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15.07.2026
Ein Gedenkstein erinnert an die Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 neben einer provisorischen Brücke im Ortsteil Insul, Gemeinde Adenau.
Foto / Quelle: Harald Oppitz/KNA

Eine Entschuldigung und mahnende Worte

Nachdenkliche Töne überwogen beim Gedenken zum fünften Jahrestag der Flutkatastrophe, die 2021 im Westen schwere Schäden verursachte.

Bonn

Würde der Bundeskanzler etwas zum Thema Klimaschutz sagen? Das fragte sich mancher Beobachter im Vorfeld des Gedenkaktes, der am Dienstagabend auf dem Marktplatz von Ahrweiler in Erinnerung an die Flutkatastrophe im Ahrtal vor fünf Jahren stattfand.

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 hatten die Wassermassen schwere Schäden vor allem in Teilen von Nordrhein-Westfalen und von Rheinland-Pfalz aber auch in anderen west- und mitteleuropäischen Ländern verursacht. Mehr als 180 Menschen kamen im Westen Deutschlands ums Leben; allein im Ahrtal waren es 135. Wissenschaftler warnen seit Jahren, dass sich solche extremen Wetterereignisse als Folgen des Klimawandels zu häufen drohen.

Worte des Mitgefühls

Friedrich Merz fand zu Beginn seiner Rede in Ahrweiler Worte des Mitgefühls. „Sie hier im Ahrtal teilen miteinander Erfahrungen, die unvorstellbar sind für die meisten Menschen in unserem Land, und die auch für mich unvorstellbar sind“, so der Kanzler. Die Bilder der Zerstörung erinnerten daran, „wie verletzlich, wie verwundbar wir Menschen sind“.

Zugleich betonte der CDU-Politiker, die Katastrophe habe Einfluss genommen auf zahlreiche Maßnahmen und Gesetze, um Deutschland besser auf Naturkatastrophen vorzubereiten. „Kein Mensch, keine Stadt, keine Region darf und soll in unserem Land allein bleiben mit der Furcht vor Katastrophen und Naturgewalten, mit der Furcht vor den Folgen des Klimawandels, die wir erleben.“

Kritiker werfen der Bundesregierung allerdings vor, den Kampf gegen den Klimawandel zu vernachlässigen und die Klimaziele aufzuweichen. Wiewohl zu parteipolitischer Neutralität verpflichtet, hatte es Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einer Gedenkstunde im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf am Dienstagvormittag folgendermaßen formuliert: „Weder beim Kampf gegen die Ursachen solcher Katastrophen noch beim Bemühen, unser Land widerstandsfähiger gegen Hitze, Dürre und Extremwetter zu machen, sind wir, ist Deutschland, ist Europa schon da, wo wir sein müssten.“

In Ahrweiler aufhorchen ließ ein Parteifreund von Friedrich Merz, Gordon Schnieder. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident sagte, der Staat habe in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 das Versprechen nicht eingehalten, seine Bürgerinnen und Bürger zu schützen. „Der Staat hat in dieser Frage und dieser Nacht versagt“, fügte der CDU-Politiker unterbrochen von Applaus hinzu. „Dafür bitte ich als Ministerpräsident um Entschuldigung.“

Folgen der Flut

Was bleibt, sind die immer noch sichtbaren Folgen der Hochwasserkatastrophe – im Ahrtal und andernorts. Das Leid und der Schmerz der Menschen, die Angehörige oder Hab und Gut in der Flutnacht verloren haben; die baufälligen Häuser, die immer noch in Städten und Dörfern zu sehen sind; die Container, in denen mitunter noch der Schulunterricht stattfindet.

Was bleibt, ist auch die Dankbarkeit für die Solidarität und die Hilfsbereitschaft vieler Menschen, wie nicht nur der Trierer Bischof Stephan Ackermann hervorhob. „Heute ist ein schwerer Tag, aber es ist auch ein Tag, der zeigt, was Ihre Region sein kann, was unser Land auch sein kann: Ein Land, in dem wir uns die Hände reichen“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz.

Der Klimawandel und seine Folgen blieben unterdessen auch an diesem besonderen Dienstag gegenwärtig. Erst vor kurzem meldeten die Wetterstationen im Land Temperaturrekorde von über 40 Grad, die andauernde Trockenheit macht Binnenschiffern und Landwirten zu schaffen und auch am Abend war es mit 30 Grad hochsommerlich warm. Am Mittwoch erinnert die Europäische Union an alle Opfer der Klimakrise. Der 15. Juli ist seit drei Jahren EU-Gedenktag.

KNA
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