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16.07.2026
Das neue Buch über Liborius in der Kunst ist im Bonifatius Verlag erschienen.
Foto / Quelle: Bonifatius Verlag

Kleine Bilder – große Verehrung

Der Kunsthistoriker Prof. Dr. Hans-Walter Stork hat einen neuen Bildband im Bonifatius Verlag veröffentlicht.

Von Wolfgang Maas
Paderborn

Hartnäckigkeit und eine gehörige Portion detektivischer Spürsinn zahlen sich aus. Nach jahrelanger Recherche hat Prof. Dr. Hans-Walter Stork, Kunsthistoriker und Direktor der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn, das Buch „Der heilige Liborius in der graphischen Kunst“ im Bonifatius Verlag veröffentlicht. Das Werk, das vom Erzbistum, vom Metropolitankapitel Paderborn sowie vom Förderverein der Erzbischöflischen Akademischen Bibliothek (EAB) gefördert wurde, beschäftigt sich mit den sogenannten „Kleinen Andachtsbildern“.

Diese Einzelblätter im kleinen Format sind erstmals im Jahr 1647 nachweisbar und erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit. So besitzt die EAB vier Ausgaben eines antiken Buches, in dem auch Andachtsbilder abgedruckt wurden. Allerdings fehlen diese in drei der Bände. Hans-Walter Stork ist sich sicher: Diese Bilder hingen gerahmt in verschiedenen Wohnzimmern. Oder sie hatten an den vier Ecken kleine Einstiche. Diese zeigen: Die Bilder wurden mit Nägeln oder Nadeln an die Wände gehängt – so wichtig waren sie ihren Besitzerinnen und Besitzer. Und da ihnen die Bücher gehörten, konnten sie damit natürlich machen, was sie wollten – zum Nachteil ihrer Nachkommen.

Prof. Dr. Hans-Walter Stork
Foto / Quelle: Wolfgang Maas

Prof. Stork – das machte er bei der Vorstellung des Bandes im Diözesanmuseum mehr als einmal deutlich – war viel unterwegs in Sachen Andachtsbilder. „In Konvoluten sehen Sie nicht, was drinsteckt.“ Da gab es Boxen, in denen mehrere Papiere lieblos übereinandergestapelt waren. Die ersten drei Blätter interessierten den Forscher nicht, kein Liborius war zu sehen. Doch dann – Blatt Nummer vier war ein Voll­treffer. Solche mehr oder weniger zufälligen Funde seien gar nicht so selten.

Sehr beliebt seit dem 17. Jahrhundert waren Andachtsbilder, die anhand von Kupferplatten hergestellt wurden. Diese Platten mussten dabei oft herhalten, bis zu 100 Drucke entstanden, bis sie gar nicht mehr zu benutzen waren. Für den Experten hat dies allerdings einen Vorteil. Er kann erkennen, wo und in welcher Zeit der Ursprung von Andachtsbildern liegt – auch weil die Vorlage immer schwächer werde. Bisweilen wurde – im wahrsten Sinne des Wortes – auch abgekupfert. Dafür hat Stork mittlerweile einen Blick entwickelt.

Ein Andachtsbild wurde nachweislich seit 1649 fast 100 Jahre lang immer wieder verlegt, bis sich das Motiv dann im Jahre 1736 veränderte. Beliebte Motive waren also sehr langlebig. Es gab ferner Stiche, die die Größe von heutigen Postern hatten. Diese wurden als Werbung für das Fest in Paderborn an die Kirchentüren gehängt.

Prof. Dr. Hans-Walter Stork (Autor und Direktor der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn) freut sich mit Dr. des. Holger Kempkens (Direktor des Diözesanmuseums Paderborn) und Prof. Dr. Volker de Vry (Geschäftsführer der Liborius-Gesellschaft Paderborn, von links) über den neuen Band der Reihe „Analecta Liboriana“.
Foto / Quelle: Heike Probst/ThF-Paderborn

Beliebt war zudem die Tradition des „Anrührbildes“. Mit diesen berührte man während des Libori-Festes den Schrein und nahm die Bilder mit nach Hause. Echte Herausforderungen sind für den Buchautoren solche Bilder, die nur noch teilweise erhalten sind. Wo stammen sie her, wer hat sie angefertigt, wie sieht das komplette Werk aus? Mit fast schon detektivischem Geschick und viel Ausdauer konnte er diese Fragen mehrfach beantworten.

Dass Stork für die Recherche viel reiste, mag auf den ersten Blick verwundern. Doch die Verehrung des hl. Liborius ist weiter verbreitet, als man denken mag. Ausgehend von Paderborn, wo seit dem Jahr 836 der heilige Liborius als Schutzpatron des Bistums und der Stadt Paderborn verehrt wird, breitete sich seine Bekanntheit als Helfer gegen Steinleiden und seine Verehrung in ganz Europa aus. Als 1647 in der Bischofsstadt Amelia in Umbrien ein Kupferstich mit einer Darstellung des hl. Liborius geschaffen wurde, begann damit eine umfangreiche Produktion dieser Heiligenbilder.

Nachweisbar und in dem Buch aus dem Bonifatius Verlag vermerkt, sind Andachtsbilder aus Italien, Österreich und Spanien. Und auch die Ausgestaltung unterscheidet sich. Es gab sogar colorierte Versionen und solche mit vielen Details. Und auch heute noch beschäftigen sich Künstlerinnen und Künstler mit dem hl. Liborius. Prof. Stork ist sich sicher, dass das auch in Zukunft weiter geschieht. Und dass noch genügend Material für einen Fortsetzungsband auftaucht – daran hat er keinen Zweifel.

Hintergrund

Der im Bonifatius Verlag erschienene Band 2 der Reihe „Analecta Liboriana“ dokumentiert etwa 140 grafische Blätter, jeweils mit Abbildung und erläuterndem Text, die an den Verehrungsstätten des Heiligen in Florenz und Rom, Amsterdam und Antwerpen ebenso hergestellt wurden wie in Paderborn, Prag, Barcelona und Wien. Der Band kostet 52 Euro und ist im Buchhandel erhältlich.Weitere Informationen zum Buch: https://www.bonifatius-verlag.de/shop/der-heilige-liborius-in-der-grafischen-kunst/

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