Was kannst du tun?

„Was es heißt, die Botschaft Jesu in das eigene Leben zu übersetzen und so Recht und Gerechtigkeit zu üben, gehört zu den großen und wichtigen Fragen im religiösen Leben, die Jesus seinen Zuhörern und an diesem Sonntag auch uns vor Augen führt“, resümiert Christian Städter.

Wo die eigenen Lebensmittel kaufen? Da, wo Ausbeutung vorprogrammiert ist, oder gibt es eine Alternative? Beim Zugang zum Reich Gottes geht es um konkrete Fragen an den Einzelnen, nicht um Allgemeines. Foto: zefe wu/pixabay
Wo die eigenen Lebensmittel kaufen? Da, wo Ausbeutung vorprogrammiert ist, oder gibt es eine Alternative? Beim Zugang zum Reich Gottes geht es um konkrete Fragen an den Einzelnen, nicht um Allgemeines. Foto: zefe wu/pixabay
veröffentlicht am 21.08.2022
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Ein Ziel zu haben, es in den Blick zu nehmen und dann entschieden anzusteuern, darum drehen sich die Verse im sonntäglichen Evangelium. Christinnen und Christen möchten am Ende ihres Lebens ewiges Heil erlangen. Dazu braucht es keine bestimmte Leistung, aber mehr als nur Hören.

Von Christian Städter

Jesus selbst hat das Ziel seines irdischen Lebens in den Blick genommen: die Stadt Jerusalem. Dort soll er, das scheint er immer deutlicher zu erkennen, sein Leben in die Hände seines Vaters legen. Auf dieses Ziel hin ist sein Weg ausgerichtet. Der Weg wird zur Gelegenheit für seine Predigt: In den Städten und Dörfern, die er durchquert, verkündet er das Reich Gottes.

Ein Namenloser stellt Fragen für viele

Ein Namenloser – er mag vielleicht für unzählig viele stehen, die ähnliche Fragen umtreiben – stellt Jesus auf diesem Weg eine Frage nach dem letzten Ziel des Lebens: Was geschieht, wenn alles Irdische endet? Sind es dann wenige, die in ein ewiges, himmlisches Leben hinein gerettet werden? Jesus geht auf die Frage ein, aber seine Antwort hat eine andere Ausrichtung. Die Frage, ob es nur wenige sind, die gerettet werden, bleibt letztendlich allgemein und theoretisch. Jesus führt die Frage ins Persönliche und Konkrete hinein, indem er eine direkte Aufforderung an seine Zuhörer formuliert. Ihm geht es nicht um eine sterile Spekulation, sondern um einen Glauben, der konkret in das Leben hineinreicht: Es geht darum, so Jesus direkt an seine Zuhörer, dass ihr euch darum müht, gerettet zu werden! 

Wer Gerechtigkeit geübt hat, wird eingelassen

Jesus entfaltet diese Aufforderung in einem endzeitlichen Bild: Die Menschen, die gerettet werden wollen, stehen vor der Tür eines Hauses. Irgendwann steht diese Tür nicht mehr offen, sondern wird verschlossen. Die davorstehenden Menschen klopfen und rufen, aber sie sind dem Herrn des Hauses nicht bekannt, obwohl er doch anscheinend in ihren Straßen unterwegs war und sie mit ihm gegessen und getrunken haben. Zweimal bekommen sie von ihm zu hören: „Ich weiß nicht, woher ihr seid.“ Die Tür bleibt ihnen verschlossen. Schließlich offenbart er ihnen, warum sie nicht eingelassen werden: Sie haben alle Unrecht getan. In das Haus hineingelassen werden also nur die, die zu Lebzeiten, also bevor die Tür zum Saal geschlossen wird, Recht und Gerechtigkeit üben. 

Ewiges Leben – ein Geschenk, dass ergriffen werden will

Das ewige Leben in Gemeinschaft mit Gott, um das es hier geht, ist in erster Linie ein Geschenk Gottes, das man sich nicht verdienen oder erarbeiten kann. Aber dieses Geschenk will ergriffen werden, indem man Rechtes und nicht Unrechtes tut. Eine bloße Kenntnis der Botschaft, die Jesus in den Städten und Dörfern verkündet, reicht nicht aus, es geht um die konkrete Übersetzung der Botschaft in das eigene Leben hinein. Das ist der Weg, der zum Ziel führt.

Viele bleiben enttäuscht zurück

Für die Menschen, die vor der verschlossenen Tür stehen, ist die Enttäuschung groß, vor allem als sie sehen, dass viele andere Einlass gefunden haben: die Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob, die Propheten und selbst viele Menschen, die den Heidenvölkern zuzurechnen und aus allen Himmelsrichtungen gekommen sind.

Was es heißt, die Botschaft Jesu in das eigene Leben zu übersetzen und so Recht und Gerechtigkeit zu üben, gehört zu den großen und wichtigen Fragen im religiösen Leben, die Jesus seinen Zuhörern und an diesem Sonntag im Evangelium auch uns vor Augen führt.

Info

Heulen und Zähneknirschen
Die bis in unsere Tage sprichwörtliche Wendung „Heulen und Zähneknirschen“ findet sich sechsmal im Matthäusevangelium (8,12; 13,42; 13,50; 22,13; 24,51; 25,30) und einmal im Lukasevangelium (13,28). Jedes Mal geht es um Menschen, die nicht in das Reich Gottes hineinkommen. Man mag das Heulen als eine Reaktion auf große Hitze und das Zähneknirschen als eine Reaktion auf große Kälte deuten. Auf jeden Fall sind es instinktive Reaktionen des Menschen auf einen kaum zu ertragenden Zustand. Wenn man sich vorstellt, wie es sich anhört, wenn Menschen diese Laute von sich geben, lässt sich erahnen, wie passend die biblischen Autoren dieses Bild fanden, um den inneren Schmerz der Gottesferne zu umschreiben.

Der Autor

Christian Städter (41) ist Spiritual im Erzbischöflichen Priesterseminar in Paderborn und unterstützt als Domvikar die Seelsorge im Paderborner Dom.

Christian Städter (41) ist Spiritual im Erzbischöflichen Priesterseminar in Paderborn und unterstützt als Domvikar die Seelsorge im Paderborner Dom.

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