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27.08.2026
Klare Bildsprache, bunte Farben - Comics sind laut einer Expertin allerdings auch sprachlich wichtig.
Foto / Quelle: pixabay

Expertin: Comics sind gut zum Lesen lernen

Vor 75 Jahren kam das deutsche Micky-Maus-Heft erstmals in den Handel. Comics galten damals als Schund – zu Unrecht.

Schwarzenbach an der Saale

Comics sind nach den Worten einer Expertin eine gute Möglichkeit, Kindern in der Schule das Lesen schmackhaft zu machen. „Sie können den Einstieg ins Lesen erleichtern“, sagte Joanna Straczowski, Leiterin des „Erika-Fuchs-Hauses – Museum für Comic und Sprachkunst“ in Schwarzenbach an der Saale, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Manche Comics kämen ohne ein einziges Wort aus – und dennoch tauche man in eine Geschichte ein. Das Verstehen der Bilder könne Kindern „einen Instinkt für das Lesen mitgeben“. Gerade in der bilddominanten Welt von heute sei es wichtig, Bildsprache zu verstehen.

Vor 75 Jahren, am 29. August 1951, kam das erste deutsche Micky-Maus-Magazin auf den Markt – auf dem Titelbild Micky und Goofy im rasanten Flug. Es kostete 75 Pfennig.

Übersetzerin mit Doktortitel im Impressum

Die Kunsthistorikerin Erika Fuchs war nicht nur Übersetzerin, sondern auch Chefredakteurin der deutschen Ausgabe und wurde ausdrücklich als solche im Impressum genannt – mit ihrem Doktortitel: „Die Eltern sollten Vertrauen in die Hefte haben“, erklärt Straczowski. Sie selbst erinnert sich daran, dass sie es als Kind seltsam fand, dass dieser Titel im Impressum stand. „Ein Doktor – das hatte für mich etwas Medizinisches“, sagt sie.

Herausfordernd waren die Hefte nach ihren Worten schon früher durchaus. So benutzte Übersetzerin Fuchs auch anspruchsvolle Wörter, die für Kinder nicht sofort verständlich waren. „Sie war der Meinung, dass man die Jugend nicht für dumm verkaufen sollte. Also lieber zum Beispiel dem Onkel Dagobert auch mal ein Fremdwort in den Schnabel legen. Damit wollte sie die Kinder neugierig machen – damit sie vielleicht auch ein bisschen selbst forschen, was das bedeuten könnte“, sagt die Expertin.

Einer der deutschen Zeichner, Ulrich Schröder, sieht sich bis heute von dieser Vorgehensweise inspiriert. „Nicht denken, ‚Oh, die verstehen das nicht'“, sagt er. „Es sollte lesbar für Kinder und auch für Erwachsene sein.“ Er versuche bei seiner Arbeit nach eigenen Worten, Charakter und Outfit von Donald Duck beizubehalten – ihn aber in moderne Situationen zu versetzen.

Von dem ersten Heft, das Fuchs probeweise übersetzte, wurde demnach zunächst nicht einmal die Hälfte von rund 300.000 Exemplaren verkauft. Der Rest wurde auf Schulhöfen verschenkt. Heute ist „Micky Maus“ ein Literaturklassiker; Sammler bezahlen für die ersten Comics mehrere tausend Euro.

KNA
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