Jubeln erwünscht
Libori 2026 / Jubelhennes aus Leidenschaft: Ralf Stemmer aus Paderborn.
Sie gehören fest zu Libori dazu: Die in Rot und Gelb gekleideten „Jubelhennesse“ füllen die Bierkrüge der Besucher am Bierbrunnen vor dem Rathaus. Einer von ihnen ist der Paderborner Ralf Stemmer (57), der seit mittlerweile 33 Jahren die Stadt Paderborn in ihren traditionellen Stadtfarben repräsentiert. Für ihn ist es eine Berufung, jedes Jahr als Jubelhennes das Paderborner Volksfest mitzugestalten und gute Laune zu verbreiten.
Während Libori betreiben die Jubelhennesse ehrenamtlich den historischen Bierbrunnen, schenken aus, halten den Platz sauber und sind beliebte Fotomotive. Die Tradition der Jubelhennesse reicht etwas über ein halbes Jahrhundert zurück. Eingeführt wurde diese Attraktion im Jahr 1972. Der Begriff „Jubelhennes“ leitet sich vom Namen „Hennes“ (Kurzform von Johannes/Heinrich) ab und verbindet diesen mit dem Begriff des „Jubelns“ oder Feierns. Er beschreibt den urigen, gut gelaunten Zapfer, der den Menschen eine Freude bringt. Und genau darin sieht auch Ralf Stemmer seine Aufgabe. „Wir vertreten die Stadt Paderborn mit ihren Stadtfarben. Wir sind ein bisschen sowas wie eine Werbefigur für Libori und wir möchten den Besuchern eine Freude bereiten. Sie sollen am Rathausplatz eine gut Zeit haben, miteinander lachen und feiern“, sagt Stemmer.
Einmal ein Jubelhennes, immer ein Jubelhennes“
Viele seiner Mitstreiter leben gar nicht mehr in Paderborn, trotzdem reisen sie jährlich zum Fest an. „Einmal ein Jubelhennes, immer ein Jubelhennes“, so beschreibt Stemmer die Leidenschaft dahinter. Gepackt hat diese auch seinen Sohn, der seit 2018 mit ihm am Bierbrunnen ausschenkt und gute Laune verbreitet. „Meine Kinder sind mit dem Bierbrunnen aufgewachsen und haben früh Biermarken abgeknipst.“ Er selbst sei mittlerweile seit 1993 dabei. Damals sei er für einen Freund eingesprungen und ist den Jubelhennessen seit dem treu geblieben. Sich ehrenamtlich zu engagieren ist für Ralf Stemmer selbstverständlich.
Und so verwundert es nicht, dass der studierte Elektrotechniker, der gebürtig aus München kommt, sich auch außerhalb der Liborizeit gesellschaftlich einbringt. Seit zehn Jahren ist er als Notfallseelsorger im Einsatz. Er ist dann für Menschen in Ausnahmesituationen da, sei es bei Autounfällen oder anderen Schicksalsschlägen, also in Situationen, in denen sie seelischen Beistand benötigen. Auf die Frage, warum er als Notfallseelsorger unterwegs ist, sagt der gläubige Katholik, Gott habe ihn dahingestellt. Größer könnte der Kontrast zwischen diesen beiden ehrenamtlichen Tätigkeiten wohl kaum sein. „Als Notfallseelsorger wird man nicht gerufen, wenn alles schön ist oder wenn etwas Gutes passiert, als Jubelhennes hingegen schon“, sagt Stemmer.
Nicht nur zu Libori
Die Arbeit der Jubelhennesse konzentriere sich zwar überwiegend auf das Liborifest, doch auch außerhalb der Saison seien sie hin und wieder im Einsatz, so auch auf Bierfesten, Hochzeiten oder beim Karneval. Wenn er das rot-gelbe Kostüm anziehe, „dann herrscht Partystimmung, dann ist ausgelassenes Jubeln ausdrücklich erwünscht“. Ob er auch schon mal schlechte Stimmung erlebt habe, verneint er. „Zu Libori herrscht immer eine tolle und friedliche Atmosphäre. Die Leute sind entspannt.“ Es habe auch schon mal Rangeleien gegeben, doch das geschehe äußerst selten. Besonders in Erinnerung sei ihm geblieben, dass sich schon viele Paare am Bierbrunnen kennengelernt hätten, die regelmäßig wiederkommen.
Worauf er sich in diesem Jahr besonders freut: „Auf die kirchlichen Feiern im und um den Dom.“ Das gehört für ihn traditionell dazu.