Viele Babyboomer wollen sich verkleinern
Wohnen im Alter: Wer sein Haus verkaufen will, dem helfen diese Fragen weiter.
Es kann der Zeitpunkt kommen, da wirkt das Haus, in dem man sein Leben verbracht, zu groß, zu mühselig, zu unpraktisch. Viele Menschen der sogenannten Babyboomer-Generation stecken gerade mitten in dieser Lebensphase, in der die Kinder ausgezogen sind, der Garten zur Belastung wird und die Frage anklopft: Kann und will ich in diesem Haus weiterhin leben?
Felizitas Bellendorf von der Verbraucherzentrale NRW rät dazu, sich diese Frage nicht zu spät zu stellen. „Wenn ich gesundheitlich eingeschränkt bin oder meinen Partner pflegen muss, ist es schwierig, sich darüber noch in Ruhe Gedanken zu machen“, sagt sie und rät stattdessen dazu, sich frühzeitig mit den wichtigsten Fragen zu beschäftigen:
Umzug frühzeitig planen
Möchte ich in meinem Haus weiterhin wohnen oder will ich umziehen? – Wenn ich in meinem Haus wohnen bleibe: Ist es bereits barrierefrei oder muss ich es umbauen? – Wenn ich umziehen möchte: Wie soll mein neues Umfeld aussehen?
Umbaumaßnahmen im eigenen Haus – etwa, um mit dem Rollator in die Dusche zu kommen – sind laut Bellendorf ebenfalls sinnvoll frühzeitig mitbedenken. Sie selbst hat vor über zehn Jahren beim Umbau ihres Bades an eine breitere Tür und eine ebenerdige Dusche gedacht. „Wenn ich sowieso einen großen Umbau mache, dann kann ich gleichzeitig überlegen, was ich tun muss, damit es altersgerecht wird“, sagt sie. Die Verbraucherzentrale hat für barrierefreies Wohnen eine Checkliste erstellt und bietet eine kostenlose Wohnberatung an.
Wer sich hingegen vorstellen kann, im Alter noch einmal umzuziehen, könnte in einem ersten Schritt mit offenen Augen durch attraktive Wohnviertel oder die eigene Nachbarschaft laufen. Wer sich frühzeitig über einen möglichen Umzug Gedanken macht, kann sich ohne Druck umschauen. Eine zentrale Frage dabei lautet: Wie kann ich Ärzte und Supermärkte erreichen, wenn ich vielleicht in Zukunft nicht mehr mit dem Auto fahren kann?
Wichtig ist laut Bellendorf, erst den Einzug in die neue Wohnung fix zu haben und erst dann das alte Haus zu verkaufen. „Eine Nachbarin von uns hat ihr Haus verkauft, aber kann jetzt frühestens in einem Jahr in diese Wohnung, die eigentlich schon fertig sein sollte“, berichtet sie. Für so einen Fall komme es darauf an, einen Plan B zu haben.
Vor dem Verkauf des Hauses ist eine genaue Kalkulation notwendig, die auch versteckte Kosten beinhalten sollte. Denn am Ende gehen vom Verkaufspreis oft noch Makler- und Notarkosten, Steuern ab – und natürlich die Kosten für den Umzug und die neue Wohnung.
Dann stellt sich die Frage, ob sich kaufen lohnt oder mieten doch günstiger ist. Als Faustregel gilt: Je kürzer der Wohnzeitraum, desto attraktiver ist Mieten. Eine wichtige Frage lautet außerdem: Kann ich im Alter noch die Verantwortung für die Instandhaltung einer eigenen Wohnung tragen?
Statt alleine oder als Ehepaar in eine neue Wohnung zu ziehen, könnte sich auch mehrgenerationales Wohnen anbieten. „Das kann viel Charme haben, weil man dort mit anderen Menschen im Austausch bleibt“, sagt Bellendorf. Sie gibt aber zu bedenken: Wer schon immer ein Eigenbrötler gewesen sei, ist in einer eigenen Wohnung vielleicht doch besser aufgehoben.
Ausmisten und Abschied nehmen
Beim Umzug selbst stellt sich die nächste Herausforderung: sich zu verkleinern. „Der eine hat mehr Kochbücher, der andere vielleicht eine gut ausgestattete Werkstatt“, sagt die Expertin. Oft sei nicht für alles Platz in der neuen Wohnung.
Bei der Entscheidung, was mit darf und was nicht, rät sie dazu, sich die Frage zu stellen: Wann habe ich das zum letzten Mal wirklich benutzt? Vielleicht findet sich jemand im Umfeld, der einiges gebrauchen kann, bevor es auf dem Sperrmüll landet.
Zu guter Letzt steht der Abschied von einem Ort an, an dem man mehrere Jahre oder Jahrzehnte gewohnt hat – ein schwieriger Moment. Bellendorf schlägt vor, sich vor dem Auszug noch einmal als Familie dort zu treffen und die Jahre Revue passieren zu lassen. „Das kann ähnlich einer Trauerfeier sein – schließlich ist es ein großer Abschied.“