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30.10.2026
Stacheldraht-Absperrung in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz I (Stammlager), am 22. September 2023 in Oswiecim (Polen).
Foto / Quelle: KNA

Deutsche haben Holocaust falsch aufgearbeitet

Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkennen – auch, wenn sie nicht Juden betreffen. Aus Sicht der jüdischen Philosophin Susan Neiman wäre das eine Lehre aus dem Holocaust gewesen. Warum sie vor „Philosemiten“ warnt.

München

Die deutsche Gesellschaft hat aus Sicht der jüdischen Philosophin Susan Neiman die falschen Schlüsse aus der Aufarbeitung des Holocausts gezogen. „Es wäre um das Verständnis gegangen, Menschenrechte überall zu schützen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit immer zu kritisieren, nicht nur, wenn jüdische Menschen betroffen sind. Das ist nicht geschehen“, sagte Neiman im Interview der „Süddeutschen Zeitung“.

Das zeige sich besonders deutlich bei der Bewertung des Vorgehena Israels in Gaza. „Ende des letzten Jahrhunderts gab es weltweit einen Konsens, dass der Holocaust absolut böse war. Aber heute wird er benutzt, um einen anderen Genozid zu rechtfertigen, jenen an den Palästinensern“, argumentiert die in den USA geborene Philosophin. Diese Vorwürfe gegen den einzigen jüdisch geprägten Staat der Welt stürzten die Deutschen, die die Holocaust-Aufarbeitung zum Teil ihrer Identität gemacht hätten, in eine Krise.

"Philosemiten sind die Schlimmsten“

Gleichzeitig verteidigte Neiman, die in Berlin lebt und bis vor Kurzem das Einstein Forum in Potsdam leitete, die Berliner Linke gegen pauschale Antisemitismusvorwürfe. Diese gehen aus ihrer Sicht auf eine rechte Kampagne zurück und folgen einer simplen Formel: „Faschismus ist antisemitisch, wer Israel umarmt, kann kein Faschist sein. Wenn also die Linke Kritik an Israel übt, ist sie antisemitisch.“ Zwar gebe es auch in der Linken Personen, die dezidiert antisemitische Ansichten verträten, allerdings sähe sie diese in allen Parteien, teilweise mit schlimmerer Ausprägung. „Die schlimmsten sind für mich die Philosemiten, weil sie glauben, Juden sind etwas Besonderes, aber damit eben auch völlig anderes als der Rest der Gesellschaft“, so die Philosophin.

KNA

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