Papst Leo XIV. will Künstliche Intelligenz entwaffnen
Maschinen ohne Moral? Der Papst warnt vor leichtfertigem Umgang mit neuen Technologien – zugleich aber auch vor übermäßiger Furcht.
Papst Leo XIV. fordert eine Entwaffnung der Künstlichen Intelligenz (KI). Zum Abschluss der Präsentation seines ersten Lehrschreibens „Magnifica humanitas“ am Pfingstmontag verglich er diese Forderung mit dem kirchlichen Einsatz für nukleare Abrüstung. Jede große technische Macht, die das Leben der Menschen beeinflussen kann, müsse von einem angemessenen moralischen Urteilsvermögen und öffentlicher Kontrolle begleitet werden, sagte der Papst in der vatikanischen Synodenaula. Seine Zuhörer waren überwiegend Kurienmitarbeiter sowie zahlreiche Diplomaten, darunter auch der US-Botschafter beim Heiligen Stuhl, Brian Burch.
„Die nukleare Abrüstung bleibt ein Dienst am Frieden und an der Würde der Menschheitsfamilie. In ähnlicher Weise verlangt nun die Künstliche Intelligenz, entwaffnet zu werden, befreit von Denkweisen, die sie zu einem Instrument der Herrschaft, der Ausgrenzung und des Todes machen“, so Leo XIV.
Gegen Angst und für Wachsamkeit
Wie bereits im Text seines Lehrschreibens, betonte der Papst auch bei dessen Vorstellung die Notwendigkeit, die Technologie in den Dienst des Gemeinwohls zu stellen. „Fürchten wir uns nicht vor Künstlicher Intelligenz, sondern halten wir die Frage nach dem Menschen stets im Blick“, so Leo XIV. „Wir dürfen mit unseren mächtigsten technischen Instrumenten nicht leichtsinnig umgehen.“
Er forderte die Menschen auf, wachsam zu sein. Wenn Technologie die Fähigkeit zur Kritik schwäche, sei der Friede in Gefahr. Neben der Abrüstung gehe es auch um Aufbau: „Es bedeutet, Bindungen zu reparieren, Vertrauen wiederherzustellen und die Hoffnung auf die Zukunft neu zu wecken.“ Jeder müsse seinen Teil für ein gerechteres Zusammenleben beitragen, so Leo XIV.
Kirche will sich in KI-Debatte einbringen
Niemand dürfe zurückgelassen werden, forderte er und unterstrich: „Der Mensch trägt in sich eine Freiheit, eine Innerlichkeit und eine Berufung zur Liebe und Anbetung, die keine Maschine ersetzen oder blockieren kann.“ Nur mit einer ganzheitlichen Sichtweise könne künstliche Intelligenz auf das Gemeinwohl ausgerichtet werden.
Die Kirche wolle an künftigen Debatten über Künstliche Intelligenz teilnehmen, kündigte das Kirchenoberhaupt an. „Wir besitzen keine technischen Antworten und wollen auch nicht diejenigen verdrängen, die über das Fachwissen verfügen. Aber wir bringen eine Weisheit über den Menschen mit, die unsere heutige Zeit dringend braucht.“
KNA