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02.11.2026
Die neue Glocke, die Zeichen der Aussöhnung und des Friedens ist, wurde 2026 in den Niederlanden als Kopie der Denkmalglocke gegossen.
Foto / Quelle: Erzbistum Paderborn

Glocke ist Zeichen der Aussöhnung und des Friedens

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz weiht am 6. November neue Glocke in Bremke.

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Eigentlich ist es „nur“ eine Glockenweihe, die Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz am Freitag, 6. November, um 17 Uhr im Gottesdienst in der Katholischen Pfarrvikariekirche St. Antonius der Einsiedler in Eslohe-Bremke im Dekanat Hochsauerland-Mitte vollzieht. Und doch ist diese Glockenweihe durch den Paderborner Erzbischof zugleich ein Teil der Geschichte Deutschlands. Die neue Glocke ist Zeichen der Aussöhnung und des Friedens: Die nur 40 Kilogramm schwere, aus Zinnbronze gegossene Glocke ist eine genaue Kopie der Denkmalglocke, die bisher im Dachreiter der St. Nikolauskapelle in Frielinghausen läutete und die jetzt an die Kirchengemeinde St. Bartholomäus in Kielcza (Polen) übergeben wird.

Nach der Weihe der neugegossenen Glocke in der Pfarrvikariekirche St. Antonius der Einsiedler in Bremke wird die Glocke anschließend in der St.-Nikolaus-Kapelle in Frielinghausen montiert. Das erste Läuten wünschen sich die Beteiligten und die Dorfgemeinschaft von Frielinghausen am Festtag des heiligen Bischofs Nikolaus am Sonntag, 6. Dezember. Die Übergabe der Denkmalglocke an die Katholische Kirchengemeinde St. Bartholomäus in Kielcza (Polen) soll in Bremke im ersten Quartal 2027 erfolgen.

Neue Glocke für Frielinghausen

„Damit die Kapelle St. Nikolaus in Frielinghausen nach dem Ausbau und der Translozierung der bisherigen Glocke nach Kielcza zukünftig nicht glockenlos bleibt, wurde von den Verantwortlichen des Erzbistum Paderborn vorgeschlagen, die Denkmalglocke zu kopieren und die neue Glocke dann in der Kapelle weiter zu läuten“, erklärt Domkapitular Monsignore Dr. Gerhard Best als Glockensachverständiger des Erzbistums. „So wird der Glockenklang in Frielinghausen auch zukünftig unverändert bleiben. Und zusätzlich bietet diese Lösung den Vorteil, die Armaturen zur Aufhängung und zum Läuten der neuen Glocke im Dachreiter einfach übernehmen zu können.“

Die Denkmalglocke war im Bereich ihrer Krone (Aufhängung) leicht beschädigt und musste vor der Translozierung denkmalgerecht restauriert werden. Daher wurde sie nach ihrem Ausbau in Frielinghausen am 4. Mai 2026 in einen für solche Arbeiten europaweit ausgewiesenen Fachbetrieb gebracht, die Königliche Glockengießerei Eijsbouts in Asten (Niederlande). Hier erfolgte in den Folgemonaten die denkmalgerechte Restaurierung sowie am 7. September 2026 in Anwesenheit einer 16 Personen umfassenden Delegation aus Bremke und Frielinghausen der Guss der Kopie der Denkmalglocke.

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz wird am 6. November in Bremke eine neue Glocke (li.) weihen – sie ist eine Kopie der Denkmalglocke (r.), die von Frielinghausen nach Kielcza (Polen) geht.
Foto / Quelle: Erzbistum Paderborn

Seit 1953 hängt in der aus dem 18. Jahrhundert stammenden Katholischen Kapelle St. Nikolaus in Frielinghausen eine Denkmalglocke. Diese besteht aus Zinnbronze, ist auf den Ton es‘‘‘ gestimmt, ihr Durchmesser beträgt 369 Millimeter, das Wiegegewicht 40 Kilogramm. Aufgrund ihrer äußeren Gestaltung stammt die Denkmalglocke aus dem 15. oder 16. Jahrhundert – weil sie keine Inschrift und keinen Dekor trägt, ist eine genauere Datierung nicht möglich.

Ursprünglich hing diese Glocke als kleinste eines fünfstimmigen Geläutes in der Katholischen Pfarrkirche St. Bartholomäus in Keilerswalde (Landkreis Groß-Strehlitz in Schlesien – heute: Kielcza), wo sie zusammen mit den vier größeren Glocken am 4. Mai 1940 im Meldebogen für Bronzeglocken der Kirchen erfasst wurde. Am 23. März 1942 erfolgte die Beschlagnahmung zu Rüstungszwecken durch die nationalsozialistische Regierung des Deutschen Reiches. Die Kennziffer dieser Glocke bei der Beschlagnahmung lautet „B 25/6/172“. Anschließend wurde die Glocke in ein in Deutschland gelegenes Glockensammellager verbracht, dort aber nicht sofort eingeschmolzen, so dass sie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 noch erhalten war.

Von der Leihglocke zur Friedensglocke

Weil ein Rücktransport an den Ursprungsort in Schlesien aufgrund der politischen Verhältnisse der frühen Nachkriegszeit nicht möglich war, wurden solche Glocken als „Leihglocken“ oder „Patenglocken“ für eine vermeintlich nur kurze Dauer in evangelischen oder katholischen Kirchen beziehungsweise Kapellen der drei damaligen Westsektoren aufgehängt und dort fortan genutzt. Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland gingen diese Leihglocken – von denen es in den in Westdeutschland gelegenen Evangelischen Landeskirchen und Katholischen (Erz-)Bistümern insgesamt etwa 1.300 Exemplare, davon im Erzbistum Paderborn circa 50 Glocken, gibt – in das Eigentum der Bundesrepublik Deutschland über, weil diese rechtlich Nachfolgerin des Deutschen Reiches ist, das 1942 die Beschlagnahmung ausgesprochen und anschließend umgesetzt hatte.

Nachdem die Denkmalglocke zur weiteren Vermittlung in eine Kirche oder Kapelle des Erzbistums Paderborn vorgesehen war, wurde sie zwischenzeitlich in einem Sammellager in Herford verwahrt, am 7. März 1953 nach Bremke ausgeliefert und anschließend der dortigen Katholischen Pfarrvikarie St. Antonius der Einsiedler zur Nutzung in der zur Kirchengemeinde gehörenden Kapelle St. Nikolaus im Nachbarort Frielinghausen leihweise überlassen. Dort erhielt sie ihren Platz im Dachreiter der Kapelle, wo sie seitdem läutete.

Die St. Nikolaus-Kapelle in Frielinghausen erhält eine neue Glocke, die Zeichen der Aussöhnung und des Friedens ist.
Foto / Quelle: Erzbistum Paderborn

Seit 2022 bemühte sich die Katholische Kirchengemeinde St. Bartholomäus in Kielcza (Polen), dem früheren deutschen Keilerswalde, zunächst um ein Auffinden der Denkmalglocke. Als dies mithilfe der Verantwortlichen des Erzbistums Paderborn zum Erfolg führte und die gesuchte Glocke als die in der St.-Nikolaus-Kapelle in Frielinghausen befindliche identifiziert werden konnte, wurde aus Kielcza (Polen) die Bitte einer Translozierung mitgeteilt. Aufgrund der Rechtsverhältnisse kann es sich nicht um eine Rückgabe handeln, denn die Katholische Kirchengemeinde St. Bartholomäus in Kielcza (Polen) ist nicht Rechtsnachfolgerin der ehemaligen deutschen Kirchengemeinde, die 1945 unterging.

Der Bitte aus Polen kann jedoch in Form einer Unter-Verleihung entsprochen werden, wenn sowohl die Bundesrepublik Deutschland als Eigentümerin und Leihgeberin der Denkmalglocke als auch die Kirchengemeinde St. Antonius der Einsiedler Bremke als gegenwärtige Leihnehmerin gemeinsam mit dem Erzbistum Paderborn zustimmen.

Kontakt über das Bundesinnenminsterium

Aufgrund der außergewöhnlichen juristischen Zusammenhänge nahm der Bereich Recht des Erzbischöflichen Generalvikariates Paderborn über das Kommissariat der Deutschen Bischöfe – Katholisches Büro in Berlin – mit dem Bundesministerium des Inneren der Bundesrepublik Deutschland Kontakt auf. Von dort kam die Rückmeldung, dass zur Rechtsklarheit ein Unter-Leihvertrag abgeschlossen werden müsse, der von den zuständigen Gremien der Kirchengemeinde St. Antonius der Einsiedler in Bremke und der Kirchengemeinde St. Bartholomäus in Kielcza sowie dem Erzbistum Paderborn und dem Bistum Oppeln zu unterzeichnen und vom Bundesministerium des Inneren der Bundesrepublik Deutschland zu genehmigen ist.

Der Abschluss dieses Unter-Leihvertrages ist inzwischen erfolgt, die Genehmigung durch das Ministerium erfolgte am 16. Oktober 2026. So ist der Weg frei, damit die Denkmalglocke als Zeichen der Aussöhnung in Polen läuten kann, während ihre Kopie dasselbe in Deutschland, im Erzbistum Paderborn tun wird.ndtext

pdp

Hintergrund

Schon seit frühester Zeit werden Glocken für ihren Dienst im Gotteshaus und in der Liturgie durch einen Bischof feierlich geweiht. Im Erzbistum Paderborn hat sich ein eigener Ritus erhalten, dessen aussagekräftige Symbolhandlungen seit Jahrzehnten bei den meisten Glockenweihen miterlebt werden können: Zu Beginn wird die neue Glocke mit Weihwasser besprengt, um sie für ihren Dienst zu reinigen. Anschließend erfolgt die siebenfache Salbung mit dem Kranken-Öl, um ihr eine heilsame Stimme zu schenken. Nach der Verkündigung des Evangeliums wird – wie bei einer Kirch- oder Altarweihe – die Glocke viermal mit Chrisam-Öl gesalbt. Den Abschluss bildet die Beräucherung, an deren Ende das Weihrauchfass unter die Glocke gestellt wird, damit sich diese ganz mit Weihrauch füllt.

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