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15.07.2026
Foto / Quelle: Corinne Simon/KNA

Selbst gute Schwimmer können im Badesee in Gefahr geraten

Schwimmen gilt als gesund – und birgt doch tödliche Gefahren. Gerade Hitzetage mit überfüllten Freibädern locken Unbedarfte auch an freie Gewässer. Warum sich selbst gute Schwimmer dort nicht in Sicherheit wiegen können.

Köln

Die Sonne knallt, endlich kommt man verschwitzt am Badesee an und möchte sofort ins kühle Nass springen – Andreas Bieder kann das gut nachvollziehen. Dennoch hält der Schwimmexperte das für keine gute Idee: Es fehle bei vielen das Bewusstsein, dass freie Gewässer meist nicht beaufsichtigt werden. Im Notfall komme an Seen und Flüssen niemand, der einen schnell herausholt.

Laut Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind bei der jüngsten Hitzewelle Ende Juni mindestens 33 Menschen bei Badeunfällen ums Leben gekommen. DLRG-Sprecher Martin Holzhause zufolge können rund 60 Prozent der Zehnjährigen nach Beendigung der vierten Klasse nicht sicher schwimmen. „Für einige Jahrgänge, die während der Corona-Pandemie das Schwimmen nicht gelernt haben, dürfte das Ergebnis noch schlechter ausfallen.“ Und: Wer ein paar wenige Schwimmzüge schafft, ist noch längst kein Schwimmer. „Ein Seepferdchen reicht nicht, man sollte in diesem Alter mindestens ein Bronze-Abzeichen haben“, stellt Holzhause fest.

Sicher in Bauch- und Rückenlage

Das kann Sportwissenschaftler Bieder nur unterstreichen. In schulischen Lehrplänen sei verankert, dass Heranwachsende „sicher schwimmen können sollen“, was mit dem Bronze-Abzeichen bescheinigt wird. Sich sicher in Bauch- und Rückenlage bewegen zu können, sei auch in einer Gefahrensituation außerhalb beaufsichtigter Schwimmbäder wichtig, sagt Bieder, der an der Deutschen Sporthochschule in Köln Schwimmlehrerinnen und -lehrer ausbildet.

Die jüngsten Zahlen von Badetoten allein damit zu erklären, dass Betroffene nicht schwimmen könnten, trifft den Sachverhalt für Bieder aber nicht ganz. Zum einen könne die Ursache des Ertrinkens oft nicht sicher herausgefunden werden, sagt er. Aus seiner Beobachtung „ist es nicht die Migrantentochter, die im Rhein ertrinkt, sondern meist junge Männer, die wenig Gespür für mögliche Gefahren haben“.

So schnell wie möglich ins Wasser?

Gerade an sommerlichen Tagen lasse die Sehnsucht nach dem kühlen Nass die Vorsicht in den Hintergrund treten, beobachtet Bieder – also Maßnahmen wie die, dass man sich vorher abkühlen sollte, um einen Kälteschock, Kreislaufprobleme oder schlimmstenfalls einen Atemstillstand zu vermeiden. „Man will so schnell wie möglich ins Wasser. Da wird dann die Vernunft zur Seite geschoben, und es wird mit Anlauf die Arschbombe ins Wasser gemacht.“

Aber auch ältere Menschen sind nicht vor dem Ertrinken gefeit. Von den 2025 ertrunkenen 393 Menschen waren laut DLRG 140 Personen ab 60 Jahren, 69 Prozent der Todesopfer dieser Altersgruppe waren Männer. Aufgrund möglicher Vorerkrankungen gebe es ein erhöhtes Gefahrenpotenzial, das oft unterschätzt werde, erklärt Holzhause.

Gefährliche Selbstüberschätzung

So litten ältere Männer öfter an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ohnehin neigten Männer „häufiger dazu, ihre Leistungsfähigkeit zu überschätzen“. Aus seiner Beobachtung gehen diese allein abseits bewachter Badestellen schwimmen, gewöhnen sich nicht ausreichend an die Wassertemperatur oder schwimmen zu weit raus.

Dabei stellt auch Sportwissenschaftler Bieder fest: „Völlig sicher ist man nie“. Neben gesundheitlichen Problemen wie einer Dehydrierung oder einem Herzinfarkt gebe es in freien Gewässern auch unkalkulierbare Risiken wie Strömung, Wellenbildung und einen gefahrenträchtigen Untergrund. Deshalb sollte jede schwimmende Person über Kenntnisse der Selbstrettung – etwa bei Muskelkrämpfen – verfügen, sagt der passionierte Schwimmer.

Plötzlicher Krampf im Wasser

Auch für geübte Schwimmer könne ein plötzlicher Krampf im Wasser bedrohlich sein, sagt Bieder. „Wenn man das noch nie hatte, kann das lebensbedrohlich sein.“ Es sei dann eine Herausforderung, ruhig zu bleiben und wieder zurück zum Ufer zu schwimmen.

Sollte dieser Notfall weit vom Ufer entfernt eintreten und sich ein Muskel unkontrolliert zusammenziehen, rät Bieder zu gezielten Dehnübungen. Bei einem Wadenkrampf sollte man versuchen, das Bein durchzudrücken und dabei die Zehenspitze zu greifen. Bei einem Oberschenkelkrampf empfiehlt er, den Unterschenkel des betroffenen Beins an das Gesäß zu ziehen. Dies sei oft auch bei Fußballern im späteren Spielverlauf zu beobachten, die mit Flüssigkeits- und Elektrolytmangel zu kämpfen haben.

Apfelschorle trinken

Diese Übungen im Wasser auszuführen, sei aber durchaus schwierig, räumt der Schwimmexperte ein: Man müsse dabei auch noch an der Oberfläche bleiben und sollte auf sich aufmerksam machen. Um solch einen Notfall zu vermeiden, helfe es, vor dem Schwimmen ausreichend Wasser und Elektrolyte zu sich zu nehmen. Sie sind etwa in Schorlen mit einem Drittel Fruchtsaft oder Kokoswasser enthalten. So viel Zeit sollte noch sein, bevor man sich auszieht und ins Wasser springt.

KNA
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