6 Min.
27.08.2026
Schwester Maria Schneiderhan OSF und Schwester Klara Arnolds OSF (rechts).
Foto / Quelle: Wolfgang Maas

„Franziskus hat seine Ziele erreicht“

Schwester Klara Arnolds OSF und Schwester Maria Schneiderhan OSF blicken im Interview auf das Franziskusfest am 12. September in Dortmund.

Interview: Wolfgang Maas
Dortmund

Franziskus ist immer noch ein Heiliger, der Menschen berührt. Wie erklären Sie sich das?

Sr. Klara: Ich finde, Franziskus bietet für heutige Menschen viele Anknüpfungspunkte. Er hat ein alternatives Leben gewählt, hat sich für die Armen eingesetzt, hat selbst arm gelebt und entdeckt, dass Gott in allem wohnt, was er geschaffen hat. Das heißt: Franziskus hatte eine große Nähe zur Schöpfung oder, modern gesprochen, zur Nachhaltigkeit. Das spricht viele Menschen an. Und er hatte etwas Frohes, was wir brauchen, weil Menschen Hoffnung brauchen.

Sr. Maria: Franziskus hat das ganze Leben durchgespielt. Er hatte große Ziele. Er wollte nach oben, ganz vorne stehen und Ritter und Adeliger werden. Und er hat es geschafft, sich von Gott ansprechen zu lassen zu einem anderen Weg. Er hat das reiche Leben gelebt, aber auch das arme Leben – und zwar ganz.

Sr. Klara: Es gab ja auch Brüche in seinem Leben, etwa der Vater, der das nie akzeptiert hat. Wenn heute Leben in die Brüche gehen, kann man sagen: Das hat er auch gekannt. Und Franziskus hat seine Ziele erreicht. Er ist groß und bedeutend geworden, aber nicht so, wie er gedacht hat – nicht als Ritter, nicht adelig, sondern ganz anders.

Haben die Menschen diese radikalen Brüche so fasziniert?

Sr. Maria: Ich glaube schon, dass das ex­treme Leben die Menschen angesprochen hat. Wenn er die Einfachheit nicht so radikal gelebt hätte, wäre er nicht DER Franziskus gewesen. Denn Franziskus hat immer alles aufs Ganze gesetzt – ganz arm, ganz in der Stille, ganz bei den Menschen.

Sr. Klara: Er lebte ganz nach dem Evangelium. Und ich denke: Dadurch ist er immer größer als ich. Ich bin oftmals nicht so radikal. Trotzdem lohnt es sich, ihm hinterherzugehen.

Wenn ich etwas tue, dann mit aller Konsequenz – war das die Lebens­einstellung von Franziskus?

Sr. Maria: Auf jeden Fall. Für Franziskus gilt das Wort: Ich muss bei mir anfangen. Ich kann nicht sagen: „Mach du, mach du oder mach du!“ Für seinen Vater war Franziskus jemand, der plötzlich verrückt geworden ist. Aber er ist seinem Weg treu geblieben, auch wenn er verlacht wurde, auch wenn er weggeschickt wurde. Franziskus kannte sowohl das Hochgejubeltwerden als auch das Verachtetwerden.

Sr. Klara: Das Schöne ist, dass wir viele historische Schriftstücke über sein Leben haben. Durch die breite Quellenlage gibt es viele Punkte, wo wir wissen: Das ist wirklich so passiert. Er ist zum Sultan gegangen und hat um Frieden gebeten. Da hat er sein Leben riskiert. Das sind Dinge, die uns als franziskanische Familie ins Buch geschrieben sind. Ein interreligiöser Ansatz findet sich schon bei Franziskus.

Sr. Maria: Neben dem Erhalt der Schöpfung ist in unserer Welt das Friedensthema mehr als aktuell. Franziskus erwartet, den Frieden mit Gott zu schließen. Dann kann ich den Frieden auch weitergeben.

Sr. Klara: Franziskus rät: Wenn ihr irgendwo hinkommt, dann wünscht den Frieden. Er hat ja auch gar nicht daran gedacht, einen Orden zu gründen. Er hat selbst so gelebt und dann kamen immer mehr und wollten leben wie er.

Am 12. September findet das Franziskusfest anlässlich des 800. Todestages des Heiligen statt. Was erwartet Besucherinnen und Besucher?

Sr. Maria: Es erwartet sie einmal ein schöner Platz mitten in Dortmund. Wir beginnen mit einem Auftaktspiel und haben das Glück, dass eine indische Gruppe sich darauf freut, dieses Spiel zu leiten. In diesem Spiel werden unterschiedliche Szenen aus dem Leben des heiligen Franziskus nachgespielt. Das sind Szenen, die die jungen Menschen selbst ausgesucht haben. Wir erwarten auch Erzbischof Bentz, der ab 11 Uhr da sein wird. Nach dem Mittagessen gibt es 15 Workshops. Besucherinnen und Besucher können sich entscheiden, ob sie einfach leben oder beten lernen oder etwas upcyclen möchten. Es gibt auch die Möglichkeit, ein Spiegelbild zu gestalten oder einen Rosenkranz zu knüpfen.

An wen richtet sich das Fest?

Sr. Maria: Es sind alle Menschen eingeladen, vor allem junge Menschen, egal, ob groß, ob klein, ob muslimisch, evangelisch oder katholisch. An diesem Tag wird ja auch Fußball gespielt, Paderborn gegen Dortmund. Wer weiß, vielleicht kommen auch Fußballfans zu uns, um kurz mit Franziskus in Berührung zu kommen?

Sind Vorkenntnisse nötig?

Sr. Maria: Nein.

15 Workshops sind eine ganze Menge. Wie viele Personen sind am Franziskusfest beteiligt?

Sr. Maria: Ich habe eine Liste zusammengestellt mit den Menschen für das Auftaktspiel, für die Band und den Chor, die extra zusammengestellt wurden, für die Workshops. Ich bin auf 93 Personen gekommen. Vielleicht kommen noch Einige dazu, denn wir brauchen sie, um den Platz herzurichten. Es kommt eine große Bühne, dann werden Bänke aufgestellt, die unterschiedlichen Stände aufgebaut und die Räume für die Workshops im Katholischen Centrum hergerichtet. Wir brauchen auch Helferinnen und Helfer, die die Menschen begrüßen.

Auch wer nicht viel über Franziskus weiß, bringt ihn in Verbindung mit dem Erhalt der Schöpfung.

Sr. Maria: Für Franziskus ist es nicht die Schöpfung an sich, die erhalten werden muss. Er sieht in der Schöpfung den Schöpfer. „Mein Gott und mein Alles!“ Damit ist er natürlich für die heutige Zeit ein Ansprechpartner, damit wir die Schöpfung erhalten. Gott begegnet uns in den Tieren, in den Pflanzen, er begegnet uns aber auch in den Menschen.

Wenn ich Gott in der Schöpfung erkenne und diese zerstöre, zerstöre ich dann nicht auch Gott?

Sr. Klara: Ich kann Gott nicht zerstören, er ist ja kein Mensch. Aber ich mache etwas kaputt, was mir zu achten aufgetragen ist. Die Verantwortung habe ich. Ich finde es manchmal mühsam, das alles zu Ende zu denken und erschlage auch schon mal eine Mücke, damit sie mich nicht sticht. Aber in der Regel trage ich die Tiere, die uneingeladen in meinem Zimmer auftauchen, mit einem Glas nach draußen. Wir bemühen uns um eine nachhaltige Lebensweise, recyceln und benutzen Dinge, bis sie auseinanderfallen.

Sr. Maria: In der Begegnung mit den Armen  bin ich nicht diejenige, die sie umarmt. Ich begegne ihnen und grüße sie, aber ich gehe dann weiter. In diesen Begegnungen spüre ich, dass ich nicht wie Franziskus lebe. Ich habe auch nicht den Auftrag, Franziskus zu sein. Jeder von uns hat seine Aufgabe in den Augen Gottes. Die Gesamtheit ergibt das Bild.

Sr. Klara: Franziskus hat selbst gesagt, dass wir Christus nachfolgen sollen. Am Ende seines Lebens sagt er zu seinen Brüdern: „Ich habe das Meinige getan, was ihr zu tun habt, soll euch der Herr zeigen.“ Für uns als Gemeinschaft heißt dies: Wir schauen auf Franziskus und nehmen ihn uns zum Vorbild. Aber wir gehen in der Nachfolge Jesu Christi. Diesen Weg müssen wir selbst finden. Wir haben auch in der heiligen Klara ein gutes Vorbild. Aber die Ausrichtung ist, das Evangelium zu leben und das, was ich verstehe, umzusetzen.

Als die Sießener Franziskanerinnen im März 2025 nach Dortmund kamen, bekamen Sie viel Zeit, um sich umzuschauen. Haben Sie inzwischen Aufgaben gefunden oder dauert die Suche noch an?

Sr. Maria: Ein Teil der Suche ist abge­schlossen. Im Moment nimmt die Vorbereitung des Franziskusfestes viel Zeit in Anspruch. Aber es wird konkreter. Eine Mitschwester hilft in einem Kindergarten in der Nordstadt. Eine andere gibt Roma-­Frauen Unterricht. Ich selbst bin unter anderem im Präsenzdienst im Kolumbarium. Es sind kleine konkrete Schritte. Fest ist seit dem 8. März 2025, dass wir zweimal in der Woche dazu einladen, mit uns die Laudes im Katholischen Centrum zu beten und nachmittags mittwochs und freitags jeweils eine Stunde Anbetung in der Propsteikirche zu halten. Das muss vorbereitet sein. Wir haben nicht die eine große Aufgabe. Wir sind an unterschiedlichen Orten präsent. Wenn wir durch die Stadt gehen, werden wir angesprochen: „Oh, es gibt wieder Schwestern? Woher kommen Sie?“ Wir spüren, dass wir wahrgenommen werden. Das allein ist schon ein Auftrag.

Sr. Klara: Viele Menschen fragen uns nach dem Ordensleben. Es gibt auch viele Anfragen aus Jugendgruppen, Schulklassen, Verbänden, Gruppen aus Kirchengemeinden oder Parteien und am Gemeinwohl interessierten Gruppen: „Könnt ihr mal kommen und uns von eurem Leben oder von Franziskus erzählen?“ Die Mitschwestern fahren viel herum in der Stadt. So entsteht Begegnung. Nicht Zahlen oder Erfolge vorweisen zu müssen, ist ein Riesengeschenk. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich mal bei der BVB-­Gründerkirche lande.

Hintergrund

Am Samstag, 12. September, lädt das Erzbistum Paderborn zusammen mit den franziskanischen Ordensgemeinschaften zum Franziskusfest in die Dortmunder Innenstadt ein. Unter dem Motto „800 Jahre – einfach leben – Franz von Assisi“ wird der Propsteihof von 11.00 bis 17.00 Uhr zu einem Ort der Begegnung, Inspiration und gelebten Gemeinschaft. Die Organisatoren bitten, um besser planen zu können, um Anmeldung unter: https://www.erzbistum-­paderborn.de/themen-­angebote/dioezesanes-­franziskusfest/

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