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20.09.2026
Die Fenster des kubistischen Malers Jacques Villon in der Kathedrale von Metz.
Foto / Quelle: Alexander Brüggemann/KNA

Leo in "Gottes Laterne" - Papst besucht die Kathedrale von Metz

Fast dreimal so große Fensterflächen wie die Kathedrale von Chartres – das ist mal eine Ansage.

Metz

Der oft undankbare Job als Papst hat manchmal auch schöne Seiten. Kürzlich noch durfte Leo XIV. den Jesus-Turm der Sagrada Familia in Barcelona segnen. Nun folgen bei seinem Frankreich-Besuch zwei weitere architektonische Leckerbissen: erst die grundrestaurierte Kathedrale Notre-Dame in Paris, und dann, zum Abschluss der Reise: die „Laterne Gottes“, die Kathedrale von Metz in Lothringen.

Erzeugt wird diese einzigartige Atmosphäre dort durch riesige 6.500 Quadratmeter Fensterfläche. „Laterne Gottes“ wird die Stephans-Kathedrale von Metz deshalb genannt und „Edelstein Lothringens“. 1220 wurde der Grundstein für den Neubau gelegt; und 2019/20 feierte das Bistum Metz ein Jubeljahr zum 800. Jahrestag.

Die Bischofskirche von Metz hat nicht nur ein 42 Meter hohes Gewölbe – eines der höchsten des gotischen Kirchbaus überhaupt; sondern auch eine der größten Kirchenfensterflächen der Welt. Zum Vergleich: Das frühgotische „Glas-Universum“ von Chartres hat „nur“ 2.500 Quadratmeter. Die Fenster des Lang- und Querhauses der Kathedrale in Metz wurden zwischen dem 13. und dem 20. Jahrhundert von bedeutenden Künstlern gestaltet. Der berühmteste von ihnen war Marc Chagall (1887-1985).

Chagall erzählt von Adam und Eva

Im linken Querhaus erzählt Chagall die Geschichte von Adam und Eva, die wie zwei Verliebte durch das leuchtend gelbe Paradies schweben. Nach dem Sündenfall müssen sie aber in die blaue Realität am rechten unteren Bildrand abtauchen.

Im Chorumgang ein weiteres Meisterwerk des jüdischen Künstlers: Farbenprächtige Szenen aus dem Buch Genesis zeigen unter anderem das Opfer Abrahams, Jakob im Kampf gegen den Engel, Jakobs Traum und Moses mit dem brennenden Dornbusch. Chagall fertigte die Zeichnungen ohne Honorar; ein Geschenk für die Metzer zum Dank dafür, dass sie während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg Juden geschützt hatten.

Die Fenster in der südlichen Sakramentskapelle aus dem 15. Jahrhundert hat der kubistische Maler Jacques Villon 1957 gestaltet, im Alter von 82 Jahren. Dennoch sind sie ein Erstlingswerk: seine ersten Arbeiten als Glaskünstler. Villon (1875-1963) zerlegt seine Darstellungen in kleine Fragmente; die leuchtenden Farben tauchen den Kirchenboden in ein buntes Licht.

Die Kathetrale von Metz.
Foto / Quelle: Alexander Brüggemann/KNA

Im Jubiläumsjahr 2020 erhielt die Kathedrale noch einmal ein komplett neues Kirchenfenster: Die Triforiumszone der Nikolauskapelle bespielte die südkoreanische Künstlerin Kimsooja neu – mit „Nanopolymeren inmitten irisierender Glasblätter“, wie es enigmatisch angekündigt wurde.

Die Baugeschichte der Stephanskirche selbst ist alles andere als geradlinig verlaufen. Das erste Gotteshaus hier war ein Oratorium zu Ehren des heiligen Stephanus; es blieb bei der Zerstörung der Stadt durch Hunnenkönig Attila 451 wie durch ein Wunder verschont. Aus einem gallorömischen Thermalbad stammt noch das zweieinhalb Meter lange ovale Taufbecken: eine regelrechte „Badewanne“ aus Porphyr, in die der Täufling ganz eingetaucht wurde. Der steinerne Bischofsthron ist ein Werk des 7. Jahrhunderts.

Im frühen Mittelalter entstanden hier in unmittelbarer Nachbarschaft die Bischofskirche und ein Marienstift. Als das Metzer Domkapitel 1220 eine neue, große, gotische Kathedrale errichten wollte, stieß es an den Toren des Stifts auf Granit: Dessen Geistliche waren überhaupt nicht willig, ihr Territorium abzugeben. Erst im 14. Jahrhundert wuchsen die beiden Kirchen unter einem Dach zusammen.

Ein Pakt mit dem Teufel

Das warf neue Probleme statischer Art auf, für deren Behebung sich Architekt Pierre Perrat angeblich sogar mit dem Teufel einließ; eine Legende, wie sie zu mittelalterlichen Gebäuden ab einer gewissen Größenordnung einfach dazugehört. Erst 1520 waren die Bauarbeiten nach 300 Jahren abgeschlossen; die Weihe erfolgte endlich 1552.

Wer Glück hat, der erwischt einen stillen Moment am frühen Morgen oder am Abend, wenn die Kathedrale Saint-Étienne wirklich das ist, als was sie gebaut wurde: Gottes Haus. Wenn die Touristen noch oder wieder in ihren Hotels sind und die Sonne das Kirchenschiff in ein diffuses Licht taucht, spürt der Besucher die grandiose Erhabenheit und Ruhe des Gebäudes.

Blick in das Querschiff der Kathedrale von Metz (Frankreich).
Foto / Quelle: Alexander Brüggemann/KNA

Abends sind die Villon-Fenster von innen angestrahlt; dann werfen sie einen warmen Schimmer von Dunkelblau, Grün und Gelb auf den Platz vor der Kathedrale. Zu dieser Tageszeit, wenn zudem Scheinwerfer den für die Stadt so typischen goldgelben Jaumont-Kalkstein beleuchten, erklärt sich auch der zweite Spitzname der Kathedrale: Einen „Edelstein in goldener Fassung“ nennen sie die Metzer.

Nachts macht es auch besonders Spaß, um die Kirche herum auf Entdeckungsreise zu gehen. Garstige Wasserspeier, Bestien, Monster, Drachen, Schlachten, Engel und Dämonen, Jagdszenen und Heiligenlegenden: Das Fantastische ist an der Metzer Kathedrale überall in Stein gehauen. Für eine Spurensuche dieser Art bleibt Papst Leo leider nicht die Zeit. Er fährt direkt nach der Messe zum Flughafen – zurück nach Rom.

KNA
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