3 Min.
06.11.2026
Norbert Duschek
Foto / Quelle: Markus Jonas

Wozu sind Sie da, Herr Duschek?

Wozu sind Sie da? Die Aufgabe des Menschen besteht darin, die Frage für sich zu beantworten. Wir fragen nach, heute bei Norbert Duschek.

Aufgezeichnet und fotografiert von Markus Jonas
Erzbistum Paderborn

Seit 13 Jahren gehe ich als Drogenpräventionsreferent in Schulen. Ich bin vor allem in Berlin und Süddeutschland unterwegs, aber auch im Erzbistum Paderborn: An Schulen in Büren und Bad Wünnenberg-Fürstenberg arbeite ich regelmäßig mit Jugendlichen. Vier Schulstunden habe ich meist mit einer Klasse. Ich begegne ihnen auf Augenhöhe, respektvoll und wertschätzend und nicht von oben herab.

Bei den Jugendlichen komme ich ganz gut an, weil ich authentisch aus eigener Erfahrung erzählen kann. Ich komme aus einem guten Elternhaus, hatte tolle Eltern, eine gute Erziehung und war ein lieber Junge. Trotzdem bin ich auf die schiefe Bahn geraten, siebeneinhalb Jahre lang habe ich teilweise exzessiv Alkohol und Drogen konsumiert. Für die Jugendlichen ist es spannend zu hören, wie leicht man da hineinrutschen kann. Am Ende war ich bei Pulverdrogen und LSD. Das hat mich in die totale Verwahrlosung gebracht. Ich lebte im Dreck und es störte mich nicht mehr. Innerlich war ich eigentlich schon tot. Rund 30 Freunde und Bekannte aus der damaligen Szene habe ich durch Drogen verloren. Viele wurden nicht einmal 30 Jahre alt.

Im Sommer 1988 saß ich in Berlin im Gefängnis. Dort geschah etwas, womit ich nicht gerechnet hatte: Ich kam zum Glauben an Jesus Christus. Ich war vorher nicht religiös oder spirituell unterwegs. Kein Mensch hat mich dazu überredet. Ich machte tiefe und intensive Erfahrungen, die für mich keinen Zweifel ließen: Jesus Christus lebt. Das wurde zur Wende meines Lebens. Wenn ich heute gefragt werde: „Wozu bist du da?“, ist meine Antwort klar: Ich möchte Jesus Christus in die Welt bringen. Ich wünsche mir, dass Menschen durch die Begegnung mit mir auf ihrem Weg mit Gott gestärkt werden – oder ihm ein Stück näherkommen. Das muss nicht immer ausdrücklich geschehen. Vielleicht erfährt jemand durch mich einfach liebevolle Annahme. Auch dadurch kann sich ein Herz für Gott öffnen.

In meiner Drogenprävention an Schulen trenne ich das bewusst. Meine Glaubenserfahrungen sind normalerweise kein Thema. Nur an katholischen Schulen erzähle ich auch mal davon, wie der Glaube mein Leben verändert hat. Sonst geht es um Drogen, ihre Wirkungsweisen und Gefahren. Die aktuelle Entwicklung sehe ich mit Sorge. Vor allem Cannabis wird zu oft verharmlost, auch die Legalisierung sehe ich kritisch. Ich kenne niemanden, der mit Heroin angefangen hat. Für mich ist Cannabis ganz klar eine Einstiegsdroge. Dazu kommt ein gesellschaftliches Problem: Die Vereinsamung nimmt zu. Kinder werden stärker sich selbst überlassen. Gleichzeitig gibt es die Suche nach Erfahrungen – und die kann eben auch dazu führen, Drogen auszuprobieren.

Und dann gibt es noch eine andere Seite meines Lebens: Seit 20 Jahren beschäftige ich mich mit Zirkuskunst. Heute trainiere ich bei Zirkusprojekten vor allem Grundschulkinder im Jonglieren, Diabolo und Flower Stick. Vier Tage üben wir, am fünften stehen die Kinder selbst in der Manege. Es macht enorm viel Spaß zu erleben, wenn die Kinder merken, was alles in ihnen steckt. Auch für Lehrer und Eltern ist es oft erstaunlich zu sehen, was die Kinder alles können.

Drogenprävention, Zirkus und mein Glaube verbindet etwas: Mir ist es ein Anliegen, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, ihnen etwas zuzutrauen und sie zu stärken. Wenn eine Begegnung mit mir dazu beiträgt, dass jemand neuen Mut fasst, einen anderen Weg einschlägt oder sein Herz ein Stück für Gott öffnet, dann weiß ich, wozu ich da bin.dtext

Zur Person

Norbert Duschek arbeitet als Drogenpräventionsreferent in Schulen. Er erzählt aus seinem eigenen Leben, das von schwerer Abhängigkeit, Verlusten und schwierigen Zeiten geprägt war. Seine Worte sind authentisch und bewegend, denn er schildert die Schattenseiten der Drogenwelt und auch, wie schwer es war, sich wieder herauszukämpfen.

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