Priester – Welche brauchen wir?

Um die Zukunft des Priestertums ging es in zwei Interviews, die die Dom-Redaktion mit Michaela Labudda und mit Monsignore Dr. Michael Menke-Peitzmeyer geführt hat.

Zu einem Streitgespräch trafen sich Michaela Labudda und Dr. Michael Menke-Peitzmeyer im Juli im Priesterseminar. (Foto: Andreas Wiedenhaus)
Zu einem Streitgespräch trafen sich Michaela Labudda und Dr. Michael Menke-Peitzmeyer im Juli im Priesterseminar. (Foto: Andreas Wiedenhaus)
veröffentlicht am 26.08.2021
Lesezeit: ungefähr 5 Minuten

Um die Zukunft des Priestertums ging es in zwei Interviews, die die Dom-Redaktion mit Michaela Labudda und mit Monsignore Dr. Michael Menke-Peitzmeyer geführt haben. Beide sagten, sie würden gern mit dem jeweils anderen diskutieren. Im Juli trafen sich die beiden zum Streitgespräch. Dabei stand die Frage, welche Priester brauchen wir im Fokus.

Herr Regens Dr. Menke-Peitzmeyer, wir sind zu Gast im Priesterseminar. Wie lange wird es diese Einrichtung so noch geben?

Menke-Peitzmeyer: „Hoffentlich noch lange! Die Zahlen der Priesteramtskandidaten sind natürlich stark rückläufig. Zurzeit haben wir 19 Kandidaten. Als ich Mitte der 1980er Jahre ausgebildet worden bin, waren wir gut 200 Kandidaten. Die Zahlen zeigen, in welchem Epochenwandel wir stehen.“

Frau Labudda, diese Entwicklung dürfte Ihnen mindestens keine Sorgen machen, vielleicht sogar eher als Chance erscheinen. 

Labudda: „Über die Sorgenphase bin ich hinaus. Ich habe eine andere Idee von der Zukunft des Priestertums und daher liegt mir schon daran, Gebäude zu haben, in denen spirituelle Bildung geschehen kann.“

Welche andere Idee vom Priestertum haben Sie?

Labudda: „Meine Idee geht aus vom gemeinsamen Priester_innentum der Gläubigen.“

Das gibt es ja längst, zumindest in der Theorie. Im Konzil ist davon die Rede, in der Taufe wird jede und jeder mit Christus zum Priester gesalbt, in der Firmung wird jeder persönlich vom Bischof ausgesendet. Warum kommt es nicht zum Tragen?

Labudda: „Wir haben zwar den Begriff, aber wir haben trotzdem ein Ständewesen entwickelt, an dem wir immer noch festhalten. Das halte ich für ungut. Gerade in einer zunehmend säkularisierten Welt wäre es ein großer Gewinn, wenn wir dieses gemeinsame Priester_innentum wieder entdecken und weiterentwickeln könnten.“

Menke-Peitzmeyer: „Ich pflichte Frau Labudda bei. Dieser wichtige Impuls des Zweiten Vatikanischen Konzils ist in der Kirche nicht hinreichend und vor allem nicht konsequent genug aufgegriffen worden. Da gibt es viel Nachholbedarf. Aber ebenso deutlich votiere ich für eine Theologie und Praxis des Amtes, das über die reine Funktionalität hinausgeht. Unsere Kirche ist nicht nur eine menschliche Organisation, sondern auch eine sakramentale Wirklichkeit. Das heißt: Als eine soziale Größe ist die Kirche immer auch ein von Gott verbürgtes Zeichen seiner Gegenwart und seines Handelns in der Welt. Dafür stehen auch die Ämter. Deshalb muss die Ämterstruktur – die ja nicht erst gestern vom Himmel gefallen ist, sondern eine 2000-jährige Tradition hat – wahr- und ernstgenommen und, wo nötig, weiterentwickelt werden.“

Labudda: „Ich glaube, in Deutschland ist diese Amtstheologie längst überholt. Sie fußt auf drei Säulen: Lehren, leiten und heiligen. Das Lehren und das Heiligen findet längst und ganz selbstverständlich in anderen Berufsgruppen statt. Ein Theologieprofessor lehrt und jeder, der sich in Kirche engagiert, heilt doch auch. Nur beim Leiten bewahren wir uns das Problem, dass Weihe und Leitung miteinander verknüpft sein müssen. Das gilt es, aufzuweichen, in vielen Bistümern geschieht es ja schon.“

Menke-Peitzmeyer: „In der Weihe wird dem Priester sakramental Anteil gegeben am Hohepriestertum Jesu Christi, darin sind diese drei Dienste eingeschlossen. Aber es gibt auch noch die Ebene der Jurisdiktion, also der Anteilgabe an Macht im Raum der Kirche. Das Problem, das auf uns zukommt, ist: Wir haben immer weniger Menschen, die „amtlich“, also qua Weihe, mit diesen drei Diensten in der Kirche beauftragt werden. Über unsere 2000-jährige Tradition können wir uns nicht einfach hinwegsetzen. Beim Synodalen Weg, von dem ich sehr viele Impulse erhoffe, sehe ich da das Problem vor allem bei der Frage nach dem Priesteramt der Frau. Denn das ist eine dogmatische Frage.

Papst Johannes PaulII. hat 1995 eine sehr weitreichende Entscheidung gefällt, die zwar nicht unfehlbar genannt wird, aber es de facto doch ist. Das wird von vielen auch innerhalb der Kirche als ein großes Hindernis verstanden, um der anderen Hälfte der Menschen im Sinne der Gleichberechtigung den Weg zum Priesteramt zu ermöglichen. Die Frage wäre nun: Wie kann man Frauen einen erweiterten Zugang zu den genannten drei Dienstfunktionen geben. Könnte das ein neues Amt sein? Das Thema ist mir ein echtes Anliegen, daher frage ich mich: Wo und wie können wir Frauen teilhaben lassen am Dienstamt Jesu Christi?“

Sprache der machthabenden Priester

Labudda: „Ihre Sprache entlarvt Sie, es ist die Sprache der Machthabenden: „Wo können wir den Frauen etwas abgeben?“ Den meisten Frauen des Synodalen Wegs geht es nicht darum, etwas abzubekommen. Und wenn Sie von der 2000-jährigen Tradition der Kirche sprechen, dann ist das auch eine 2000-jährige Kirche des Wandels. Es gibt so viele Beispiele in der Kirche, wo sich das Lehramt eben doch geändert hat. Warum soll das bei dieser Frage nicht möglich sein? Ich behaupte: Es liegt daran, dass die Frage von den Frauen gestellt wird, die eben nicht die Macht haben. An dieses Machtsystem müssen wir ran. Man kann das gern von der Frauenfrage lösen, aber es muss dringend auf den Prüfstand.“

Das vollständige Interview finden Sie in der Aktuellen DOM-Ausgabe. Hier geht es zum E-Paper und zum Probe-Abo.

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