2 Min.
25.08.2026
Brigitte Viermann
Foto / Quelle: Andreas Wiedenhaus

Wozu sind Sie da, Frau Viermann?

Wozu bist du da? Diese ­Frage kann sich auch jeder ­Einzelne stellen. Wir fragen nach, heute bei Brigitte Viermann.

Seit meinem 14. Lebensjahr bin ich Kolping-Mitglied, die Ideen und Ideale Adolph Kolpings sind ein zentraler Teil meiner „Glaubens-DNA“ geworden und haben mich und mein Bild von Kirche geprägt. Die besondere Form der – ich nenne sie mal „Kolping-Spiritualität im Handeln“ – hat mich schon als Jugendliche fasziniert: Dieser praktisch-pragmatische Ansatz, etwas zu tun, gemeinsam mit anderen und für andere, anzupacken unter der Leitfrage: „Wie setzen wir unser Christsein ins Handeln um?

2012 habe ich die Geistliche Leitung meiner Kolpingsfamilie in Minden übernommen. Zuvor hatte ich eine sechs Module umfassende Ausbildung absolviert. Dass Frauen und Männern im Laiendienst diese Aufgabe in ihrer Kolpingsfamilie übertragen wurde, war ein wichtiger Schritt und ein deutliches Zeichen: Ehrenamtliche Laien tragen an einer zentralen Stelle Verantwortung; ein Projekt ganz im Sinne Adolph Kolpings. An diesem Punkt wird für mich die Berufung jeder Christin und jedes Christen aus der Taufe und der Firmung heraus sicht- und greifbar.

Im November 2021 bin ich zur Geistlichen Leiterin des Kolping-Diözesanverbands gewählt worden. Als ich gefragt wurde, ob ich mir das zutraue, habe ich zuerst abgelehnt – aus Respekt vor der Aufgabe. Denn ich wusste nicht, welche Erwartungen mit dem Amt auf Diözesanebene verknüpft sind; etwa in theologischer Hinsicht. Hinzu kam die Frage, ob ich das zeitlich realisieren konnte. Ich habe also länger mit der Entscheidung gerungen. Dazu, dass ich schließlich zugestimmt und mich zur Wahl gestellt habe, hat die Tatsache beigetragen, dass mich niemand „breitschlagen“ wollte und ich mir Zeit lassen konnte.

Heute weiß ich, dass ich mich richtig entschieden habe, als ich das Amt übernahm: Gemeinsam mit dem Präses gestalte ich das geistliche Leben im Diözesanverband, so bringt sich jede und jeder von uns in seiner Art und Sprache ein in der Planung der Fortbildungen, Gottesdienste und Impulse.

Angesichts der schwindenden Mitgliederzahlen katholischer Verbände ist manchmal vom Ende des traditionellen, kirchlichen Verbandsleben die Rede. Dass die Zahlen zurückgehen, ist eine Tatsache. Aber für mich ist das kein Grund zu resignieren. Wir können als Verbände weiter relevant bleiben, wenn wir Kirche und Verband mutig und positiv weiterentwickeln und die Spiritualität, die uns auszeichnet, theologisch zeitgemäß definieren und präsentieren. Es geht hier auch um die Frage, wie wir als Kolpingsfamilien dazu beitragen können, dass die Menschen in den zukünftigen Seelsorgeräumen ihren Platz finden? Ich hoffe und glaube, dass die katholischen Verbände im aktuellen Transformationsprozess ihre Chancen erkennen und nutzen, um Kirche und Gesellschaft weiter aktiv mitzugestalten.

Mit meinem Engagement als Geistliche Leiterin möchte ich daran mitwirken, dass Menschen auch in Zukunft in unserer Kirche eine geistliche und religiöse Heimat finden können. Für mich war es schon immer wichtig, nicht darauf zu warten, dass jemand anderes etwas macht, sondern selbst die Initiative zu ergreifen. In diesem Sinne möchte ich auch ein Beispiel dafür geben, dass wir als Getaufte nicht nur Verantwortung übernehmen können, sondern dass es unser ureigener Auftrag ist.

// Aufgezeichnet und fotografiert von Andreas Wiedenhaus

Zur Person

Brigitte Viermann ist 60 Jahre alt, lebt in Minden und ist Mitglied der dortigen Kolpingsfamilie. Die gelernte Bankkauffrau ist verheiratet, hat drei Kinder und vier Enkelkinder.

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