit, dafür Geld auszugeben. Nach der Reiseanalyse 2025 unternahmen mehr als 57 Millionen Menschen in Deutschland eine Urlaubsreise von mindestens fünf Tagen – so viele wie nie zuvor. Die Gesamtausgaben erreichten demnach mit knapp 92 Milliarden Euro ebenfalls einen Rekordwert.
Die wichtigsten Urlaubsmotive seien dabei konstant geblieben: Sonne und Wärme genießen, Abstand vom Alltag gewinnen, Kraft tanken sowie Spaß und Freude erleben. Auffällig sei allerdings ein Wandel gegenüber der Zeit vor der Corona-Pandemie: Laut der Analyse haben insbesondere Motive mit starkem Selbstbezug deutlich an Bedeutung gewonnen.
„Das Ich rückt immer stärker in den Fokus“, sagt auch Remmeke. Dazu gehörten die Trends zu Longevity, Wellness und Selbstoptimierung – selbst im Urlaub. Gerade Menschen, die beruflich stark eingespannt seien, fragten sich zunehmend, wie sie ihre knappe Freizeit möglichst sinnvoll nutzen könnten. Für Remmeke ist das kein egoistischer Luxus, sondern ein „gesunder Hedonismus“: Die freie Zeit werde bewusst so gestaltet, dass sie körperlich und psychisch guttut.
Wie darf man sich einen Luxusurlaub heute vorstellen? Nicht die Summe Geld, die man aufwende, sei entscheidend, sondern der reibungslose Reiseverlauf mache den Luxus aus, erklärt der Tourismus-Experte.
Eine private Villa statt eines überfüllten Hotels, ein persönlicher Koch, individuelle Ausflüge oder die Möglichkeit, den Aufenthalt spontan zu verlängern, das sei Luxus, meint Remmeke. Ebenso wichtig sei ein unsichtbares Netzwerk aus Service und Betreuung, das dafür sorgt, dass sich Gäste um nichts kümmern müssen.
Die Zahl der Hotelsterne sei längst kein verlässlicher Maßstab mehr. Ein kleines Boutiquehotel könne einen deutlich hochwertigeren Service bieten als manches Fünf-Sterne-Haus. Luxus, so Remmeke, beginne dort, wo Individualität und Qualität zusammenkommen – und wenn Momente entstehen, die persönlich berühren und genau den eigenen Interessen entsprechen.
Damit verändere sich auch der Blick auf klassische Statussymbole, erklärt der Experte. Zwar seien soziale Medien durchaus ein Anreiz, besondere Reisen öffentlich zu zeigen. Doch echter Luxus orientiere sich immer weniger an der Außenwirkung. Remmeke spricht von einem Trend zum „Quiet Luxury“, einem zurückhaltenden Luxus, bei dem nicht die Selbstdarstellung, sondern das eigene Erleben im Mittelpunkt steht.
Luxus für den kleinen Geldbeutel
Remmeke gibt einen kleinen Einblick in seine Arbeit, einen Luxusurlaub zu planen. Für den Geburtstag einer Kundin organisierte Remmeke einen privaten Wochenendtrip für die gesamte Familie: Anreise im Privatjet, Unterbringung in einer Luxussuite, eine exklusive Opernloge mit eigenem Rückzugsbereich, am nächsten Morgen eine private Führung durch ein Kunstmuseum – außerhalb der Öffnungszeiten.
Echter Luxus hat seinen Preis. Eine klassische Luxusreise für zwei Personen über eine Woche oder zehn Tage beginne heute nach Remmekes Einschätzung bei etwa 15.000 bis 20.000 Euro.
Dennoch hält er Luxus nicht für eine reine Geldfrage. Auch mit einem kleineren Budget ließen sich besondere Momente schaffen: Ein selbst organisiertes Picknick an einem außergewöhnlichen Ort, eine private Museumsführung oder bewusst freigehaltene Zeit ohne Termine könnten sich ebenso luxuriös anfühlen wie ein Aufenthalt in einer exklusiven Villa. Entscheidend sei, dass das Erlebnis zu den eigenen Vorstellungen passe. Remmeke: „Luxus ist immer individuell.“