Wozu sind Sie da, Herr Kros?
Wozu bist du da, Kirche von Paderborn? Eine zentrale Frage des Zukunftsbildes für das Erzbistum. Wozu bist du da? Diese Frage kann sich auch jeder Einzelne stellen.
Bezüglich meines Berufs lässt sich diese Frage auf den ersten Blick einfach beantworten, denn die Aufgabe ist klar umrissen: Ich bin Leiter des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Ostwestfalen-Lippe (CVUA-OWL) und somit mitverantwortlich für den gesundheitlichen Verbraucher-, Tier- und Umweltschutz in unserer Region. In unserem Institut in Detmold untersuchen rund 160 Beschäftigte Lebensmittel, Bedarfsgegenstände und Tabakerzeugnisse sowie Proben im Rahmen der Tiergesundheit und der Tierseuchenbekämpfung.
Ich wollte nie etwas anderes als Tierarzt werden. Das wusste ich schon mit vier Jahren. Ich habe in Hannover studiert und die Arbeiten zur Promotion in Göttingen absolviert. Danach arbeitete ich eine Zeit als Großtierpraktiker im schwäbischen Möttingen. Nach dem Referendariat bei der Bezirksregierung Detmold war ich als beamteter Tierarzt im Veterinäramt beim Kreis Lippe in der Tierseuchenbekämpfung und später als Leiter des Amtes tätig. Seit 2018 bin ich nun Vorstand des CVUA-OWL. Eine Aufgabe, die ich sehr gern erfülle.
Bei allen unseren Untersuchungen und Analysen spielen Genauigkeit und Verlässlichkeit eine zentrale Rolle. Die Ergebnisse bilden unter Umständen die Grundlage für Entscheidungen von großer ethischer Tragweite; etwa, wenn es darum geht, dass Tausende Tiere bei Seuchengefahr getötet werden müssen. Alle im Team sind sich dieser Verantwortung bewusst; unser Tun kann weitreichende Folgen haben. Es ist wie überall im Leben: Eines greift in das andere.
So wie bei der Arbeit betrachte ich mich auch sonst im Leben gern als Teil des Ganzen: Ich bin gern Mitglied einer Gruppe, die ein gemeinsames Ziel hat. Und in diesen Gruppen übernehme ich gern Verantwortung. Das galt für mich seinerzeit bei der KLJB genauso wie jetzt für mein politisches Engagement im Rat der Stadt Nieheim, in der SPD, in die ich bereits mit 18 Jahren eingetreten bin, oder für die Bürgerinitiative „Ruhe am Bilster Berg“, deren Vorsitzender ich bin. Wenn ich etwas wichtig finde, investiere ich Zeit – manchmal unter Umständen auch zu viel. Heute weiß ich, dass das oft auf Kosten meiner Familie ging.
Im Verlauf der Genesung nach einer dritten schweren Herz-OP habe ich mir wieder oft die Frage gestellt: „Was machst du da eigentlich?“ Ich konnte danach einiges, noch immer nicht genug, neu ordnen, in die richtige Balance bringen. Dabei habe ich die Kontemplation für mich entdeckt. Kontemplation heißt für mich, achtsam bei mir selbst zu sein, in der Gegenwart. Sie hilft mir, zufriedener im „Hier und Jetzt“ zu bleiben, statt mit der Vergangenheit zu hadern oder mich mit Zukunftsfragen zu belasten.
Als ich über die Eingangsfrage nachgedacht habe, ist mir ein Satz von Aurelius Augustinus ins Auge gefallen. Er hat gesagt: „Liebe – und tu, was du willst!“ Im anderen das Gute zu sehen, gerade wenn es schwierig wird – darin könnte der Schlüssel für ein besseres Miteinander liegen. Daran aktiv mitzuwirken, halte ich für meine Aufgabe, für die sich jeder Einsatz lohnt.
Vielleicht geht es in der Frage nach dem „Wozu“ also weniger um einen bestimmten Zweck als vielmehr um die Haltung, die ich einnehme – ganz gleich, welche Ziele ich verfolge oder in welcher Position ich bin. Ich kann nicht jeden Menschen lieben, aber ich kann jedem respektvoll begegnen. Selbst alles noch so Nüchterne und Sachliche kann ich mit Liebe tun, ich kann es versuchen. Wenn das gelingt, ist für das Verständnis der Menschen untereinander schon viel gewonnen.
Zur Person
Dr. Ulrich Kros wurde 1970 in Nieheim-Entrup geboren und lebt heute wieder dort. Der Vater von drei erwachsenen Söhnen entspannt sich gern beim Saxophonspielen in der Gruppe „Gegenwind“.