2 Min.
16.07.2026
Foto / Quelle: Karl-Martin Flüter

Wozu sind Sie da, Herr Gorzolka?

Wozu bist du da, Kirche von Paderborn? Eine zentrale Frage des Zukunftsbildes für das Erzbistum Paderborn. ­Wozu bist du da? Diese ­Frage kann sich auch jeder ­Einzelne stellen. Denn die Grundannahme des Zukunftsbildes ist ­eine ­biblische, dass nämlich jeder Mensch berufen ist, dass jede und jeder das eigene Leben als von Gott angenommen betrachten darf, dass es einen Sinn dieses Lebens gibt. Die Aufgabe des Menschen besteht darin, die Frage für sich zu beantworten. Wir fragen nach, heute bei Hans-Werner Gorzolka.

Aufgezeichnet und fotografiert von Karl-Martin Flüter

Die dörfliche DNA baut auf Zuwendung und Hilfe, auf Unterstützung und Solidarität. Diese Anpack- und Kümmererkultur ist eng mit dem christlichen Glauben verbunden und lebt christliche Werte. Darum engagiere ich mich seit vielen Jahren als geschäftsführender Kirchenvorstand in Ovenhausen und als Kreisheimatpfleger für die Kirche und die Dörfer im Kreis Höxter.

Dörfer haben eine Zukunft, wenn sie sich in Haltung und Handlung als sorgende Gemeinschaften verstehen und diesem Leitbild zu folgen versuchen. Weil ich beide Seiten kenne, die kirchliche und die dörfliche, weiß ich: Die Kirche leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Kirche trägt vielerorts gemeinsam mit den Vereinen das soziale Leben in den Dörfern, sie ist unverzichtbar. Hierin liegt die Kern-DNA von Kirche in ländlichen Räumen.

Aus dieser Überzeugung heraus habe ich als Kreisheimatpfleger ein Manifest verfasst, das kritisch Stellung zum Transformationsprozess im Erzbistum Paderborn bezieht. Darin fordere ich für die Basis der Kirche in den Gemeinden Teilhabe an der Verantwortung und umfängliche Gestaltungsmöglichkeiten in den geplanten Seelsorgeräume.

Wenn wir aus unseren Dorfgemeinschaften die Kirche herausbrechen, geht der Kristallisationspunkt vieler Menschen verloren. Die dörflichen Strukturen sind gefährdet und damit auch das Ehrenamt.

In meiner Kirchengemeinde St. Maria Salome Ovenhausen hat der Kirchenvorstand über Baulandverkäufe ein solides Anlagevermögen aufgebaut. Mit den Einnahmen aus Zinsen, Verpachtungen und Vermietungen abzüglich der Abgaben an das Erzbistum sind wir in der Lage, Initiativen und Projekte zu finanzieren. Wir haben in Ovenhausen 4 000 Quadratmeter kirchlicher Fläche rund um Kirche, Pfarrzentrum und ehemaliges Pfarrhaus umgestaltet und zum Dorfmittelpunkt entwickelt. Auch das war nur möglich, weil die Kirchengemeinde ihre Ressourcen für das Dorf nutzte.

Bei uns spüren die Menschen: Sie haben etwas von der Kirche. Das motiviert sie, durch ihr ehrenamtliches Engagement etwas zurückzugeben. Ehrenamtliche engagieren sich nicht für das Erzbistum, auch nicht für einen Seelsorgeraum, sondern für ihre Kirchengemeinde, ihr Dorf, die Nachbarschaft und die Familie.

Das alles wäre vielleicht nicht mehr denkbar, wenn das Vermögen von St. Maria Salome per Dekret abgeliefert werden muss, wie es der Transformationsprozess vorsieht. Deshalb bin ich der Meinung, dass die Kirchengemeinden weiter selbstbestimmt über ihre Finanzen und Immobilien verfügen müssen, um die Gemeinschaft in den Dörfern zu tragen und zu fördern.

Heimat ist für mich ein Gestaltungs- und Identifikationsraum für alle. Dafür setze ich mich ein. Ich glaube: Heimat ist Bühne und kein Zuschauerraum und darf Extremismus und Ausgrenzung keinen Freiraum bieten. Doch das wird sehr schwierig, wenn die Kirche sich aus den Dörfern zurückzieht – wenn sich also nicht nur die Menschen von der Kirche entfernen, sondern auch die Kirche von den Menschen.

Zur Person

Hans-Werner Gorzolka, Jahrgang 1953, ist Kreisheimatpfleger im Kreis Höxter, Heimatgebietsleiter „Paderborner und Corveyer Land“ und Mitglied der Landesbewertungskommission NRW „Unser Dorf hat Zukunft“.  In Ovenhausen ist er geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstandes der Kirchengemeinde St. Maria Salome. Der Oberst der Reserve der Pioniertruppe der Bundeswehr war im Kreis Höxter Leiter der Abteilung „Bauen und Planen“. Hans-Werner Gorzolka hat vier Kinder und drei Enkel.

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