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29.10.2026
Das „Himmlische Jerusalem“ – hier steht das Lamm Gottes im Mittelpunkt.
Foto / Quelle: Wolfgang Maas

Das „Himmlische Jerusalem“ als Glaskunst

In seiner Heimatstadt Unna hat der Künstler Wilhelm Buschulte zahlreiche bemerkenswerte Kirchenfenster geschaffen. Besonders beeindruckend sind die beiden Teile, die das „Himmlische Jerusalem“ bilden. Die Kunstwerke sind im Chorraum der Katharinenkirche angebracht worden. Es lohnt sich zudem, den weiten Kirchenraum auf sich wirken zu lassen.

Unna

Man sieht sie nicht auf den ersten Blick, wenn man die Kirche St. Katharina in der Innenstadt von Unna betritt. Denn die Chorfenster, die Wilhelm ­Buschulte in diesem Gotteshaus in seiner Heimatstadt entworfen hat, sind seitlich im Chorraum angebracht. Man muss sie bewusst suchen, um sie erleben zu können. Und je näher man kommt, umso mehr zeigen sich die beiden quadratischen Fenster in ihrer ganzen Pracht. Helle Farbtöne in Gelb und Rot dominieren die Fenster, deren Thema das „Himmlische Jerusalem“ ist.

Buschulte wurde 1923 in Unna geboren und studierte an der Akademie für bildende Künste in München, allerdings unterbrochen durch den Zweiten Weltkrieg. Er wurde Meisterschüler in der Klasse von Prof. Hans Gött und gilt als einer der meistbeschäftigten Glaskünstler nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Liste seiner Werke und der Kirchen, für die sie geschaffen wurden, ist lang. Aachen, Köln, Paderborn, mehrere Städte im Sauerland sowie im Ruhrgebiet und sogar Kairo stehen darauf. Eine sehr ausführliche Liste gibt es auf der Homepage der Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts. e. V. in Mönchengladbach.

Tore wie ein Schmuckband

Der Glasmaler bekam in seiner Heimatstadt einst einen seiner ersten großen Aufträge für die Kirchenfenster, die er umsetzen durfte. Unterstützt wurde der Künstler dabei von Pastor Wilhelm Stratmann. In der Katharinenkirche konnte Buschulte ganz unterschiedliche Motive und Farben verwenden, wobei das „Himmlische Jerusalem“ mit seinen zahlreichen Darstellungen von Heiligen als Höhepunkt betrachtet werden kann. Die Tore dieser heiligen Stadt sind in der Katharinenkirche im oberen Bereich wie bei einem Schmuckband an­einander­gereiht. Insgesamt sind 16 Heilige zu sehen sowie das Symbol Alpha und Omega sowie das Lamm Gottes auf dem Buch mit sieben Siegeln.

Sehenswert ist auch das runde Fenster in der West­fassade, das Buschulte 1953 entworfen hat. Es handelt sich um ein Kunstwerk mit den vier Evangelisten­symbolen und wurde aus Antikglas, Blei und Schwarzlot, also ein speziell gefärbtes Bleiglas. geschaffen. Zudem gibt es Fenster, die wiederum ganz anders ­wirken und gestaltet sind. Im Seitenschiff hat ­Buschulte Kunstwerke geschaffen, die an Mosaike erinnern. Bunte Rechtecke unterstreichen Texte wie „Du, o Herr, bist meine ­Hoffnung, mein Teil im Lande der Lebendigen“ oder „Aus Gnade seid ihr erlöst durch den Glauben“.

In der Sakristei wiederum dominieren andere Töne. Dort ist beispielsweise der Erzengel Gabriel im Kampf mit dem Drachen zu sehen sowie Maria als Apoka­lyptisches Weib. 1957 sind diese Fenster entstanden, die sich aus hellgrünen, hellblauen und braunen Tönen zusammensetzen. Und am Treppenaufgang zum Turm zeigte der Künstler sein Können in freien Kompositionen.

Die Kirche, die vom Bahnhof Unna aus nur wenige Meter entfernt ist, ist ein markanter Punkt in der Innenstadt. Erbaut wurde sie in den Jahren 1933 und 1934 nach Plänen der Dortmunder Architekten Flerus und Konert aus Anröchter Sandstein. Die Konsekration erfolgte am 7. Oktober 1934 durch den Paderborner Erzbischof Caspar Klein.

Das Seitenschiff der Katharinen­kirche in Unna
Der Altarraum der Katharinenkirche in Unna
Das „Himmlische Jerusalem“ – hier steht das Lamm Gottes im Mittelpunkt.
Die gegenüberliegende Seite zeigt ebenfalls viele Heiligendarstellungen.

Seit Mitte des 17. Jahrhunderts

Allerdings steht das Gotteshaus in einer längeren Tradition. Denn als sich Mitte des 17. Jahrhunderts wieder eine katholische Gemeinde im überwiegend evangelischen Unna bilden konnte, bekamen sie eine Kloster­kapelle zugesprochen. Bereits diese war Katharina von Alexandrien geweiht. Bis 1848 wurde das Gebäude von den Katholiken genutzt und im Anschluss von der jüdischen Gemeinde als Synagoge. Der direkte Vorgängerbau der heutigen Katharinenkirche entstand im Jahr 1848 südwestlich der heutigen. Doch die Kirche war bereits zur Jahrhundertwende zu klein geworden. Trotzdem zogen sich die Planung und das Errichten der neuen Kirche noch rund 34 Jahre.

Heute, nach einer umfangreichen Sanierung ab dem Jahr 2002, erscheint die Kirche offen und einladend. „Es wurde die Idee einer Wegekirche aufgegriffen, sodass Tabernakel, Altar, Taufstein und Hauptportal eine Mittelachse bilden“, heißt es dazu beim Online-­Lexikon wikipedia.

Wer sich selbst ein Bild davon machen will, kann dies unkompliziert tun. Denn das Gotteshaus ist an Werktagen von 9.00 bis 12.00 Uhr sowie mittwochs zusätzlich von 15.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Dann kann man sich bei dezenter Musik die Zeit nehmen, um die beeindruckende Arbeit von Wilhelm Buschulte selbst in Augenschein zu nehmen.

Wolfgang Maas

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