Ort des Dialogs
Bundesweite Jüdische Akademie eröffnet / Redner fanden eindringliche Worte gegen grassierenden Antisemitismus.
Im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und unter hohen Sicherheitsvorkehrungen ist am Montag die neue Jüdische Akademie in Frankfurt eröffnet worden. Nach dem Durchschneiden eines roten Bandes wurde die traditionelle jüdische Mesusa, eine Schriftkapsel, am Türpfosten angebracht.
Steinmeier würdigte die neue Bildungseinrichtung als „Ort des Dialogs“. Zugleich prangerte er Antisemitismus an, der – egal von welcher Seite – in seine Schranken gewiesen werden müsse. Er warnte zudem vor einer zunehmenden politischen Instrumentalisierung von Judenhass. Mit Blick auf die Akademie sagte er: „Jüdisches Selbstbewusstsein in dieser Zeit heißt auch jüdische Selbstbehauptung gegen Unwissen und gegen Anfeindungen. Das zu bekräftigen, auch deshalb sind wir heute hier.“
Bedrohtes jüdisches Leben
Der Zentralrat ist Träger der neuen Bildungseinrichtung. Die Kosten lagen den Angaben zufolge bei rund 40 Millionen Euro, die sich der Bund, das Land Hessen, die Stadt und der Zentralrat teilen. Sie steht in der Tradition des Jüdischen Lehrhauses aus den 1920er Jahren, das eng mit dem Namen des Religionsphilosophen Franz Rosenzweig (1886-1929) verknüpft ist.
Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 sei der Antisemitismus hierzulande explosionsartig gestiegen, sagte Schuster. Im gegenwärtigen Deutschland sei die Behauptung, Antisemitismus habe keinen Platz in der Gesellschaft, „in der Sache falsch“. Wer das behaupte, leiste keinen Beitrag zur Bekämpfung des Hasses, sondern lasse ihn weiter gedeihen. „Wer behauptet, Judenhass habe keinen Platz, der verleugnet die Realität.“
Neben Zivilcourage und dem Rechtsstaat müsse man Hass mit Offenheit, Aufklärung und Begegnung entgegenwirken. „Kurz: Man muss den Hass bekämpfen mit Bildung, Bildung und nochmals Bildung“, so Schuster. Dazu solle die neue Akademie einen Beitrag leisten. Sie kläre über das Judentum auf, auch über die schönen und positiven Seiten. Sie solle Raum geben für Differenzierung. Es solle gezeigt werden, „dass jüdisches Leben so viel mehr ist als jüdisches Leiden“.
„Erste Bildungseinrichtung ihrer Art seit der Schoah“
Die Akademie unweit der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt – einer der größten in Deutschland – ist nach Worten Schusters die erste Bildungseinrichtung ihrer Art seit der Schoah, die einzige ihrer Art in Europa und ein „intellektueller Anziehungspunkt“. Die Akademie solle ein Ort sein, „an dem wir als Jüdinnen und Juden aufhören, zu Gast zu sein. Ein Zuhause“.
Die Akademie richtet sich an ein breites Publikum und bietet unter anderem Konferenzen und Weiterbildungen an. Die geplanten Programme und Projekte beschäftigen sich beispielsweise mit Israel und dem Nahen Osten, mit jüdischer Geschichte und Kultur sowie mit dem gegenwärtigen Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland und Europa.